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Die besten Bücher von Gustave Flaubert

Die besten Bücher von Gustave FlaubertFlaubert schreibt als Künstler und beschreibt als Historiker“, meint der prominente französische Geschichtswissenschaftler und Flaubert-Biograph Michel Winock über den Autor.

Flaubert zählt mit Balzac und Stendhal zu den wichtigsten Vertretern des Realismus in der französischen Literatur. Er bereitete mit seinem Werk einen ganz neuartigen Erzählstil, der Autoren wie Franz Kafka und James Joyce maßgeblich beeinflusste.

Wir stellen fünf der wichtigsten Werke des Autors vor:

1. Madame Bovary – Madame Bovary, c’est moi

Gustave Flaubert - Madame Bovary (Roman)Im Januar 1857 begann am Pariser Gerichtshof ein Prozess, der in die Literaturgeschichte Eingang fand. Angeklagt waren Laurent Pichat, Herausgeber der Revue de Paris und Gustave Flaubert. Gegenstand der Anklage war Madame Bovary, der berüchtigte Roman Flauberts, der in der Revue de Paris erstmals veröffentlicht wurde. 

Emma Bovary ist die Protagonistin dieses Werks, welches inzwischen zur Weltliteratur gehört. Und Emma Bovary ist eine Ehebrecherin. Und dies, ohne dafür vom Autor verurteilt zu werden. Seine Parteilosigkeit bei der Schilderung seiner Emma Bovary brachte Flaubert nicht nur den Vorwurf der Sittenlosigkeit und reichlich öffentliche Kritik, sondern auch eine offizielle Klage ein. Doch die Kläger verloren den Prozess und noch im selben Jahr wurde Madame Bovary unzensiert in Buchform herausgebracht und ein echter Verkaufsschlager. 

“Madame Bovary, c’est moi”, soll Flaubert selbst über das Buch gesagt haben, das den Grundstein für seinen schriftstellerischen Erfolg legte. Was genau er damit meinte, bleibt im Unklaren. Die Einsamkeit der Emma Bovary? Die Sehnsucht? Oder schlicht und ergreifend, dass in diesem Werk sein Herzblut steckt, dass er mit der gleichen Leidenschaft schrieb, mit der Emma Bovary lebt? 

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2. Die Schule der Empfindsamkeit – Sprachkunst trifft Spannung

Gustave Flaubert - Die Schule der EmpfindsamkeitFrédéric Moreau ist aus der Provinz nach Paris gekommen und voller Pläne, Hoffnungen und Ambitionen. Doch dann übermannt den empfindsamen Frédéric die Liebe zur Madame Arnoux. Nicht zuletzt diese Liebe zu einer verheirateten Frau lähmt die Tatkraft des jungen Mannes. Frédéric genießt das Studentenleben ein bisschen zu sehr und lernt zu wenig.

Er fällt durch seine Abschlussprüfung, seine Mutter gesteht ihm den finanziellen Ruin. Doch das Erbe eines Onkels rettet Frédéric zunächst und auch sein Examen kann er abschließen. Es lässt sich nicht leugnen: Frédéric wird ein ums andere Mal vom Leben gebeutelt, doch seine romantischen Sehnsüchte gibt er nicht auf.

Die Schule der Empfindsamkeit gilt als einer der besten und einflussreichsten Romane des 19. Jahrhunderts. Dabei zeugt das Werk nicht nur von Flauberts hoher Sprachkunst, die viele Autoren beeinflusste, sondern führt den Leser durch sinnliche Details,  kulturgeschichtliche und politische Feinheiten Frankreichs in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit voller Umbrüche. Zudem entwickelt sich die Handlung um den Anti-Helden Frédéric dynamisch und spannend. Und so mag man das Buch nicht aus der Hand legen, bevor man nicht die letzte Seite gelesen hat. 

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3. Die Versuchung des Heiligen Antonius – ein Lebenswerk

Gustave Flaubert - Die Versuchung des heiligen AntoniusDie ersten Entwürfe zu diesem Werk schrieb Flaubert im zarten Alter von 13 Jahren. Doch zwischen diesen ersten Entwürfen und der endgültigen Fassung der Versuchung des heiligen Antonius liegen Jahrzehnte. Erst 1874 lag die endgültige Fassung des Antonius vor. Dieses Werk begleitete den Autor also fast sein gesamtes Leben.  

Flauberts Antonius ist ein in der Wüste lebender Einsiedler, der mit Hilfe der Bibel seinem Leben einen Sinn geben und allen Sünden trotzen möchte. Der Roman spielt in nur einer Nacht, in der Antonius sich unterschiedlichsten Versuchungen ausgesetzt sieht. Zunächst ist es die Bibel selbst, die sündige Gedanken in ihm wachruft. Dann versucht sein ehemaliger Schüler Hilarion, den Lehrer auf den Weg der Wissenschaft zu führen. Antonius sieht sich mit christlichen Sekten und Religionen alter Zeit und nicht zuletzt mit dem Teufel selbst konfrontiert. 

Der Heilige wird hier als passiver und unzufriedener Charakter dargestellt, der es längst nicht fertig bringt allen Versuchungen zu widerstehen. Zur Zeit seiner Erstveröffentlichung wurde nicht zuletzt diese fehlende Willenskraft des Heiligen beanstandet. Doch ist gerade sie es, die dieses Buch auch heute noch so lesenswert und besonders macht.

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4. November – ein Buch für jede Lebensphase

Gustave Flaubert - NovemberDieses Frühwerk Flauberts wurde 1910 erstveröffentlicht, doch schrieb der Autor die Erzählung bereits in jungen Jahren, lange bevor ihm mit Madame Bovary der große literarische Durchbruch gelang.

November widmet sich der Jugend mit all ihren Höhen und Tiefen. Es ist ein leidenschaftliches und tief bewegendes Werk, das um Begehren und Sehnsucht und den Eros als treibende Kraft kreist. 

Auf einem langen Herbstspaziergang erinnert sich der Erzähler an seine Vergangenheit. Als junger Mann war er ein empfindsamer Träumer, der sich nach nichts mehr sehnte, als nach der Vollendung seines Lebens in der Liebe: “Ein unbestimmtes Verlangen nach etwas Leuchtendem war in mir.”

Auf der Suche nach erotischen Abenteuern tritt das Freudenmädchen Marie in sein Leben. In der einen Nacht, die er mit ihr verbringt, glaubt er, seine Seelenverwandte gefunden zu haben, doch soll er sie nie wieder sehen…

Die Sprache dieses Werks ist voll großer Rhetorik und lebhafter Bilder. Und schon der junge Flaubert legt eine große analytische Schärfe an den Tag. Dabei ist November ein zeitloses Werk, ein Buch, bei dem es sich lohnt, es in unterschiedlichen Lebensphasen immer wieder in die Hand zu nehmen und immer wieder neu zu entdecken.

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5. Über Feld und Strand – eine Reise durch die Bretagne

Gustave Flaubert - Über Feld und Strand. Eine Reise in der BretagneKein Reiseführer kann es mit dieser wundervollen Beschreibung der Bretagne aufnehmen. Flaubert nimmt den Leser in Über Feld und Strand mit auf eine Reise durch Orte, Landschaften und die französische Geschichte, für die man nicht einmal selbst das Haus verlassen muss.

“Am 1. Mai 1847, morgens um halb neun, haben die beiden Monaden, deren Verbindung dazu dienen wird, die folgenden Bögen zu schwärzen, Paris mit dem Ziel verlassen, zwischen Farnkraut und Ginster oder auf den weiten Sandstränden am Meeressaum unbeschwert Atem zu schöpfen.“

Flauberts Reise durch die Bretagne fand kurz nach dem Tod seiner Schwester und des Vaters statt. Drei Monate will Flaubert nach dieser schweren Zeit gemeinsam mit seinem Freund Maxime du Camp Atem schöpfen, Abstand gewinnen, dem Alltag entfliehen. Ihre Reise haben die beiden jungen Schriftsteller minutiös geplant. Und Flaubert füllt Kapitel für Kapitel ein Buch, das den Leser die innere Freiheit spürbar werden lässt, die sie auf ihrer Reise durch die Bretagne finden.

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Biographie und weitere Empfehlungen

Die wichtigsten Werke von Gustave FlaubertGustave Flaubert wuchs in bürgerlichem Wohlstand auf. Geboren am 12. Dezember 1821 als zweiter Sohn eines angesehenen Chirurgs in Rouen, erhielt er eine ausgezeichnete Schulbildung. Das Lernen bereitete ihm keine Mühe, im Gegenteil. Er war ein guter, doch undisziplinierter Schüler, der sich schnell langweilte. Und so beschäftigte Flaubert sich bereits in seiner Schulzeit mit selbstgewählter Lektüre und verfasste erste eigene Texte.

Nach seinem Baccalaureat begann Flaubert ein Jurastudium. Doch 1843 erlitt er einen schweren epileptischen Anfall, brach seine Studien ab und kehrte in sein Elternhaus zurück. Von diesem Zeitpunkt an lebte Flaubert von seinem Erbe. Trotz seiner Krankheit unternahm er zahlreiche Reisen, die ihn nach Italien, in die Schweiz, nach Ägypten, in die Türkei, nach Syrien und Palästina führten. 

1851 begann er mit der Arbeit an Madame Bovary. Fünf Jahre schrieb Flaubert an diesem Roman. Stunden konnte er damit verbringen, nach dem einen treffenden Wort zu suchen, um anschließend zugunsten dieses einen Wortes ganze Seiten umzuschreiben. Madame Bovary wurde ein Skandal und ein Erfolg. Mit diesem Werk setzte Flauberts Ruhm als Schriftsteller ein. Und fortan widmete er sich vornehmlich dem Schreiben. 

Flaubert starb im Jahr 1880 an den Folgen einer Hirnblutung.

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, 2021