Was macht ein Verlag?

Teil 2: Vom Manuskript zum Buch – das Lektorat

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“Schreiben ist leicht, man muss nur die falschen Wörter weglassen”

Mark Twain

Am Anfang steht immer eine gute Idee. Aus der Idee wird ein Manuskript, aus dem Manuskript ein Buch. Zwischen Manuskript und dem letztendlich veröffentlichten Buch steht das Lektorat. Mit der Arbeit der Verlagslektoren beschäftigt sich der zweite Teil unserer Artikelreihe Was macht ein Verlag?

Eine Buchveröffentlichung über einen Verlag geht in der Regel mit einer gründlichen Bearbeitung der “Rohfassung” des Textes,  des ersten Entwurfs durch den Autor, dem sogenannten Manuskript einher. Diese Überarbeitung erfolgt durch die Zusammenarbeit des Lektorats mit dem Autor. Beim Lektorat kommt zu den Leistungen eines Korrektorats, in dessen Rahmen ein Text auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung geprüft wird, eine stilistische und inhaltliche Prüfung. Der Lektor achtet auf Logik, Stringenz und Plausibilität des Inhalts.

Doch entgegen der weit verbreiteten Ansicht, das die Aufgabe von Lektoren einzig in der Arbeit am Text und der Kommunikation und Betreuung des Autors besteht ist Lektoratsarbeit zu weiten Teilen auch „Managerarbeit“.

In vielen Verlagen übernehmen die Lektoren neben der Arbeit am Text und der Autorenbetreuung zudem die Akquisition von Inhalten und weitere Leistungen wie das Verfassen von Werbetexten und Klappentexten, Informationsdienstleistungen, die Organisation von Lesereisen sowie weitere organisatorische, technische oder beratende Aufgaben. Hierzu zählt etwa auch die Prüfung von Rechten und Lizenzen für den Verlag. Dabei erfordern die Größe und die Struktur des Verlags, die jeweiligen Verlagsschwerpunkte, das Verlagsprogramm und – vor allem – die Verlagsart Unterschiede bei den Tätigkeitsfeldern des Lektorats. Ein Lektor in einem großen Verlag hat unter Umständen ein geringeres Aufgabenspektrum als ein Lektor in einem kleinen Verlag. Ein Lektor in einem Publikumsverlag hat andere Arbeitsschwerpunkte als ein Lektor in einem Fachverlag oder in einem Wissenschaftsverlag.

Übrigens: Für das Berufsbild des Lektors gibt es keine spezielle Ausbildung und kein spezielles Studium. Die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Verlagslektoren lernen ihr Handwerk oftmals im Rahmen eines Volontariats. Viele Lektoren haben ein Sprachstudium absolviert. Lektoren in Fachverlagen haben oftmals ein entsprechendes Fachstudium abgeschlossen. Als freie Lektoren bezeichnet man all jene, die nicht fest bei einem Verlag angestellt sind. Viele von ihnen organisieren sich im Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL).

Lektoratsarbeit im Publikumsverlag

was macht ein verlag lektorat liwiPublikumsverlage sind besonders häufig mit einer Flut an unaufgefordert eingesandten Manuskripten konfrontiert. Hier wird der Lektor oft zum “Torwächter” und zum professionellen Leser, “der andere Leser davor bewahrt, ihre Lust am Lesen zu verlieren, weil er für sie die ungeheure Flut mittelmäßiger, mißglückter, unfertiger Manuskripte liest”. (Dieter Wellershoff) Eine große Aufgabe, bei der sich der Lektor oft schlicht und einfach auf sein durch intensive Literaturerfahrung geschärftes Gespür verlassen muss. Einen Kriterienkatalog anhand dessen ein Lektor bei der Auswahl der Manuskripte für einen Publikumsverlag vorgeht, gibt es in der Regel nicht.

Die Autorenbetreuung und die Arbeit am Text in Absprache mit dem Autor ist gerade im Lektorat eines Publikumsverlags eine Aufgabe, die viel Sensibilität, aber auch Durchsetzungsvermögen bzw. Überzeugungskraft von Seiten des Lektors erfordert. Der Autor hat Monate, womöglich Jahre an seinem Manuskript gearbeitet, an einzelnen Formulierungen gefeilt, vielleicht sogar persönliche Erfahrungen in seinem Werk verarbeitet. Der Lektor übernimmt die Aufgabe des ersten Lesers, des ersten Rezipienten, den Blick von außen. Wo der Autor den Wald vor lauter Bäumen bzw. das Buch vor lauter Wörtern nicht mehr sieht, muss ihm der Lektor Unstimmigkeiten, Mängel und Fehler aufzeigen. Ein Balanceakt, denn der Lektor muss sich in Schreibhaltung und den Stil des Autors einfühlen, die Individualität des Werkes wahren und zugleich dafür Sorge tragen, dass ein breites Publikum Zugang zu dem Buch findet.

Denn: Nicht zuletzt dürfen ökonomische Aspekte bei der Arbeit eines Lektors nicht außer Acht gelassen werden.

Das Lektorat im Fachverlag

lektorat manuskriptIm Unterschied zum Publikumsverlag stehen im Fachverlag ein zugesandtes Manuskript oder die Idee eines Autors selten am Anfang der Lektoratsarbeit. Fachverlage sind ausgesprochen zielgruppen- und themenorientiert. Vergleichbar mit einer Zeitschrift gibt es einen genauen Redaktionsplan: Welche Themen sind im Programm? Wo soll es hingehen? Wo sind Lücken im Portfolio und wo muss Vorhandenes ergänzt oder erweitert werden? Dies sind die zentralen Fragen, die sich ein Fachverlag bei der aktiven Suche nach passenden Werken und Autoren stellt.

Für die Spontanität und die Kreativität die beim Lektorat eines Publikumsverlags – vor allem im Bereich Belletristik – Raum hat, ist in einem Fachbuchverlag kaum Platz. Oftmals wird hier die Akquisition streng von der Redaktion, der Arbeit am Text, getrennt und zwei verschiedenen Personen bzw. Abteilungen zugedacht. Der Acquisitions Editor übernimmt nicht nur die Akquisition von geeigneten Texten, er übernimmt auch eine generelle Begleitung des Buchprojekts, klärt Detailfragen und sichtet Probekapitel des Autors. Zudem kümmert sich der Acquisitions Editor kümmert auch um Nachauflagen und Neuauflagen eines Buchs. Hierfür muss er sich über neue Sachlagen beim Thema, Gesetzesänderungen o.ä. auf dem Laufenden halten. Um die Betreuung während der Schreibphase kümmert sich der sogenannte Development Editor. Bei Sammelwerken arbeitet der Fachbuchverlag eng mit den Herausgebern zusammen, die für die Lektoratsarbeit ihr Fachwissen einbringen.

Lektoren im Wissenschaftsverlag

was macht ein verlag lektorat liwiWissenschaftsverlage bringen Werke vor allem für die fachinterne Kommunikation heraus. Die wissenschaftlichen Ansprüche, die Ansprüche an Stichhaltigkeit und Einhaltung wissenschaftlicher Standards an die Publikationen ist entsprechend hoch. Die Akquisition der wissenschaftlichen Arbeiten erfolgt im Wissenschaftsverlag in der Regel nicht über das Lektorat, sondern auf der Führungsebene des Verlags durch Anwerbung wissenschaftlich etablierter Herausgeber. Kontakte zu Universitäten, universitätsnahen Einrichtungen und Forschungseinrichtungen sind für die Arbeit von Wissenschaftsverlagen essentiell. Auch die Arbeit am Text ist im Wissenschaftsverlag meist externalisiert. Daher besteht die Aufgabe des Lektorats bei der Autorenbetreuung oftmals vornehmlich aus organisatorischen und technischen Details. Der Lektor arbeitet Vertragsdetails aus, achtet auf die Einhaltung  bestimmter Formalitäten, leitet Kooperationen für den Schreibprozess in die Wege. Bei der Arbeit am Text übernimmt er oft ein erweitertes Korrektorat, in dessen Rahmen er neben Rechtschreibung und Grammatik, beispielsweise auf eine methodische Aufbereitung des Textes achtet.

Exkurs: Ein Manuskript einreichen

lektorat manuskriptEin Buch zu schreiben macht viel Arbeit, kostet Zeit und Energie. Doch mit dem Schreiben allein ist es noch lange nicht getan, denn für die meisten Autoren liegt nach dem Erstellen eines Manuskripts noch einer weiter Weg bis zum fertigen Buch. Allein einen Verlag zu finden ist oft mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden. Nicht jeder Verlag passt zu jedem Autor. Bevor ein Autor sein Manuskript bei einem Verlag einreicht, sollte er sich detailliert über das Verlagsprogramm informieren. Viele Verlage ignorieren zudem Manuskripte, die unaufgefordert eingesandt werden. Ein besserer Weg ist daher, zunächst Kontakt zu einem Verlag aufzubauen oder den Weg über einen Literaturagenten oder eine Literaturagentur zu gehen.

Beim LIWI Verlag werden – derzeit – vor allem Manuskripte von wissenschaftlichen Abschlussarbeiten wie z.B. Masterarbeiten angenommen, die mindestens mit „gut“ bewertet worden sind. Wenn sie in das Verlagsprogramm passen, besteht die Möglichkeit zur Aufnahme in die Reihe Wissenschaft im 21. Jahrhundert.

Im dritten Teil der Artikelserie behandeln wir eine der schönsten Aufgaben des Verlags: Buchgestaltung und Design.


Literatur: 

Fetzer, Günther: Berufsziel Lektorat. Tätigkeiten – Basiswissen – Wege in den Beruf. UTB, 2018.

Röhring, Hans-Helmut; Fetzer, Günther: Wie ein Buch entsteht. Einführung in den Buchverlag. wbg Academic, 2019.

Schönstedt, Eduard: Der Buchverlag. Geschichte, Aufbau, Wirtschaftsprinzipien, Kalkulation und Marketing. Metzler, 2010.

Wellershoff, Dieter: Der Lektor. Auskünfte über eine Liebhaberei als als Beruf. In: Franzmann, Bodo (Hrsg.): Arbeitsfeld Buch. Aspekte, 1972, S. 54-65.