Friedrich Nietzsche - Also sprach Zarathustra

Also sprach Zarathustra

„Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch,  ein Seil über einem Abgrunde.(…)
Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein Übergang und ein Untergang ist.
Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.
Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.“

(Zitat S. 7 in diesem Buch)

„Also sprach Zarathustra“ zählt zu den wichtigsten und einflußreichsten Werken Friedrich Nietzsches und liegt hier in einer Neuausgabe vor.

Nietzsches Meisterwerk: „Also sprach Zarathustra: Ein Buch für Alle und Keinen“. Geschrieben zwischen 1883 und 1885, hebt sich dieses Werk durch seine poetische Prosa und emotional tiefgreifenden Inhalt von Nietzsches früheren, sachlicheren Schriften ab. In vier Teilen entfaltet Nietzsche die Lehren eines fiktiven Denkers, der den historischen persischen Religionsgründer Zarathustra verkörpert.

Die zentrale Inspiration des Werkes, der Gedanke der Ewigen Wiederkunft, prägt Nietzsches Vision einer Philosophie, die die Grenzen der Erkenntnis und Sprache erkundet.

Vom ersten Teil, der 1883 erschien, bis zum vierten, privat veröffentlichten Teil im Jahr 1885, nimmt Nietzsche den Leser mit auf eine Reise durch die komplexe Welt von Zarathustras Lehren.

Die Themen reichen von Individualität und Allgemeinheit, der Kritik an gesellschaftlichen Normen und Wissenschaft, bis hin zur Idee des Übermenschen und der ewigen Wiederkunft. Zarathustras Versuch, seine Weisheit zu teilen und die Herausforderungen des Lehrens stehen im Mittelpunkt des Buches, wobei Nietzsche die Schwierigkeiten und Missverständnisse, die mit der Vermittlung seiner Philosophie einhergehen, geschickt darstellt.

Das Werk hat nicht nur in der philosophischen Welt, sondern auch in der Musikgeschichte, durch Komponisten wie Richard Strauss und Gustav Mahler, einen nachhaltigen Einfluss hinterlassen. Trotz kontroverser Interpretationen und seiner missbräuchlichen Vereinnahmung im Dritten Reich, bleibt „Also sprach Zarathustra“ ein zentrales und wegweisendes Werk in Nietzsches Gesamtwerk und in der Geschichte der philosophischen Literatur.

Zusammenfassung

Also sprach Zarathustra„, ein Werk mit dem Untertitel „Ein Buch für Alle und Keinen“, wurde zwischen 1883 und 1885 vom deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche verfasst. Es handelt sich um ein literarisch-philosophisches Werk, das sich deutlich von Nietzsches früheren, eher sachlichen Schriften unterscheidet.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Der erste Teil erschien im Jahr 1883, gefolgt vom zweiten und dritten Teil im Jahr 1884, und schließlich dem vierten Teil im Jahr 1885, der zunächst nur als Privatdruck veröffentlicht wurde. Im Jahr 1886 veröffentlichte Nietzsche die ersten drei Teile gemeinsam unter dem Titel „Also sprach Zarathustra. Ein Buch für Alle und Keinen. In drei Teilen.“

In diesem Werk erzählt ein personaler Erzähler in einer poetischen Prosaform von den Lehren eines fiktiven Denkers, der denselben Namen wie der historische persische Religionsgründer Zarathustra trägt. Nietzsche selbst beschrieb den Stil des Buches als halkyonisch, also seelisch vollkommen, und erhoffte sich Leser, die dem emotionalen Pathos des Werkes gewachsen sind.

Der Untertitel „Ein Buch für Alle und Keinen“ deutet darauf hin, dass Nietzsche zur Zeit der Veröffentlichung nicht glaubte, eine solche Leserschaft in seiner Zeit zu finden.

Entstehung und Kontext in Nietzsches Werk

Die Idee für Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ begann sich während seines Aufenthalts in Basel in den Jahren 1871 und 1872 zu formen. Erste Überlegungen zur Figur Zarathustra sind in Nietzsches Notizen aus dieser Zeit festgehalten. In seiner Autobiographie „Ecce homo“ schildert Nietzsche, wie ihn die zentrale Inspiration des Buches, der Gedanke der Ewigen Wiederkunft, im Sommer 1881 in Sils Maria überkam:

„Die Grundconception des Werks, der Ewige-Wiederkunfts-Gedanke, diese höchste Formel der Bejahung, die überhaupt erreicht werden kann –, gehört in den August des Jahres 1881: er ist auf ein Blatt hingeworfen, mit der Unterschrift: ‚6000 Fuss jenseits von Mensch und Zeit.‘ Ich ging an jenem Tage am See von Silvaplana durch die Wälder; bei einem mächtigen pyramidal aufgethürmten Block unweit Surlei machte ich Halt. Da kam mir dieser Gedanke.“

Veröffentlichung und Überarbeitungen

Friedrich Nietzsche kündigte sein neues Werk „Also sprach Zarathustra“ erstmals in einem Brief an Heinrich Köselitz am 1. Februar 1883 an. Die vier Teile des Buches entstanden zwischen November 1882 und Februar 1885. Inspiriert wurde Nietzsche dabei unter anderem durch Carl Spittelers Dichtung „Prometheus und Epimetheus“.

Die Zeitspannen für die Fertigstellung der einzelnen Teile variierten stark. Während er für den ersten Teil lediglich zwei Monate benötigte und für den zweiten und dritten Teil sogar weniger als einen Monat, nahm der abschließende vierte Teil den ganzen Herbst und Winter 1884/85 in Anspruch.

Die Rolle von „Zarathustra“ in Nietzsches Gesamtwerk

In „Zarathustra“ reflektiert Nietzsche grundlegend über Sprache und Erkenntnis in Bezug auf seine eigene Philosophie. Er erkundet die Möglichkeit, seine Gedanken als Lehre zu verbreiten. Das Werk thematisiert das Scheitern dieser Lehre, wodurch wesentliche Aspekte von Nietzsches Denken klarer hervortreten. Um „Zarathustra“ vollständig zu verstehen, muss man sich mit Nietzsches Hauptgedanken vertraut machen.

Viele Themen in Nietzsches Philosophie resultieren aus dem Gegensatz zwischen Individualität und Allgemeinheit. Seine Moralkritik basiert auf der Annahme, dass ethische Konzepte ungleiche Handlungen und Absichten vereinheitlichen, was Nietzsche als eine Form der Gewalt ansieht, die aus dem gesellschaftlichen Leben entsteht – der Mensch als ‚Herdentier‘.

In ähnlicher Weise wird im „Zarathustra“ der Staat als Institution gesehen, die die Individualität bedroht. Nietzsches Kritik am ‚Geist der Rache‘ basiert auf der Idee, dass unterschiedliche Taten fälschlicherweise als gleich angesehen werden. Auch in der Wissenschaft und beim Erkennen findet sich dieses Problem: Das Bilden von Begriffen, die Ungleiches vereinheitlichen, beeinflusst die Erkenntnisse der Wissenschaften.

Für Nietzsche, der solch einen zentralen Gedanken verfolgt, wird die Vermittlung seiner Lehre problematisch. Er muss selbst Begriffe verwenden und spricht damit viele Menschen gleich an, was im Widerspruch zu seiner Philosophie steht. „Zarathustra“ ist das Buch, in dem er sich mit diesem Dilemma auseinandersetzt.

Zarathustra, der Protagonist, entscheidet sich anfangs, seine Weisheit zu ‚verschenken und auszuteilen‘, doch stößt er auf vielfältige Probleme bei der Mitteilung seiner Lehre, da er oft missverstanden wird. Diese Herausforderungen bestehen darin, dass sein Denken als eine lehrbare ‚Lehre‘ aufgefasst wird. Im Verlauf des Buches behandelt Nietzsche-Zarathustra viele Themen seiner Philosophie, die im Zusammenhang mit der Problematik des Lehrens stehen.

Am Ende steht das Scheitern des Lehrens, das aus dem Kern von Nietzsches Philosophie heraus verstanden werden kann. Nietzsche-Zarathustra muss erkennen, dass er beim Lehren anders verstanden wird, weil er mit Individuen spricht, die nicht gleichnamig gemacht werden können, und weil er vereinheitlichende Begriffe verwenden muss, die das Individuelle fälschlicherweise als gleich behandeln.

Einblick in einzelne Kapitel

Nach einem zehnjährigen Rückzug als Einsiedler in den Bergen beschließt der nun vierzigjährige Zarathustra, seine gewonnenen Einsichten mit den Menschen zu teilen. Er wendet sich an die Öffentlichkeit, indem er auf dem Marktplatz einer Stadt seine Lehren vom Übermenschen vorträgt. Doch anstatt auf offene Ohren zu stoßen, begegnet ihm von Seiten seiner Zuhörer lediglich Spott und Hohn. Diese Erfahrung führt dazu, dass Zarathustra fortan Menschenansammlungen meidet und sich auf die Suche nach Gleichgesinnten begibt, die seine Gedanken besser verstehen und wertschätzen könnten.

Über „Von den drei Verwandlungen“

Der erste Teil von Nietzsches Werk beginnt mit einer seiner berühmtesten Reden, „Von den drei Verwandlungen“. Hierin beschreibt Nietzsche drei entscheidende Phasen, die der menschliche Geist auf dem Weg der Wahrheitsfindung und Selbstentdeckung durchläuft.

„Drei Verwandlungen nenne ich euch des Geistes: wie der Geist zum Kameele wird, und zum Löwen das Kameel, und zum Kinde zuletzt der Löwe.“

Diese drei Metaphern bedürfen einer Interpretation durch den Leser. Die erste Verwandlung – das Kamel – symbolisiert den „demütigen Geist“. Dieser steht für Werte wie Demut, Selbstverleugnung, Genügsamkeit, Gehorsamkeit und die Fähigkeit, Widrigkeiten zu ertragen, also eine Art Leidensfähigkeit:

„Was ist das Schwerste, ihr Helden? so fragt der tragsame Geist, dass ich es auf mich nehme und meiner Stärke froh werde. Ist es nicht das: sich erniedrigen, um seinem Hochmuth wehe zu thun? Seine Thorheit leuchten lassen, um seiner Weisheit zu spotten?“

In der zweiten Verwandlung wandelt sich das Kamel zum Löwen, der für Macht, Freiheit im Sinne von Stärke und Selbstbestimmung steht. Der Löwe rebelliert gegen die bestehenden göttlichen Werte, verkörpert durch den „großen Drachen“ mit dem Namen „Du-sollst“, was die vorherrschende Moral symbolisiert:

„Freiheit sich schaffen und ein heiliges Nein auch vor der Pflicht: dazu, meine Brüder, bedarf es des Löwen. Recht sich nehmen zu neuen Werthen – das ist das furchtbarste Nehmen für einen tragsamen und ehrfürchtigen Geist. Wahrlich, ein Rauben ist es ihm und eines raubenden Thieres Sache.“

Da der Löwe jedoch eher zerstörerisch als konstruktiv agiert, ist eine dritte Verwandlung notwendig. Das Kind repräsentiert einen Neuanfang in ursprünglicher Unschuld. Der Mensch wird zum Schöpfer, nachdem die alten Werte überwunden sind:

„Unschuld ist das Kind und Vergessen, ein Neubeginnen, ein Spiel, ein aus sich rollendes Rad, eine erste Bewegung, ein heiliges Ja-sagen. Ja, zum Spiele des Schaffens, meine Brüder, bedarf es eines heiligen Ja-sagens: s e i n e n Willen will nun der Geist, s e i n e Welt gewinnt sich der Weltverlorene.“

Hinter diesen Verwandlungen steht Nietzsches Gedanke der ewigen Wiederkehr. Das Kind symbolisiert den Anfang und zugleich das Ziel einer ewig kreisförmigen Entwicklung des Individuums. Diese Vorstellung mündet in die Idee des Übermenschen, der alle menschlichen Schwächen – bei Nietzsche als Krankheiten und Abhängigkeiten verstanden – überwunden hat.

Über „Von alten und jungen Weiblein“

In der Rede „Von alten und jungen Weiblein“ aus dem ersten Teil seines Buches trifft Zarathustra während eines abendlichen Spaziergangs auf ein altes Weiblein, das ihn bittet, über das Wesen der Frau zu sprechen. Zarathustra äußert daraufhin:

„Alles am Weibe ist ein Räthsel, und Alles am Weibe hat Eine Lösung: sie heisst Schwangerschaft. Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kind.“

„Ein Spielzeug sei das Weib, rein und fein, dem Edelsteine gleich, bestrahlt von den Tugenden einer Welt, welche noch nicht da ist. Der Strahl eines Sternes glänze in eurer Liebe! Eure Hoffnung heisse: ‚möge ich den Übermenschen gebären!‘“

Als Dank erhält Zarathustra vom alten Weiblein eine „kleine Wahrheit“ geschenkt:

„Du gehst zu Frauen? Vergiss die Peitsche nicht!“

Um diese „kleine Wahrheit“ zu begreifen, muss man Zarathustras Ansichten über die Frau interpretieren. Ein möglicher Interpretationsansatz findet sich in Nietzsches Werk „Menschliches, Allzumenschliches“, wo er die Zukunft der Ehe und die Rolle der Frau darin erörtert.

Darin wird angedeutet, dass die Ehe zukünftig als eine Art Seelenfreundschaft mit dem Ziel der Kindererziehung und -produktion angesehen werden könnte, wobei sexuelle Bedürfnisse eine untergeordnete Rolle spielen. Dies könnte bedeuten, dass die „Peitsche“ als Metapher dafür steht, die sinnlichen Begierden zu kontrollieren, um den Fokus auf die Erzeugung des Übermenschen zu legen, anstatt auf rein körperliche Anziehung.

Die Identität des alten Weibleins, das Zarathustra rät, die Wahrheit zu verschweigen, wird in „Die fröhliche Wissenschaft“ aufgelöst:

„‚Die Wahrheit‘ hieß dies alte Weib […].“

In dieser Passage geht es also um die Rolle der Frau, die Beziehung zwischen den Geschlechtern und die Bedeutung der Wahrheit in der menschlichen Existenz. Zarathustras Worte spiegeln Nietzsches komplexe Sicht auf diese Themen wider.

Kernthemen in „Also sprach Zarathustra“

In Zarathustras Perspektive waren ursprünglich vor Gott alle Menschen gleich. Doch nach dem „Tod Gottes“ gilt diese Gleichheit nur noch für den „Pöbel“. Dieses Ereignis bietet die Möglichkeit für das Aufkommen des Übermenschen.

Zarathustra schätzt an den Menschen ihre Funktion als Brücke zum Übermenschen und ihren „Untergang“: „Der Mensch ist etwas, was überwunden werden will.“ Das Merkmal des „höheren Menschen“ liegt in seiner Fähigkeit zur Selbstüberwindung. Dieses Bemühen, eine Mischung aus Züchtung und Bildung, ist ein kreativer Prozess, der sich abseits des profanen Marktplatzes vollzieht, wo der Pöbel lediglich nach persönlichem Vorteil strebt.

Der höhere Mensch hingegen ist kreativ und selbstzweckhaft tätig, um der Vervollkommnung der Dinge willen. Er setzt neue Maßstäbe und steht so, als Erneuerer und Vernichter, dem Pöbel einsam gegenüber.

Als Bejaher des Lebens bevorzugt der Übermensch Ausdrucksformen wie Tanz und Lachen: „… Alle Lust will Ewigkeit.“ Die höchste Form der Lebensbejahung findet ihren Ausdruck im „Ring der Wiederkunft“. Obwohl die Welt keinem göttlichen Zweck folgt, findet der Übermensch in seinem schöpferischen Akt der Selbstvervollkommnung Selbstbestätigung und bejaht die „ewige Wiederkunft des Gleichen“, also die Idee, dass sein Leben, so wie es ist, sich ewig wiederholen könnte.

Der ursprüngliche Antrieb des Übermenschen in der „Umwertung aller Werte“, das Streben nach Höherem und das Schöpfersein, ist sein „Wille zur Macht“. Dieses Prinzip verhindert, dass die Welt ohne Gott in Bedeutungslosigkeit versinkt, und verleiht ihr neue Bedeutung.

Im Gegensatz zu Schopenhauers pessimistischer Sicht in „Die Welt als Wille und Vorstellung“, sieht Nietzsche den „Willen zur Macht“ als eine lebensbejahende „dionysische“ Schöpfungskraft. Nach seiner Auffassung mündet das kreative „Werden“ entgegen der „christlichen Weltauffassung“ nicht in eine endzeitliche Erlösung, sondern vollzieht als ständiges Spiel der Selbsterneuerung eine „Ewige Wiederkehr des Gleichen“.

Die neuen Tugenden des Übermenschen umfassen vor allem:

  • Das Schaffen und die Tat. Der Übermensch ist ein Schöpfer, zu dem auch das Zerstörerische gehört.
  • Selbstliebe, die Unterwürfigkeit und Wehmut verhindert.
  • Liebe zum Leben und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
  • Der (männliche) Wille des Übermenschen als sein einziger Maßstab.
  • Mut, Härte und Kompromisslosigkeit bei der Verfolgung seiner Ziele.

Zitate

„Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde.“

– Zarathustras Vorrede

„Es ist wahr: Wir lieben das Leben, nicht, weil wir ans Leben, sondern ans Lieben gewöhnt sind. Es ist immer etwas Wahnsinn in der Liebe. Es ist aber auch immer etwas Vernunft im Wahnsinn.“

– 1. Teil; Vom Lesen und Schreiben

„Gewissensbisse erziehn zum Beißen.“

– 2. Teil; Von den Mitleidigen

„Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.“

– Zarathustras Vorrede (5)

„Ihr habt mir zu grausame Augen und blickt lüstern nach Leidenden. Hat sich nicht nur eure Wollust verkleidet und heißt sich Mitleiden?“

– 1. Teil; Von der Keuschheit

„Nicht durch Zorn, sondern durch Lachen tötet man.“

Weitere Zitate im Artikel: Friedrich Nietzsche Zitate: Liebe – Wahrheit – Moral

Kritik und Rezeption

Motive der Rezeption

Friedrich Nietzsche beschrieb sein Werk „Also sprach Zarathustra“ als „das tiefste Buch, das die Menschheit besitzt“. Es vereint zentrale Motive seiner Philosophie wie den „Tod Gottes“, bereits in „Die fröhliche Wissenschaft“ angekündigt, sowie erstmals den „Übermenschen“ und den „Willen zur Macht“. Für Nietzsche ist jedoch die Lehre der ewigen Wiederkunft das Hauptthema des Werkes, die besagt, dass alles Geschehen sich unendlich oft wiederholt.

Die Wahl des Namens Zarathustra für den weisen Protagonisten begründet Nietzsche damit, dass der historische Zarathustra als Erster die Welt in Gut und Böse unterteilte; daher sei es an ihm, diesen Irrtum zu erkennen und sich „jenseits von Gut und Böse“ zu positionieren. In „Also sprach Zarathustra“ finden sich auch parodierte Bibelstellen, die diese Umkehrung bestehender Lehren verdeutlichen.

Interessant ist auch Nietzsches Bezugnahme auf Buddha. So schickt er Zarathustra viermal in die Stadt „Bunte Kuh“, eine Anspielung auf Buddha, der in dieser Stadt eine seiner berühmtesten Reden, die Mahásatipatthána Sutta, hielt.

Nietzsche dreht die Lehre Buddhas um, wenn er Zarathustra sagen lässt: „Seine Weisheit heisst: wachen, um gut zu schlafen.“ Hierdurch kritisiert Nietzsche die kontemplative, von der Welt abgewandte Haltung und setzt dem einen aktiven, erfahrungsbereiten Menschen entgegen, wie er es bereits in „Morgenröte“ angedeutet hatte.

Die Interpretation des Werkes ist jedoch umstritten. Giorgio Colli, Herausgeber von Nietzsches Gesamtausgabe, sieht es weniger als kohärente Philosophie, sondern eher als „subjektive Ergüsse“ eines philosophischen Dichters. Andere Interpreten betonen, dass das Werk kein philosophisches System im klassischen Sinne darstellt. Der Existentialismus hat jedoch viele Motive aus „Zarathustra“ aufgegriffen und als Philosophie der eigenen Existenz interpretiert, wie etwa bei Albert Camus zu sehen ist.

Eine wichtige Frage ist die der Rollenprosa: Nietzsches Lehren werden durch eine fiktive Figur vermittelt, weshalb Nietzsche und „Zarathustra“ nicht gleichgesetzt werden sollten.

Eine weitere Interpretation sieht den Menschen nach dem „Tod Gottes“ einer sinnlosen, nihilistischen Welt gegenübergestellt. Der „letzte Mensch“ symbolisiert eine antriebslose, zufriedene Masse, während der Übermensch einen neuen Sinn bieten könnte:

„Unheimlich ist das menschliche Dasein und immer noch ohne Sinn […]. Ich will die Menschen den Sinn ihres Seins lehren: welcher ist der Übermensch, der Blitz aus der dunklen Wolke Mensch.“

Der Übermensch, bisher unerreicht und selbst Zarathustra nur ein Vorläufer, soll aus der Selbstüberwindung des aktuellen Menschen entstehen. Zarathustra ist optimistisch, dass der Übermensch kommen wird, und sieht im baldigen Untergang des „überflüssigen“ Menschen die Schaffung des Übermenschen.

Zur Rezeption im Dritten Reich

Einige Passagen aus „Also sprach Zarathustra“, in denen Zarathustra den Starken das Recht zuspricht, sich zu nehmen, was sie wollen, und den „Überflüssigen“ den Tod wünscht, wurden oft als sozialdarwinistisch gedeutet. Besonders im deutschsprachigen Raum wurde die Idee des „Übermenschen“ fälschlicherweise mit der nationalsozialistischen Vorstellung einer „Herrenrasse“ der Arier oder im Gegensatz zum Begriff „Untermensch“ in Verbindung gebracht.

Als biologische „Überart“ interpretiert, fand Nietzsches Übermensch Eingang in die Ideologie des Nationalsozialismus. 1934 wurde ein Exemplar von „Also sprach Zarathustra“ im Grabgewölbe des Reichsehrenmals Tannenberg neben Hitlers „Mein Kampf“ und Alfred Rosenbergs „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“ platziert. Zudem war für die nahe dem Nietzsche-Archiv in Weimar geplante Nietzsche-Gedächtnishalle ein Zarathustra-Denkmal vorgesehen.

Allerdings bestreitet der Nietzscheforscher Walter Kaufmann die Ansicht, dass Nietzsches Werk besonders geeignet war, die Nationalsozialisten zu inspirieren. Er weist darauf hin, dass beispielsweise Martin Buber den ersten Teil des „Zarathustra“ ins Polnische übersetzte und andere bedeutende Geistesgrößen wie Thomas Mann, Jean-Paul Sartre, Franz Kafka oder Albert Camus maßgeblich von Nietzsches Denken beeinflusst wurden.

Um der verbreiteten Meinung entgegenzuwirken, Nietzsche habe nationalsozialistische Ideen unterstützt, zitiert Kaufmann sogar Chaim Weizmann, den ersten Präsidenten des Staates Israel, der in einem Brief an seine zukünftige Frau schrieb: „Ich übersende dir Nietzsche: lerne ihn zu lesen und zu verstehen. Das ist das beste und feinste, was ich dir senden kann.“

Die Zarathustra-Rezeption in der Musik

Der Einfluss von Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ erstreckt sich auch auf die Welt der Musik. Der Komponist Richard Strauss wurde von Nietzsches Werk inspiriert und schuf die gleichnamige sinfonische Dichtung, die erstmals 1896 aufgeführt wurde.

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Gustav Mahlers 3. Symphonie, uraufgeführt im Jahr 1902, greift im vierten Satz auf Zarathustras „Nachtwandlerlied“ mit den Worten „O Mensch! Gib acht!“ zurück. Diese Symphonie zeigt Mahlers Auseinandersetzung mit Nietzsches philosophischen Ideen.

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Frederick Delius komponierte die sogenannte „Mass of Life“ (1904/05), eine umfangreiche symphonische Choralkantate, die ebenfalls von „Also sprach Zarathustra“ beeinflusst wurde.

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Ein Werk von Heinz Schubert aus dem Jahr 1932, ein Hymnus nach „Zarathustra“ für Sopran, gemischten Chor, Orgel und Orchester, zeigt ebenfalls den nachhaltigen Einfluss von Nietzsches Werk in der klassischen Musik.

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Die slowenische Band Laibach nahm 2017 ein Soundtrack-Album „Also sprach Zarathustra“ auf, das ursprünglich für eine Zarathustra-Theateraufführung konzipiert war, und brachte damit Nietzsches Gedanken in die moderne Musikwelt.

Häufig gestellte Fragen

1. Was ist „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche? „Also sprach Zarathustra“ ist ein philosophisches Werk von Friedrich Nietzsche, das zwischen 1883 und 1885 in vier Teilen veröffentlicht wurde. Es ist sowohl für seine literarische Qualität als auch für seine philosophische Tiefe bekannt und gilt als eines von Nietzsches Hauptwerken.

2. Wer ist die Hauptfigur in „Also sprach Zarathustra“? Die Hauptfigur ist Zarathustra, ein fiktiver Weiser, der seinen Namen vom historischen Religionsgründer Zoroaster (Zarathustra) entlehnt. Er verkörpert Nietzsches Ideen und durchläuft eine Reihe von Entwicklungen und Begegnungen, die zentrale Themen des Werkes veranschaulichen.

3. Welche zentralen Themen behandelt Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“? Zentrale Themen sind unter anderem der „Übermensch“, die Idee der „ewigen Wiederkunft“, die Kritik an traditionellen Moralvorstellungen und Religionen sowie die Auseinandersetzung mit dem Sinn des Lebens und der individuellen Selbstüberwindung.

4. Was bedeutet der Begriff „Übermensch“ in Nietzsches Philosophie? Der „Übermensch“ ist ein Leitkonzept in „Also sprach Zarathustra“. Er bezeichnet ein Idealbild des Menschen, das sich über bestehende moralische und gesellschaftliche Normen hinausentwickelt und eine neue, selbstbestimmte Lebensform repräsentiert.

5. Ist „Also sprach Zarathustra“ ein religiöses Werk? Obwohl das Werk spirituelle und metaphysische Themen behandelt, gilt es nicht als religiös im traditionellen Sinne. Nietzsche kritisiert vielmehr die Religion und traditionelle moralische Werte und fordert eine Neuorientierung des menschlichen Denkens und Handelns.

6. In welchem Stil ist „Also sprach Zarathustra“ geschrieben? Das Werk zeichnet sich durch einen poetischen und oft metaphorischen Stil aus. Es kombiniert Elemente der Prosa mit der Struktur eines Gedichts und enthält viele Reden und Monologe der Hauptfigur Zarathustra.

7. Wie wurde „Also sprach Zarathustra“ von der Kritik aufgenommen? Die Aufnahme des Werkes war gemischt. Einige betrachteten es als Nietzsches Meisterwerk, während andere es wegen seiner komplexen Struktur und seiner oft rätselhaften Inhalte kritisierten. Heute wird es als einflussreiches und bedeutendes Werk der philosophischen Literatur angesehen.

8. Gibt es Verbindungen zwischen „Also sprach Zarathustra“ und anderen Werken Nietzsches? Ja, „Also sprach Zarathustra“ baut auf vielen Ideen auf, die Nietzsche in früheren Werken wie „Die fröhliche Wissenschaft“ entwickelt hat, und legt den Grundstein für spätere Schriften, darunter „Jenseits von Gut und Böse“ und „Zur Genealogie der Moral“.

9. Warum wählte Nietzsche die Figur Zarathustra für sein Werk? Nietzsche wählte Zarathustra wegen dessen historischer Bedeutung als Religionsgründer, der die Welt in Gut und Böse teilte. Nietzsche sah in Zarathustra eine ironische Figur, die nun, in seinem Werk, die Aufgabe hat, diese dualistischen Werte zu überwinden und sich „jenseits von Gut und Böse“ zu stellen.

Friedrich Nietzsche - Also sprach ZarathustraFriedrich Nietzsche.
Also sprach Zarathustra.

Ein Buch für Alle und Keinen.
Erstdruck: Ernst Schmeitzner Verlag, Chemnitz 1883.
Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt C. G. Naumann Verlag, Leipzig 1901.

Vollständige Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2022.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag.

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