Die besten Bücher von Hans Fallada 

Hans Falladas Werk wurde in einem sich über Jahrzehnte erstreckenden selbstzerstörerischen Prozess geboren. Alkoholsucht, Morphinsucht und Schlaflosigkeit begleiteten Falladas Schreiben. Auf die Veröffentlichung eines größeren Projekts folgte oft ein Aufenthalt im Sanatorium. Seinen ersten langen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt hatte Fallada bereits als Schüler, nachdem er mit einem Freund einen als Duell getarnten Doppelsuizid versuchte. Der Freund kam dabei ums Leben. Fallada überlebte schwer verletzt und entging knapp einer Anklage wegen Totschlags. Im Gegensatz zu seinem Leben, zeichnet sich Falladas Schreibstil in einem Großteil seiner Werke durch eine besondere Sachlichkeit und Nüchternheit aus. Viele seiner Bücher wurden auch international bekannt und Fallada begeisterte berühmte Zeitgenossen wie Thomas Mann, Hermann Hesse und Kurt Tucholsky. Unsere Top-5-Liste von Hans Fallada sieht wie folgt aus:

  1. Kleiner Mann – was nun?
  2. Wer einmal aus dem Blechnapf frisst
  3. Der Trinker
  4. Geschichten aus der Murkelei
  5. Ein Mann will nach oben

1. Kleiner Mann – was nun? – Falladas bekanntestes Werk

Hans Fallada. Kleiner Mann - Was nun?Der wohl bekannteste Roman von Hans Fallada, dessen Titel zum geflügelten Wort wurde, erschien im Jahr 1932. In den Wirren der Wirtschaftskrise erzählte Fallada die Geschichte vom Kampf eines jungen Ehepaars ums finanzielle Überleben.

Johannes Pinneberg ist ein kleiner Angestellter in einer Fabrik für Düngemittel. Seine Frau ist Hausfrau. In Kürze erwartet das Paar das erste Kind. Das Geld zum Leben ist ohnehin knapp. Weite Sprünge kann das Ehepaar nicht machen. Und dann verliert Johannes auch noch seine Anstellung. Für die Pinnebergs beginnt die Suche nach neuer Arbeit und nach einem Platz in der Welt. Bei Schriftstellerkollegen wie Thomas Mann und Jakob Wassermann stieß das Buch auf große Begeisterung. Nicht so bei den Nationalsozialisten. Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde die Ausgabe redigiert und aus einem prügelnden SA-Mitglied wurde ein prügelnder Fußballspieler. Im Text der Erstausgabe von 1932, die auch Grundlage der LIWI-Ausgabe ist, heißt es: “Zu den Nazis war Lauterbach auch nur aus Langeweile gegangen. (…) Lauterbachs Lebenssehnsucht war gestillt: er konnte sich fast jeden Sonntag – und manchmal auch wochentags am Abend – prügeln.” (S. 40 in der Ausgabe des LIWI-Verlags).

2. Wer einmal aus dem Blechnapf frisst – Schicksal eines Gestrauchelten

Hans Fallada - Wer einmal aus dem Blechnapf frißtDer Buchhalter Willi Kufalt saß wegen Unterschlagung im Gefängnis. Und wer einmal aus dem Blechnapf gefressen hat, der kommt aus diesem Teufelskreis nicht wieder raus. Anständig werden, wieder Fuß fassen da draußen, das ist kaum möglich. Dabei war Kufalt ein nahezu vorbildlicher Strafgefangener. Und er möchte nichts weiter, als nach seiner Entlassung ein ordentliches Leben führen. Doch in seinen Bemühungen wird er wieder und wieder zurückgeworfen, solange, bis er aufgibt und sich in die Abwärtsspirale aus Verbrechen, Gefängnis und erneuter Straffälligkeit begibt.

Meisterhaft beschreibt Fallada das Schicksal eines Gestrauchelten, der bemüht ist, sich wieder aufzurichten aber an seiner eigenen Naivität und am Misstrauen und den Vorurteilen der anderen scheitert. Kufalt scheint nirgendwo richtig hineinzupassen. Er ist weder ein Unschuldslämmchen oder ein bodenständiges Mitglied der Gesellschaft, noch taugt er zum knallharten Ganoven. Der Autor bleibt in seinem Stil gewohnt nüchtern und sachlich. Detailgetreu wird die Erbarmungslosigkeit des Gefängnisalltags und der Welt “da draußen” beschrieben. So wird der 1934 erschienene Roman zur Anklageschrift gegen die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft. 

3. Der Trinker – Psychogramm eines Alkoholikers

Hans Fallada - Der TrinkerDer 1950 posthum erschienene, in der Ich-Form geschriebene Roman Der Trinker, liest sich fast wie ein Bericht. Fallada erzählt die mitreißende Geschichte von Erwin Sommer als erschütterndes, realistisches Psychogramm eines Alkoholikers. Stilistisch und psychologisch ausgefeilt zeichnet Fallada das Bild einer verlorenen Seele.

Der Lebensmittelgroßhändler Erwin Sommer ist Anfang vierzig und seit 15 Jahren verheiratet. Nach einer Fehlgeburt blieb die Ehe kinderlos und Sommer entfernt sich innerlich immer mehr von seiner Frau Magda. Auch beruflich läuft es für den Protagonisten zusehends schlechter. Und er beginnt zunehmend, sich in den Alkohol zu flüchten. Während seine Frau Magda versucht, das Familienunternehmen zu retten, hält Sommer sich immer häufiger in seiner Lieblingskneipe auf und frönt seinen Alkoholexzessen. Während Magda den Handel durch ihre Bemühungen aufrechterhalten kann, scheitert sie bei dem Versuch, ihren Mann wieder auf einen guten Weg zu bringen. Er weigert sich, ärztliche Hilfe anzunehmen und entzieht sich seiner Frau, indem er sich ein Zimmer in der Stadt mietet. Und der Weg in die Sucht führt Sommer weiter und weiter an den Abgrund.

 4. Geschichten aus der Murkelei – nicht nur für Kinder

Hans Fallada - Geschichten aus der MurkeleiNoch Generationen nach ihrer Erstveröffentlichung im Jahr 1938 können die Geschichten aus der Murkelei Kinder zum Lachen bringen. Die fantasievollen Geschichten sind hervorragend zum Vorlesen und selber lesen geeignet und machen Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Spaß. Dabei sind die Geschichten keineswegs immer nett und freundlich. Auch in seinen Kindergeschichten scheut Fallada sich nicht, schmerzhaften und enttäuschenden Erfahrungen Raum zugeben. 

Da ist die Geschichte vom unheimlichen Besuch, in der ein Junge mit Hilfe einer Tarnkappe Fuchs und Bär besiegt, die als Eindringlinge in sein Haus gekommen sind. Da gibt es das Mäuseken Wackelohr, das beinahe einer Katze zum Opfer fällt, nachdem es von einer Ameise verraten wurde und da gibt es den Nuschelpeter, der mit seiner undeutlichen Aussprache für Verwirrung sorgt. 

Seine Kindergeschichten las Fallada immer zuerst den eigenen Kindern vor. „Immer, wenn eine neue fertig ist wird sie Uli vorgelesen, und es ist ihm sehr gut anzumerken, wie sie wirkt, was haftet, was verfehlt ist, was langweilig”, berichtete Fallada einem Freund. Und wohl nicht zuletzt darum mangelt es den Erzählungen nicht an magischen Dingen wie Tarnkappen, Zauberern und sprechenden Tieren.

5. Ein Mann will nach oben – zweieinhalb Jahrzehnte deutscher Geschichte

Hans Fallada - Ein Mann will nach obenFallada schrieb Ein Mann will nach oben 1943 während seiner Zeit beim Reichsarbeitsdienst in Frankreich. Das Buch erschien erstmals 1953. 

1909 wird Karl Siebrecht im Alter von 16 Jahren zur Vollwaise. Karl beschließt, aus seinem kleinen Heimatort nach Berlin zu ziehen, um dort sein Glück zu machen. Er trifft auf liebenswürdige und auf zwielichtige Gestalten und es scheint, als würde er seinen Weg gehen. Karl arbeitet sich hoch, wird vom Maurer zum Unternehmer. Oft scheint alles verloren, doch dann kommt stets ein rettender Einfall oder die richtige Person zur rechten Zeit. Für Karl geht es aufwärts, doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Und erst nach Jahren des Krieges und der Kriegsgefangenschaft kehrt Karl wieder nach Berlin zurück. 

Über 25 Jahre begleitet der Leser den Protagonisten bei seinem Streben nach Macht und Erfolg und fiebert auf jeder Seite mit Karl mit. Und ganz nebenbei zeichnet Fallada ein präzises Bild von zweieinhalb Jahrzehnten deutscher Geschichte und ein gelungenes Porträt der Stadt Berlin. 

Biographie und weitere Empfehlungen

Fallada beste BücherHans Fallada wurde am 21. Juli 1893 als Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen geboren. Sein Pseudonym, unter dem er bereits seinen ersten Roman veröffentlichte, ist an zwei Märchen der Gebrüder Grimm angelehnt. Es setzt sich zusammen aus Hans im Glück und dem Namen des Pferdes Fallada aus der Gänsemagd. Sein Hauptwerk ist vor allem der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen. Fallada verstarb nach einem bewegten Leben 1947 in Berlin. Seit 1981 wird der nach ihm benannte Hans-Fallada-Preis für Literatur von der Stadt Neumünster vergeben. 

 

 

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Zu guter Letzt: „Im Rauch des Schreibens“ – Doku über Hans Fallada

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Biografische Dokumentation über den Trinker, den Familienvater, den Morphinisten, den gefeierten Autor und den mehrfachen Gefängnisinsassen Hans Fallada. Mit Fokus auf seine literarische Schaffensperiode zwischen 1931 und 1946 werden Falladas Leben und Werk, zwischen politischen Zwängen und den Fallstricken seiner eigenen Psyche, beleuchtet. Das Doku-Drama befasst sich mit dem vielschichtigen Charakter und der inneren Zerrissenheit des Romanautors. Mit dem Schauspieler Michael Schenk (Nichts als die Wahrheit, Napola Elite für den Führer, Der Baader Meinhof Komplex) als Hans Fallada wurden die wichtigsten Stationen im Leben des Ausnahmeschriftstellers in Szene gesetzt. Kein anderer Schriftsteller beschreibt in seinen Romanen die Situation und Gemütswelt der Menschen dieser Zeit, insbesondere der kleinen Leute , mit solch einer Präzision wie Fallada. Mit Romanen wie Bauern, Bonzen und Bomben und «Kleiner Mann was nun?» ist Fallada in der späten Weimarer Republik ein gefeierter Autor. Sein Buch Jeder stirbt für sich allein avanciert erst 70 Jahre später zum internationalen Bestseller, als dieses erstmals in englischer Übersetzung erscheint.