Die Welt von Gestern - Stefan Zweig

Heinrich von Ofterdingen

„Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit.“

(Zitat S. 7 in diesem Buch)

Die berühmte „Blaue Blume“ war ein zentrales Symbol der Romantik und ist bis heute ein bleibendes Motiv in der abendländischen Kunst und Literatur. Sie steht für Sehnsucht, Liebe und das Streben nach dem Unendlichen und Unerreichbaren. Sie symbolisiert die Hoffnung und die Schönheit der Dinge. Der deutsche Schriftsteller Novalis führte das Symbol mit „Heinrich von Ofterdingen“ in die Romantik ein: Nachdem der junge Heinrich über ein Treffen mit einem Fremden nachgedacht hat, träumt er von einer blauen Blume, die seine Aufmerksamkeit vollständig auf sich zieht. Für Thomas Carlyle ist diese blaue Blume die Poesie, das wirkliche Objekt, die Leidenschaft und die Berufung des jungen Heinrich, die er durch mannigfaltige Abenteuer, Anstrengungen und Leiden suchen und finden soll.

Das Motiv inspirierte seitdem zahlreiche Schriftsteller: Joseph Freiherr von Eichendorff schrieb sein berühmtes Gedicht mit dem Titel „Die blaue Blume“, Adelbert von Chamisso sah in dem Motiv den Kern der Romantik, und E. T. A. Hoffmann verwendete sie als Symbol für die Poesie von Novalis und das „heilige Wunder der Natur“ in seiner Erzählung „Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza“. Aber auch moderne Fantasy-Autoren wurden von diesem Symbol beeinflusst. C. S. Lewis bezieht sich in seinem autobiografischen Buch „Surprised by Joy“ auf die „Blaue Blume“, wenn er von den Sehnsuchtsgefühlen spricht, die die Schönheit in ihm als sechsjährigem Kind auslöste. Und George R. R. Martin verwendet die blaue Blume in „Game of Thrones“ als wiederkehrendes Symbol, um junge Frauen aus dem Adelshaus Stark zu charakterisieren. Der Begriff hielt zudem in verschiedenen Sprachen Einzug, so gibt es heutzutage etwa den französischen Ausdruck „fleur bleue“, welcher eine empfindsame Träumerin und Anfängerin beschreibt.

Novalis wurde am 2. Mai 1772 geboren und starb am 25. März 1801. „Heinrich von Ofterdingen“ entstand im Jahr 1800 und konnte von ihm nicht mehr vollendet werden, erst nach seinem Tod wurde das Fragment veröffentlicht.
Aus Anlass des Novalis-Jubiläums (250. Geburtstag des Dichters am 2. Mai 2022) liegt die 1802 erschienene Fassung (inklusive des Berichts von Ludwig Tieck über die Fortsetzung) hier in einer Taschenbuch-Neuausgabe vor.

Häufige Fragen

1. Wer ist der Autor von „Heinrich von Ofterdingen“?
Der Autor ist Friedrich von Hardenberg, der unter dem Pseudonym Novalis schrieb. Er war ein deutscher Dichter und Philosoph der Frühromantik.

2. Wann wurde „Heinrich von Ofterdingen“ veröffentlicht?
Das Buch wurde posthum im Jahr 1802 veröffentlicht, nach dem Tod des Autors.

3. Was ist das Hauptthema von „Heinrich von Ofterdingen“?
Das Hauptthema ist die Suche nach der blauen Blume, einem Symbol der Sehnsucht, der Liebe, der romantischen Poesie und der Einheit von Mensch und Natur. Es verkörpert das Streben des Menschen nach Schönheit und Erkenntnis.

Inhalt und Struktur

4. Wer ist Heinrich von Ofterdingen?
Heinrich von Ofterdingen ist der Protagonist des Romans, ein junger Dichter, der auf eine symbolische Reise geht, um seine Bestimmung zu finden und ein wahrer Dichter zu werden.

5. Was ist die blaue Blume?
Die blaue Blume ist das zentrale Symbol des Romans und der Romantik insgesamt. Sie steht für die unerreichbare Sehnsucht, das Streben nach dem Unendlichen und die tiefe Verbindung zwischen Leben und Poesie.

6. Wie ist „Heinrich von Ofterdingen“ strukturiert?
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert: „Die Erwartung“ und „Die Erfüllung“, wobei nur der erste Teil vollständig von Novalis fertiggestellt wurde. Der zweite Teil blieb unvollendet, es existieren jedoch Entwürfe und Pläne dafür.

Bedeutung und Interpretation

7. Warum gilt „Heinrich von Ofterdingen“ als wichtiges Werk der Romantik?
Der Roman gilt als Ausdruck der romantischen Ideale von der Einheit von Natur und Geist, der Kraft der Imagination und der Rolle des Dichters als Seher. Er zeigt die romantische Auffassung von Poesie als zentrale Kraft im Leben und als Mittel zur Erkenntnis.

8. Welche Rolle spielt die Natur in „Heinrich von Ofterdingen“?
Die Natur spielt eine zentrale Rolle und wird als lebendig, beseelt und als Quelle der Inspiration dargestellt. Sie steht in enger Verbindung mit der inneren Welt der Charaktere und dem poetischen Schaffen.

Rezeption und Einfluss

9. Wie wurde „Heinrich von Ofterdingen“ von Zeitgenossen aufgenommen?
Zur Zeit seiner Veröffentlichung wurde der Roman nicht sofort breit rezipiert, gewann aber im Lauf des 19. Jahrhunderts an Bedeutung und Anerkennung als Schlüsselwerk der Romantik.

10. Welchen Einfluss hatte „Heinrich von Ofterdingen“ auf die Literatur und Kultur?
Der Roman und insbesondere das Symbol der blauen Blume hatten einen nachhaltigen Einfluss auf die romantische Bewegung in Deutschland und darüber hinaus. Sie inspirierten viele Künstler, Dichter und Denker in ihrem Streben nach dem Ideal der Einheit von Kunst und Leben.

Die Buchausgabe:

Novalis.
Heinrich von Ofterdingen.
Nach der Ausgabe von 1802.
Mit Ludwig Tiecks Bericht über die Fortsetzung.
Erstdruck des 1. Teils: Novalis. Heinrich von Ofterdingen, Ein nachgelassener Roman, Realschulbuchhandlung, Berlin 1802.
Erstdruck des 2. Teils und von Tiecks Bericht in: Schriften, Berlin 1802.
Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt: Insel Verlag, Frankfurt am Main 1982.
Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2022.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

Buch-ISBN: 9783965425484

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