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Die besten Bücher von Novalis

„Poesie ist Darstellung des Gemüts, der innern Welt in ihrer Gesamtheit“ (Novalis)

Der bürgerliche Georg Philipp Friedrich Freiherr von Hardenberg, besser bekannt als Novalis, wird als einer der bekanntesten Vertreter der deutschen Frühromantik geschätzt. Seine Freunde Tieck und die Brüder Schlegel, mit denen er seine Literatur besprach, ebenfalls. Novalis entwickelte ein neues Verständnis der Ästhetik, welches für ihn mit der Produktion ebendieser zusammenhängt: „Kunst – Fähigkeit bestimmt und frey zu produciren“. Daraus entwickelt sich ein Kunstverständnis, welches die Fantasie an die höchste Stelle setzt – das romantische Genie schöpft aus sich selbst und kann dadurch Freiheit erlangen. Zudem schuf er mit Friedrich Schlegel die „progressive Universalpoesie“ – diese beschreibt den philosophischen Umgang mit Literatur. Ihr Ziel ist es Traum und Wirklichkeit miteinander zu verbinden und so Poesie und Literatur in eine Wechselbeziehung zu setzen. Ein Beispiel für dieses Konzept findet sich in dem Romanfragment Heinrich von Ofterdingen.

 

 

1.               Hymnen an die Nacht – Ode an die Liebe

Novalis - Hymnen an die NachtDieser überwiegend in Prosa verfasste Gedichtzyklus wird von Literaturkritikern als Höhepunkt von Novalis literarischem Schaffen angesehen. Hymnen an die Nacht wurde 1800 in der Zeitschrift Athenäum veröffentlicht und zählt zu der Dichtung der Frühromantik. Die Einflüsse, die auf das Werk gewirkt haben, sind weitreichend: von Shakespeare über Jean Paul bis hin zu Friedrich Schiller. Zudem enthält Hymnen an die Nacht autobiographische Elemente und befasst sich mit der Auseinandersetzung zwischen Geist und Natur. Das Motiv der Liebenden, die über den Tod hinaus miteinander vereint sind, wird von Novalis aus Shakespeares Romeo und Julia aufgegriffen und in den Hymnen verarbeitet.

Der Gedichtzyklus ist in sechs Hymnen aufgeilt, die in drei Einheiten verstanden werden. Die ersten beiden Hymnen behandeln den Widerspruch von Helligkeit zu Dunkel, von Tag zu Nacht. Es werden entgegengesetzte Muster aufgebaut, wobei die Nacht und das Dunkel bevorzugt werden: die Nacht ist voller Möglichkeiten, Geheimnisse und erlaubt Sinnlichkeit. Hymne 3 und 4 befassen sich mit dem lyrischen Ich, welches seine Geliebte verloren hat und hofft im Tod wieder mit ihr vereint zu werden. Der Tod wird als Möglichkeit gesehen und nicht als Ende. Diese beiden Hymnen werden meist als autobiographisch gelesen, da Novalis selbst um seine Geliebte trauert und ihr Grab häufig aufsucht – allerdings gibt es für diese These keine eindeutigen Beweise. Die Hymnen 5 und 6 schließen den Zyklus mit dem Bezug zu verschiedenen Glaubenssystemen, dem Monotheismus des Christentums gegenüber dem Polytheismus des antike Griechenlands ab. In beiden Adaptionen spielt der Mensch eine zentrale und mittelnde Rolle zwischen Leben und Tod. Novalis stellt in seinen Hymnen das Leben eines Menschen zwischen verschiedenen Sphären vor: zwischen Tag und Nacht, zwischen Liebe und Trauer und schließlich zwischen Leben und Tod.

Hinunter zu der süßen Braut,/ Zu Jesus, dem Geliebten -/ Getrost, die Abenddämmrung graut/ Den Liebenden, Betrübten./ Ein Traum bricht unsre Banden los/ Und senkt uns in des Vaters Schooß. (Hymne 6)

 

2.               Heinrich von Ofterdingen – Die Entstehung der blauen Blume

Novalis - Heinrich von OfterdingenFriedrich Schlegel veröffentlichte den als Fragment erhaltenen Heinrich von Ofterdingen 1802 ein Jahr nach Novalis Tod. Der Namensgeber des Romans verweist auf einen sagenhaften Sänger des 13. Jahrhunderts, der aus einem mittelhochdeutsch Epos, Sängerkrieg auf der Wartburg, überliefert ist. Das Thema dieses Epos wurde nicht nur in Novalis Roman, sondern auch in E. T. A. Hoffmanns Novellensammlung Die Serapions-Brüder behandelt. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Novalis seinen Roman nicht vollenden, allerdings machte er zu Lebzeiten Notizen, die die geplante Fortsetzung anschaulich machten. Hinzukommt, dass Novalis mit seinem Freund Ludwig Tieck seinen Roman besprochen hatte und dieser folglich zu der Vollendung beitragen konnte.

In diesem Roman entwickelte Novalis das Symbol der blauen Blume, welches weitreichend in der Romantik eingesetzt wurde. Sein Vorbild war die blaue Heliotrop – eine Blume, die sich immer der Sonne zuwendet. Interessant ist, dass sich ein Autor, der sich sonst in der Nacht und den darin zu erlebenden Sinnlichkeiten verliert, eine Blume aussucht, die nach Helligkeit strebt… In der Romantik steht die blaue Blume sinnbildlich für Sehnsucht und Liebe, für das Streben nach dem Unendlichen. So bleibt die verwendete Motivik Novalis gleich, aber mit einem Augenzwinkern wird sie in eine seltene Helligkeit gerückt.

Inhaltlich befasst sich der Roman mit den Konzepten der Wissenschaft und der Poesie. Die Ästhetik der Poesie sah Novalis nur in der Dichtung vollendet. Er war der Ansicht, dass Leben und Kunst aufeinander verweisen und sich wechselseitig fordern – ein Grundgedanke der Romantik, der sich ebenfalls in Oscar Wildes Ästhetik Verständnis wiederfindet: „Life imitates art far more than art imitates life“. Die Kunst und das Leben beeinflussen sich gegenseitig und bestätigen einander: die Kunst stellt eine stilisierte Form des Lebens dar, wo hingehen ein Jeder versucht sein eigenes Leben zu idealisieren.

 

3.               Ich sehe dich in tausend Bildern – Geistliche Lieder

Novalis - Ich sehe dich in tausend Bildern - Geistliche LiederDie Gedichtsammlung Geistliche Lieder wurde 1802 postum von Schlegel und Tieck in deren Musenalmanach veröffentlicht. Novalis schrieb diese Lieder, welche nur den Namen auf Grund ihrer geistlichen Tonart erhielten, um den protestantischen Gottesdienst aufzulockern und Lebendigkeit in die Kirche zu bringen. Anders als in Hymnen an die Nacht wurden diese fünfzehn Lieder von Novalis nicht als Zyklus zusammen verstanden, sondern als reine Sammlung – sie wurden von Herausgebern zusammengestellt. Des Weitern war es ihm wichtig, dass jedermann den Text versteht und seinen Glauben ausleben kann, weswegen er auf die sonst bedeutungsschwangere Bibelsprache verzichtete und im klaren Deutsch formulierte. Einige Lieder waren so beliebt, dass sie im 19. Jahrhundert in Gesangbücher aufgenommen, in verschiedenen Gemeinden verbreitet und sogar vertont wurden. Allerdings wurden Änderungen vorgenommen: Novalis Erwähnungen von sinnlichen und erotischen Anspielungen und seine Orientbezüge wurden herausgestrichen und der Text „bereinigt“. Kirchenväter sahen es nicht als rechtens an Gelüste und Begierden des Fleisches in der Gemeinde zu verbreiten und übernahmen lediglich die liturgischen Anteile Novalis‘ in deren Gesangbücher.

Was wär ich ohne dich gewesen?/ Was würd ich ohne dich nicht sein?/ Zu Furcht und Ängsten auserlesen/ Ständ ich in weiter Welt allein./ Nichts wüßt ich sicher, was ich liebte,/ Die Zukunft wär ein dunkler Schlund;/ Und wenn mein Herz sich tief betrübte,/ Wem tät ich meine Sorge kund? (1. Strophe aus Lied I)

 

Biographie

Novalis, wurde am 2. Mai 1772 als Sohn von Heinrich Ulrich Erasmus Freiherr von Hardenberg und seiner Frau, Auguste Bernhardine Freifrau von Hardenberg, in ein altes niedersächsisches Adelsgeschlecht geboren. Er wuchs als Zweitgeborener in einer großen Familie mit 10 Geschwistern auf dem Gutshof der Familie auf. In seinem Jurastudium in Jena, und später in Leipzig und Wittenberg, schloss er Freundschaften mit Ludwig Tieck, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und den Brüdern Schlegel. Nach Vollendung seines ersten Studiums begann er 1797 ein weiters in den Naturwissenschaften Mathematik und Chemie an der Bergakademie in Freiberg. Zu der Zeit entwickelten sich seine ersten schriftstellerischen Werke: 1798 war Blüthenstaub die erste Veröffentlichung unter seinem Künstlernamen Novalis im Athenaeum, einer frühromantischen Zeitung seiner Freunde, der Schlegel-Brüder. Er entwickelte sein Pseudonym aus einem alten Familien- Beinamen „De novali“, welches „vom Neuland“ bedeutet; gemeint ist das Gut der Vorfahren bei Nörten-Hardenberg. Auf Grund seines frühen Todes konnte er nur eine weitere Veröffentlichung eine literarischen Werke miterleben: Die Hymen der Nacht im Jahr 1800. Spätere Werke, wie Heinrich von Ofterdingen oder Geistliche Lieder, wurden posthum veröffentlicht.

Novalis starb 1801 an einer vermuteten Tuberkulose. Novalis Forscher sind sich der Todesursache nicht sicher: manche nennen Tuberkulose, die er sich bei der Pflege seines sterbenden Freundes Friedrich Schiller geholt haben soll, andere spekulieren eine vererbte Mukoviszidose.

 

Weitere Informationen:

Bibliotheca Augustana

Ergänzend hierzu ein Video: Novalis und die Anthroposophie

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Verfasst von Christiane Gocke, LIWI Blog, 31. März 2022