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Was macht ein Verlag?

Teil 3: Buchgestaltung und Design

Buchdesign Typografie Liwi Verlag

 

„Menschen sind wie Bücher. Manche täuschen dich mit dem Umschlag und einige überraschen dich mit dem Inhalt“. 

– unbekannter Verfasser –

Don’t judge a book by its cover. Dieser vielzitierte Satz mag auf vieles im Leben zutreffen, doch wenn es tatsächlich um ein Buch geht, sollten Gestaltung und Design im besten Fall durchaus zum Inhalt passen. Denn es ist das, was der potentielle Käufer zuerst wahrnimmt. 

Dabei ist das Gewicht, dass der Gestaltung des Covers und der Aufmachung des Buches zukommt, nicht zuletzt von der Art des Buches abhängig. Für einen Roman ist das Design wichtiger als für ein Fachbuch und ein Publikumsverlag geht anders an die Designfrage heran als ein Wissenschaftsverlag.

Doch in jedem Fall sollte die Aufmachung eines Buches einen Leser, der nicht mit Autor und Inhalt vertraut ist, dazu bewegen, das Buch in die Hand zu nehmen und einen Blick auf Klappentext oder in das Inhaltsverzeichnis zu werfen. Das Buchcover ist zugleich eine Werbefläche.

Buchgestaltung als Teil des Verlagsimages

Buchgestaltung Buchdesign Buchcover Liwi Verlag

Literaturklassiker, Kinderbücher und Krimis – Unterschiedliche Buchgestaltung: LIWI

Darüber hinaus ist die Buchgestaltung auch für den Wiedererkennungswert eines Verlags von Bedeutung. Den Leser interessiert eher selten, von welchem Verlag ein Buch herausgebracht wurde. Mit einer Buchgestaltung mit klarem Wiedererkennungswert richtet sich ein Verlag häufig in erster Linie an Buchhändler und Journalisten. Buchhändler haben oftmals Vorlieben, bei welchem Verlag sie gerne nach neuen Inhalten suchen, die zu ihrem Programm passen. Auch Journalisten entscheiden bei der schnellen Sichtung des Verlagsprogramms häufig zunächst nach dem Titel und dessen Aufmachung, ob ein Buch einen weiteren Blick und gegebenenfalls sogar eine Besprechung Wert ist. 

Die Buchgestaltung, das Design und eine ansprechende Optik mit Wiedererkennungswert sind damit ein wichtiger Bestandteil des Images, dass sich ein Verlag gibt. Und das Image wiederum spielt eine Rolle dabei, bei welchen Buchhandlungen und Rezensenten ein Interesse für die Verlagsinhalte geweckt wird.

Typografie, Cover, Grafik – Bestandteile des Buchdesigns

Typographisch gestaltetes Plakat Liwi Verlag

Typografisch gestaltetes Plakat der Kampagne „Jetzt ein Buch!“

Welcher Aufwand, wie viele Entscheidungen nicht nur im Inhalt eines Buches, sondern auch in seiner Aufmachung und Gestaltung stecken, sieht man den einzelnen Werken oftmals nicht an. Dabei geht es schon bei der Entscheidung für den optimalen Schriftsatz, die passende Typografie, Format und Stärke der Buchseiten los.

Typografie

Bereits im 15. Jahrhundert gab es die ersten Schriftkataloge. Heute kommen täglich hunderte neuer Schriftarten durch kleine Schrifthersteller zu den aktuellen Katalogen hinzu. Damit gibt es eine schier unvorstellbare Auswahl allein für das Schriftbild eines Buchs. Und das Schriftbild trägt nicht unerheblich zur Stimmung, die der Inhalt beim Leser hervorruft, bei: klar und sachlich, verspielt und romantisch… Und auch auf den Lesefluss hat die Typografie eine Wirkung. Ein Text in Serifenschrift liest sich anders als ein Text ohne Serifen. Natürlich gibt es auch Entscheidungen zu Schriftgröße und Stärke zu treffen. Und auch das Verhältnis von Schriftgröße und Zeilenabstand hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Lesbarkeit eines Textes. Darüber hinaus spielt auch der Schriftsatz eine Rolle. Bei Druckmedien unterscheidet man zwischen

  • dem Blocksatz, der am häufigsten in gedruckten Büchern, Zeitschriften und Zeitungen verwendet wird
  • dem linksbündigem Flattersatz, der einen rhythmischen Zeilenfall hat – beispielsweise lang, kurz, lang.
  • dem rechtsbündigen Flattersatz, der für größere Textmengen ungeeignet ist
  • der Mittelachse, die zum Beispiel für Lyrikeinschübe verwendet wird
  • und dem Rausatz, der dem Flattersatz ähnelt, jedoch keine Zeilenrhythmik aufweist.

 

Buchgestaltung Buchdesign Buchcover LIWI VerlagGestalterische Entscheidungen eines Verlags sind nicht nur eine Frage des Geschmacks. Die Entscheidung für ein bestimmtes Design geht mit ökonomischen Entscheidungen Hand in Hand.

Beispielsweise erhöht dickeres, hochwertiges Papier die Herstellungskosten und damit letztendlich den Verkaufspreis eines Buchs. Auf der anderen Seite bringt eine größere Papierstärke oder ein anderer Weißgrad Gestaltungsmöglichkeiten mit sich, die einen höheren Verkaufspreis rechtfertigen können.

Hier gilt es abzuwägen und eine enge Zusammenarbeit von Buchgestaltern, Grafikern und Typografen mit dem Verleger ist erforderlich.

Cover und Grafiken

Novalis - Hymnen an die Nacht

Buchgestaltung: LIWI

Genre und Design sind gerade in Bezug auf das Cover oftmals eng miteinander verbunden. Man denke nur an Kriminalromane mit der typischen roten Schrift auf einer in düsteren Tönen gehaltenen Titelgrafik. Dabei kann ein Buchcover gerade im Bereich der Belletristik ein wahres Kunstwerk sein. Aufwendig gestaltete Grafiken, Fotografien, Collagen, oder Zeichnungen, schlicht oder auffällig, mit Schutzumschlag oder ohne, matt oder glänzend mit Prägung und Effekten oder ohne – der Fantasie des Designers sind kaum Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, den Leser einerseits neugierig zu machen und andererseits nicht zu viel über den Buchinhalt preiszugeben. Allerdings gilt auch beim Thema Buchdesign, dass die Form der Funktion folgen sollte. Ein wenig Mut und Innovation beim Coverdesign schadet nicht, doch letztendlich sollte es zum Inhalt und zur Zielgruppe passen. So wurde etwa für das Buchcover der Hymnen an die Nacht des Frühromantikers Novalis (links) ein Bild des deutschen Romantikers Caspar David Friedrich verwendet, für die Gestaltung der Buchreihe Wissenschaft im 21. Jahrhundert (darunter links) hingegen ein klares, modernes Layout mit farblicher Akzentuierung durch das frische Orange. 

 

Barbara Vojsk - Zwei Textualisierungen einer Geschichte - 3 Winters / Tri zime von Tena stivicic

Buchcover Wissenschaft: LIWI

Bei vielen Büchern und Genres spielen auch Grafiken, Fotografien und Bilder im Text eine Rolle. Diese sollten sich ebenfalls in das Gesamtbild fügen und zudem den Lesefluss nicht negativ beeinträchtigen.

Exkurs: Das E-Book und seine gestalterischen Möglichkeiten

Das E-Book war eine kleine Revolution auf dem Buchmarkt und hat auch die Formen der Buchgestaltung geprägt. Beim E-Book selbst fallen Möglichkeiten zur Buchveredelung weg. Es werden ein Text und Bilder gestaltet, die auch kleinformatig wirken müssen. Bei der Schrift kommt es vor allem darauf an, dass sie auf dem Bildschirm gut lesbar ist. Der bei Druckmedien beliebte Blocksatz wird für das E-Book nicht genutzt. Andererseits verleiht der E-Book-Markt besonders liebevoll gestalteten gedruckten Buchausgaben einen ganz neuen Wert: Wird ein schön gestaltetes Hardcover Buch im Zeitalter der E-Reader doch fast zu so etwas wie einem Sammlerstück. 

 


Vom Schmutztitel bis zum Buchrücken – weitere Bestandteile zur Buchgestaltung

Buchgestaltung und Design

Unterschiedlich gestaltete Buchrücken

Wer ein Buch gestaltet, muss natürlich auch wissen, welche Bestandteile für das Design berücksichtigt werden müssen. Denn neben dem Offensichtlichen wie Cover und Inhalt gibt es weitere Buchteile, die durchaus Gestaltungsmöglichkeiten abseits der Norm bieten. Und gerade deshalb für einen hohen Wiedererkennungswert geeignet sind. Beispielsweise ist das Vorsatzpapier, das den Buchblog mit Vorder- und Rückdeckel verbindet, üblicherweise in Weiß gehalten, kann aber durchaus passend zum Buch gelayoutet werden. Des Weiteren sind bei der Gestaltung zu berücksichtigen:

  • Die Titelei mit Titel, Autor, Verlag, evtl. Autorenportrait und Illustration
  • Inhaltsverzeichnis, Quellenverweise, Register
  • Impressum
  • Kapitel mit Kapitelüberschriften und ggf. Trennseiten
  • Paginierung (Seitenzahl)

Auch in der Gestaltung eines Buches stecken viele Entscheidungen und viel Arbeit. Bei einigen Verlagen gibt es eine ganze Abteilung, die sich um die Aufmachung eines Buches kümmert, die Herstellung. Andere Verlage engagieren freie Grafiker, Buchgestalter, Künstler oder Designer für diesen Part. In jedem Fall ist auch die Buchgestaltung ein Balanceakt, der das Buch als Gebrauchsgegenstand und als Gesamtkunstwerk, ökonomische und ästhetische Aspekte gegeneinander abwägen muss. 

Im nächsten Blogartikel dreht sich alles um die Herstellung: Was macht ein Verlag? Teil 4: Druck &  Vertrieb


Literatur:

Graf, Tanja: Gestaltung und Verlagsmarketing eines belletristischen Verlags am Beispiel des Schirmer Graf Verlags. In: Cornel, Dora (Hrsg.): Buchgestaltung. Ein interdisziplinäres Forum. Harrassowitz Verlag, 2009.

Ruta, Heinrich: Basiswissen Herstellung für Buchhändler. Bramann, 2010.