Selma Lagerlöf - Jerusalem

Jerusalem

„Niemand kann sich darüber wundern, daß ein alter Landschulmeister manchmal ein wenig selbstbewußt werden kann. Da hat er nun durch sein ganzes langes Leben Kenntnisse und Gelehrsamkeit über seine Mitmenschen ausgeteilt. Er sieht, daß alle Bauern von der Weisheit leben, die er ihnen gegeben hat, und daß niemand mehr weiß, als was er, der Schulmeister, sie einmal gelehrt hat.“

(Zitat S. 55)

Selma Lagerlöfs berühmter Roman „Jerusalem“ erschien erstmals in zwei Bänden 1901/1902 und bedeutete ihren endgültigen Durchbruch als Schriftstellerin. Dieser Roman (und nicht das Kinderbuch „Nils Holgerson“) gilt als wichtiger Grund, warum ihr als erster Frau der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde.

Jerusalem – Zusammenfassung

„Jerusalem“ ist ein zweibändiger Roman der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurde. Der Roman zeichnet sich durch seine tiefgehende Erkundung von Glauben, Tradition und den Herausforderungen der Moderne aus, eingebettet in eine Geschichte von Auswanderung und spiritueller Suche.

Entstehung und historischer Kontext

Der Roman wurde inspiriert von einem echten Ereignis – der Auswanderung einer Gruppe von Bauern aus der schwedischen Provinz Dalarna nach Jerusalem. Diese Gruppe folgte einer tiefen religiösen Erweckung und schloss sich in Jerusalem einer von amerikanischen Evangelikalen gegründeten Kolonie an. Selma Lagerlöf selbst reiste nach Jerusalem, um sich direkt mit den Schauplätzen und den ausgewanderten Schweden auseinanderzusetzen, was der Erzählung eine authentische Tiefe verleiht.

Inhalt des Romans

Der Roman gliedert sich in zwei Hauptstränge: Zum einen die Geschichte der Bauernfamilie Ingmarssönerna aus Dalarna, und zum anderen die Erlebnisse dieser Familie und weiterer Dorfbewohner in Jerusalem. Die Ingmarssönerna sind eine angesehene Bauernfamilie, die den größten Hof der Gegend, Ingmarsgården, besitzen.

Nach dem Tod ihres Vaters übernimmt Karin Ingmarsdotter den Hof. Sie wird zur zentralen Figur der Auswanderungsbewegung, nachdem sie beschlossen hat, den Hof zu versteigern und das Geld zu nutzen, um nach Jerusalem zu reisen. Ihr Bruder Ingmar Ingmarsson, der ursprünglich als Erbe des Hofes vorgesehen war, fühlt sich betrogen. Doch das Schicksal fügt es, dass er den Hof zurückgewinnt, indem er Barbro Svensdotter heiratet, die Tochter des neuen Besitzers.

Gertrud Storm, eine weitere zentrale Figur, entschließt sich ebenfalls zur Auswanderung. In Jerusalem angekommen, gerät sie jedoch in eine tiefe geistige Krise. Ingmar reist ihr nach, um die Situation zu klären und findet letztlich, nach vielen Wirrungen, wieder zur Familie zurück. Der Roman endet mit der Rückkehr einiger Figuren nach Schweden, wo sie schließlich in verschiedenen Konstellationen zueinander finden.

Themen und Bedeutung

„Jerusalem“ erforscht die Spannungen zwischen Tradition und Modernität, zwischen individuellen Wünschen und kollektiven Verantwortlichkeiten. Religiöser Eifer und seine Folgen werden intensiv beleuchtet, ebenso wie die transformative Kraft der Arbeit und der Gemeinschaft. Der Roman ist bemerkenswert für seine Darstellung von einfachen Bauern als komplexe Charaktere und für seine Diskussion über die Rolle der Religion in der modernen Welt.

Verfilmungen und kulturelle Wirkung

„Jerusalem“ wurde mehrmals verfilmt, darunter eine bemerkenswerte Adaption von 1996 durch den dänischen Regisseur Bille August. Der Roman bleibt ein wesentlicher Bestandteil der schwedischen Literatur und hat auch international Anerkennung gefunden. Selma Lagerlöfs Fähigkeit, komplexe Charaktere und tiefgreifende emotionale und spirituelle Fragen zu gestalten, macht „Jerusalem“ zu einem dauerhaften Beitrag zur Weltliteratur.

Selma Lagerlöf – Leben und Werk

Selma Ottilia Lovisa Lagerlöf, geboren am 20. November 1858 auf dem Gut Mårbacka in der Gemeinde Sunne, Värmland, Schweden, ist eine der renommiertesten Figuren in der schwedischen Literaturgeschichte. Als erste Frau erhielt sie 1909 den Nobelpreis für Literatur und wurde 1914 als erstes weibliches Mitglied in die Schwedische Akademie aufgenommen. Ihr literarisches Schaffen umfasst geistliche, fantasievolle Werke, die tief in der schwedischen Kultur verwurzelt sind, sowie Kinderbücher, die bis heute weltweit gelesen werden.

Frühe Jahre und Ausbildung

Selma Lagerlöf wuchs in einer wohlhabenden Familie auf, die tief in der ländlichen Tradition Värmlands verwurzelt war. Trotz physischer Herausforderungen durch ein Hüftleiden und einer temporären Lähmung in ihrer Kindheit, entwickelte sie eine reiche Fantasie und eine tiefe Liebe zur Literatur. Nach ihrer Schulbildung in Stockholm absolvierte sie eine Ausbildung zur Volksschullehrerin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete.

Literarischer Durchbruch und Anerkennung

Ihr literarischer Durchbruch gelang Lagerlöf mit dem Roman Gösta Berlings Saga, der trotz anfänglicher Kritik letztendlich durch die positive Rezension des dänischen Kritikers Georg Brandes Anerkennung fand. Dieses Werk etablierte Lagerlöf als wichtige Stimme in der schwedischen Literatur. Ihr einzigartiger Stil und ihre Fähigkeit, tiefgründige, oft spirituell angehauchte Geschichten zu erzählen, brachten ihr nicht nur in Schweden, sondern auch international große Bewunderung ein.

Bedeutende Werke

die besten bücher von selma lagerlöfEines ihrer bekanntesten Werke ist Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen, ein Auftragswerk für den schwedischen Volksschullehrerverband, das sowohl als Kinderbuch als auch als geografische und kulturelle Einführung in Schweden diente. Das Buch wurde in über 30 Sprachen übersetzt und ist bis heute eines der populärsten Bücher Lagerlöfs.

Weitere bedeutende Werke umfassen Jerusalem, inspiriert von einer Gruppe schwedischer Bauern, die nach einer religiösen Erweckung nach Jerusalem auswanderten. Dieses Werk, zusammen mit Vilhelm Mobergs Auswandererromanen, gilt als eines der großen Auswandererepen in der schwedischen Literatur.

Späte Jahre und Vermächtnis

Selma Lagerlöf kehrte später in ihr Elternhaus Mårbacka zurück, das sie zu einem repräsentativen Herrenhaus umbauen ließ. Hier verbrachte sie den Rest ihres Lebens und schrieb weiterhin bedeutende Literatur, darunter Der Kaiser von Portugallien und die Trilogie Die Löwenskölds.

Lagerlöfs Werke zeichnen sich durch ihre tiefen psychologischen Einblicke und ihre komplexe Darstellung menschlicher Emotionen aus. Sie erforschte Themen wie Schuld, Erlösung und die transformative Kraft der Liebe, wobei sie oft starke, selbstbewusste weibliche Charaktere schuf, die in einem herausfordernden sozialen und geschlechtsspezifischen Umfeld agierten.

Soziales und politisches Engagement

Lagerlöf war auch sozial und politisch aktiv, setzte sich für Frauenrechte ein und war während des Winterkriegs 1939 aktiv in der Hilfe für Finnland. Ihr Engagement und ihre literarischen Leistungen machen sie zu einer der wichtigsten Figuren der schwedischen Kulturgeschichte.

Jerusalem – Häufige Fragen

„Jerusalem“ ist ein eindrucksvoller Roman der schwedischen Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf, der aufgrund seiner tiefgründigen Thematik und historischen Kontexte oft Gegenstand von Fragen ist. Hier sind einige häufig gestellte Fragen über das Werk, die helfen können, seinen Inhalt und seine Bedeutung besser zu verstehen.

Was ist der zentrale Konflikt in „Jerusalem“?

Der zentrale Konflikt in „Jerusalem“ dreht sich um die Entscheidung einer Gemeinschaft von Bauern aus Dalarna, ihre Heimat zu verlassen und nach Jerusalem auszuwandern, motiviert durch ein starkes religiöses Erweckungserlebnis. Diese Entscheidung führt zu tiefen persönlichen und kollektiven Kämpfen, die sich um Themen wie Glaube, Tradition, und die Suche nach einem neuen Lebenssinn drehen.

Wie beeinflusste Selma Lagerlöfs Reise nach Jerusalem den Roman?

Selma Lagerlöf reiste zusammen mit ihrer Freundin Sophie Elkan nach Jerusalem, um die realen Schauplätze zu erforschen und sich mit den schwedischen Auswanderern zu treffen. Diese Erfahrungen verliehen dem Roman eine große Authentizität und Tiefe, da sie detaillierte und lebendige Beschreibungen der Landschaft und der Lebensweise in Jerusalem einbringen konnte.

Welche Rolle spielt die Religion in „Jerusalem“?

Religion spielt eine zentrale Rolle in „Jerusalem“. Der Roman erkundet die Auswirkungen religiöser Erweckungsbewegungen auf Individuen und Gemeinschaften. Er stellt Fragen nach der Bedeutung von Glauben und dem Einfluss religiöser Überzeugungen auf das tägliche Leben und Entscheidungen, die weitreichende Folgen haben.

Wie werden die schwedischen Bauern im Roman dargestellt?

Die schwedischen Bauern werden als tief verwurzelte, traditionelle Menschen dargestellt, deren Leben sich grundlegend ändert, als sie beschließen, alles hinter sich zu lassen und nach Jerusalem auszuwandern. Lagerlöf nutzt ihre Geschichten, um Themen wie Verlust, Hoffnung und die Suche nach einer neuen Identität zu erkunden.

Warum wurde „Jerusalem“ umgearbeitet und welche Veränderungen wurden vorgenommen?

Selma Lagerlöf war mit dem zweiten Band von „Jerusalem“ ursprünglich nicht zufrieden und überarbeitete ihn 1909 gründlich. Die Änderungen zielten darauf ab, die Erzählung zu vertiefen und die Charakterentwicklungen und thematischen Schwerpunkte des Romans zu verstärken. Diese überarbeitete Version ist heute die am weitesten verbreitete Fassung.

Inwiefern beeinflusste „Jerusalem“ die Literatur und Kultur außerhalb Schwedens?

„Jerusalem“ hatte einen signifikanten Einfluss auf die internationale Literatur und wurde besonders in Deutschland sehr populär. Der Roman trug dazu bei, Selma Lagerlöfs Ruf als eine der führenden literarischen Stimmen ihrer Zeit zu festigen. Seine Themen der Auswanderung und des kulturellen Wandels finden weltweit Resonanz.

Gibt es Verfilmungen des Romans?

Ja, „Jerusalem“ wurde mehrfach verfilmt. Die bekannteste Adaption ist der Film von 1996, inszeniert von Bille August. Diese Verfilmung, eine Gemeinschaftsproduktion mehrerer nordischer Länder, zeichnet sich durch ihre tiefgehende Erkundung der Romanthemen und durch starke schauspielerische Leistungen aus.

Jerusalem – Buch

Hier wird der zeitlose Klassiker ungekürzt in der vielgelesenen Übersetzung von Mathilde Mann frisch aufgelegt. Beide Teile in einem Band.

Selma Lagerlöf.
Jerusalem.
Übersetzt von Mathilde Mann.
Selma Lagerlöf - JerusalemErstdruck des Originals: Albert Bonniers förlag, 2 Bd., Stockholm 1901/1902.
Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt dem Erstdruck der Übersetzung von Mathilde Mann, Globus Verlag, Berlin 1912.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2021.

EAN: 9783965424166
ISBN: 3965424165
Beide Teile in einem Band. Übersetzt von Mathilde Mann. Paperback.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag
Januar 2021 – 352 Seiten

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