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Die 5 besten Bücher von Joseph Conrad

Joseph Conrad wurde als Kind polnischstämmiger Eltern in Berdiczew (heutige Ukraine) geboren. Mit elf Jahren wurde Conrad zur Vollwaise und lebte bei einem Onkel in Krakau. Als ihm mit 16 die Einberufung zum russischen Militär drohte, heuerte er mit Erlaubnis des Onkels in Marseille als Matrose an. Auf verschiedenen Schiffen bereiste er die Welt. Er wurde abenteuerlustig, verschuldete sich beim Glücksspiel, schmuggelte, konnte seiner Schulden nicht mehr Herr werden und beging einen Suizidversuch. Schließlich kam sein Onkel für die Schulden auf, Conrad heuerte auf einem Dampfer als Kapitän an und reiste in den Kongo. Seine Erlebnisse auf dieser Seereise und in dem durch die Kolonialherrschaft gebrochenen Land beeindruckten ihn tief. Doch vielleicht wäre er nie vom Seefahrer zum Schriftsteller geworden, wäre er nicht an einem Fieber erkrankt, das ihn zwang, an Land zu bleiben. Conrad schrieb daraufhin über die See und über die Menschen, die sie befuhren. Und obwohl er erst im Alter von 21 Jahren Englisch lernte, wurde er zu einem der wichtigsten englischsprachigen Schriftsteller seiner Zeit. Seine Sprache, sein Stil waren und sind beeindruckend und prägten andere Autoren maßgeblich. 

Hier kommt unsere Top 5 der besten Werke von Joseph Conrad:

  1. Herz der Finsternis
  2. Der Geheimagent
  3. Im Taifun
  4. Das Ende vom Lied
  5. Gaspard Ruiz

1. Herz der Finsternis – Conrads meistzitiertes und meistdiskutiertes Werk

Joseph Conrad - Das Herz der FinsternisDas Herz der Finsternis ist nicht nur Conrads meistzitiertes Buch, es war und ist auch sein wichtigstes Werk und nicht zuletzt das meistdiskutierte. Während die einen es als Kritik am Kolonialismus lesen, betrachten andere es als ein rassistisches Werk. 1975 attackierte der angesehene nigerianische Schriftsteller und Essayist Chinua Achebe Heart of Darkness als rassistisch und forderte seine Streichung aus dem Kanon der westlichen Klassiker. Conrad griff mit Herz der Finsternis zwar den belgischen Imperialismus an, schien aber im gleichen Atemzug dessen britische Variante zu loben.  

Herz der Finsternis erzählt die Geschichte Charles Marlows, der auf dem Kongo in das Herz Afrikas reist. Marlow soll Mr. Kurtz finden, der unfassbare Mengen an Elfenbein beschafft hat und eine Schreckensherrschaft unter der schwarzen Bevölkerung führt. Marlow ist fasziniert und abgestoßen zugleich vom skrupellosen, machtbesessenen und größenwahnsinnigen Mr. Kurtz. In wortgewaltigen Bildern beschreibt Conrad die Schreckensherrschaft während der Kolonialzeit. Dabei bleibt die Suche nach Mr. Kurtz nicht zuletzt eine Suche des Erzählers nach sich selbst.

Eine freie Interpretation von Heart of Darkness ist übrigens neben den Kriegsreportagen Michael Herrs die Grundlage zu Francis Ford Coppolas Meisterwerk Apocalypse Now.

2. Der Geheimagent – der erste Spionagethriller

Joseph Conrad Der Geheimagent liwi verlagDer Roman Der Geheimagent – eine einfache Geschichte entstand im Anschluss an Herz der Finsternis. Es ist Conrads einziger Roman, der in London spielt und er gewährt einen zutiefst ironischen Einblick in die menschlichen Angelegenheiten.

Die Geschichte dreht sich um einen Angriff auf das Greenwich-Observatorium im Jahr 1894, der von Verloc, einem russischen Spion, der für die Polizei arbeitet und angeblich Mitglied einer anarchistischen Gruppe in Soho ist, geplant wurde. Seine Vorgesetzten weisen ihn an, die Anarchisten zu diskreditieren. Als sein Plan schief geht, muss Verloc mit den Auswirkungen seiner Taten fertig werden. Obwohl das Buch im Edwardianischen Zeitalter spielt, ist es immer wieder erschreckend aktuell mit seiner Darstellung der Londoner und ihrer Angst vor in ihrer Mitte lebenden Terroristen.

Der Geheimagent wird oftmals als einer der ersten Politthriller der Welt bezeichnet. Den Leser in eine Welt der Spione, Verschwörer, Polizisten und Anschläge zu entführen, war zu seiner Entstehungszeit ein Novum. In die spannungsgeladene Geschichte verwebt Conrad zudem geschickt Bezüge zu seiner eigenen Biographie – seiner Ehe, seinem Problemkind, dem Geldmangel, der Untätigkeit und dem Gefühl des Fremdseins in der Londoner Gesellschaft.

3. Im Taifun – Bewährungsprobe auf hoher See

Joseph Conrad Im TaifunViele Chroniken sind über das Leben auf See geschrieben worden, aber nur wenige können sich mit Joseph Conrads Meisterwerk Im Taifun vergleichen. Es ist die Geschichte eines eigentlich sehr unscheinbaren und unaufgeregten Heldens.

Der Dampfschiffkapitän MacWhirr sieht sich und seine Mannschaft auf dem fernöstlichen Meer einem tosenden Sturm ungekannten Ausmaßes ausgesetzt. MacWhirr genießt den Ruf eines soliden, unerschütterlichen Mannes. Er ist einer, der gerade genug Fantasie hat, um durch den einzelnen Tag zu kommen. So konnte er sich auch nicht vorstellen, dass sein mächtiges Schiff in einen Sturm geraten könnte, dem es nicht gewachsen wäre. Als das Barometer und andere Hinweise, auf bevorstehende Schwierigkeiten hindeuten, ist Kapitän MacWhirr daher nur mäßig besorgt und nicht gewillt, den Kurs zu ändern und kostbare Zeit zu verlieren. Dabei könnte sich diese Entscheidung als kostspieliger erweisen, als er es sich je vorstellen konnte.

Im Taifun ist mehr als eine schlichte Abenteuererzählung. In der 1903 veröffentlichten Geschichte geht es nicht zuletzt um eine moralische Bewährungsprobe. Diese bewältigt Kapitän MacWhirr mit erstaunlicher Nüchternheit. Und das Tragische geht hier immer mit einem gewissen Humor einher. 

4. Jugend – eine Charakterstudie

Joseph Conrad. Jugend.Conrads Novelle Jugend ist eine autobiografische Kurzgeschichte. Sie wurde 1898 geschrieben, zuerst im Blackwood’s Magazine veröffentlicht und als erste Geschichte in den Band Jugend, eine Erzählung und zwei weitere Geschichten von 1902 aufgenommen. Dieser Sammelband enthält auch Herz der Finsternis und Das Ende vom Lied: Geschichten, die sich mit den Themen Reife und älter werden befassen. 

Jugend  ist ein kurzes, tragikomisches und brillantes Porträt eines Mannes, der auf die Lebendigkeit und den Enthusiasmus seiner Jugend zurückblickt. Der Erzähler ist kein geringerer als Charles Marlow, Conrads unerschrockene Stimme aus Heart of Darkness und Lord Jim. Auch in dieser Geschichte findet der Leser Marlow mit einer Gruppe enger Freunde versammelt, in deren Runde er sich an seine Jugend erinnert. Aber wo Heart of Darkness eine grüblerische, psychologische Untersuchung war, ist Jugend die kurze Charakterstudie eines jungen Mannes auf einer seiner ersten Seereisen. Von der erzählerischen Seite gesehen ist Jugend eine interessante Mischung aus Tradition und Moderne.

5. Lord Jim – von Schuld und Sühne (erscheint demnächst)

Der Roman Lord Jim wird zu den 100 besten Büchern des 20. Jahrhunderts gezählt.

Lord Jim ist “einer von uns”, wie der Erzähler der Geschichte betont. Lord Jim ist ein britischer Seemann, wird Erster Offizier auf der Patna, einem Schiff voller Pilger, die zur Hadsch nach Mekka reisen. Als das Schiff mit Wasser vollläuft und eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht, verlässt Jim zusammen mit seinem Kapitän und anderen Besatzungsmitgliedern das Schiff und seine Passagiere. Einige Tage später werden sie von einem britischen Schiff aufgegriffen. Doch auch die Patna und ihre Passagiere werden gerettet. Und die verwerflichen Handlungen der Besatzung bleiben nicht unentdeckt. Die anderen Beteiligten entziehen sich der gerichtlichen Untersuchung und überlassen Jim allein der Justiz. Er wird für die Tat öffentlich getadelt. Der Roman folgt Jims späteren Versuchen, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, doch die Schande verfolgt ihn wie sein eigener Schatten. Lord Jim, einer von uns: mal feige und schuldig, dann heldenhaft. Doch die Schuld holt ihn immer wieder ein. Und so stellt Conrad in diesem Werk nicht zuletzt die grundlegende Frage, ob eine Schuld je abgegolten sein kann.

Biographie und weitere Empfehlungen

Joseph Conrad wurde als Josef Teodor Konrad Nalecz Korzeniowski am 3. Dezember 1857 als Sohn polnischer Landedelleute in Berdiczew bei Kiew geboren. Zunächst leidenschaftlicher Seefahrer, war er durch eine schwere Krankheit gezwungen, die Seefahrerei aufzugeben. Doch fanden seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit Eingang in sein schriftstellerisches Werk. In den folgenden Jahren entstanden – meist unter großer materieller Not – seine berühmten Romane und Erzählungen. Conrad starb am 3. August 1924 in seinem Landhaus in Bishopsbourne/Kent.

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Das Ende vom Lied

Gaspard Ruiz