Selma Lagerlöf Gösta Berling

Gösta Berling

„Der Pfarrer hatte die tiefen Augen eines Dichters und das feste, runde Kinn eines Feldherrn. Alles an ihm war schön, ausdrucksvoll – durchglüht von Genialität und geistigem Leben. Die Leute in der Kirche fühlten sich eigenartig bedrückt, als sie ihn so erblickten. Sie waren daran gewöhnt, ihn schwankenden Schrittes aus der Schenke herauskommen zu sehen in Gesellschaft lustiger Kameraden wie Oberst Beerencreutz mit dem dicken weißen Schnurrbart und Kapitän Bergh mit der gewaltigen Körperkraft.“

Selma Lagerlöf.
Gösta Berling.
Übersetzt von Mathilde Mann.
Schwedischer Originaltitel: »Gösta Berlings saga«, Stockholm 1891.
Durchgesehener Neusatz, diese Ausgabe folgt: Reclam Verlag, Leipzig 1925.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2020

EAN: 9783965423626
ISBN: 3965423622
Paperback.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag
Juli 2020 – 272 Seiten

Selma Lagerlöf – Biographie

Selma Lagerlöf wurde am 20. November 1858 in Mårbacka, Schweden, geboren und starb am 16. März 1940 ebenda. Sie war eine der bedeutendsten schwedischen Schriftstellerinnen und die erste Frau, die den Nobelpreis für Literatur erhielt. Lagerlöfs Werke zeichnen sich durch ihre lebendige Erzählweise, tiefgründige Charaktere und eine enge Verbindung zur schwedischen Landschaft und Kultur aus.

Frühes Leben und Bildung

Selma Lagerlöf wuchs in einer wohlhabenden Familie auf dem Gut Mårbacka in Värmland auf. Schon früh zeigte sie eine Leidenschaft für das Lesen und Schreiben. Aufgrund einer Hüftgelenkserkrankung war sie körperlich eingeschränkt, was sie jedoch nicht davon abhielt, sich geistig intensiv weiterzubilden. Sie besuchte die Lehrerseminare in Stockholm und Landskrona und arbeitete anschließend als Lehrerin.

Literarische Karriere

Ihre literarische Karriere begann Lagerlöf mit dem Roman Gösta Berling, der 1891 veröffentlicht wurde. Der Erfolg des Romans ermöglichte ihr, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Ihre Werke wurden von den traditionellen schwedischen Erzählungen, Mythen und der Folklore inspiriert und brachten ihr nationale und internationale Anerkennung ein.

1909 erhielt Selma Lagerlöf als erste Frau den Nobelpreis für Literatur, was ihre Stellung als bedeutende Schriftstellerin weiter festigte. Ihr literarisches Schaffen umfasst eine breite Palette von Genres, darunter Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher.

Engagement und Späteres Leben

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit engagierte sich Lagerlöf auch politisch und sozial. Sie setzte sich für Frauenrechte und die schwedische Unabhängigkeitsbewegung ein. Während des Ersten Weltkriegs und in den folgenden Jahren engagierte sie sich zudem für humanitäre Projekte.

In den 1930er Jahren zog sie sich zunehmend auf ihr Gut Mårbacka zurück, wo sie bis zu ihrem Tod 1940 lebte. Ihr Zuhause wurde später zu einem Museum, das ihr Leben und Werk würdigt.

Wichtige Werke von Selma Lagerlöf

Niels Holgersens wunderbare Reise mit den Wildgänsen (1906–1907)

Dieses Buch ist Lagerlöfs bekanntestes Werk und wurde ursprünglich als Schulbuch konzipiert, um schwedischen Kindern die Geografie ihres Landes näherzubringen.

Niels Holgersens wunderbare Reise mit den Wildgänsen erzählt die Geschichte des Jungen Niels, der in einen Winzling verwandelt wird und mit einem Schwarm Wildgänse durch Schweden reist. Das Buch verbindet Märchenmotive mit realistischen Landschaftsbeschreibungen und ist ein Klassiker der Kinderliteratur.

Aus meinen Kindertagen (1930)

In Aus meinen Kindertagen schildert Lagerlöf ihre Kindheitserinnerungen und gibt Einblicke in das Leben auf dem Gut Mårbacka.

Die autobiografischen Skizzen zeichnen ein lebendiges Bild ihrer frühen Jahre und ihrer Familie. Das Werk ist eine wertvolle Quelle für das Verständnis ihrer späteren literarischen Themen und Motive.

Jerusalem (1901–1902)

Der zweiteilige Roman Jerusalem basiert auf einer wahren Begebenheit und erzählt die Geschichte einer Gruppe schwedischer Bauern, die im 19. Jahrhundert nach Jerusalem auswandern.

Lagerlöf thematisiert religiösen Eifer, Gemeinschaft und den Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Jerusalem wurde sowohl in Schweden als auch international hochgelobt.

Gösta Berling (1891)

Gösta Berling ist Lagerlöfs Debütroman und erzählt die Geschichte des charismatischen, aber gescheiterten Priesters Gösta Berling, der nach seiner Entlassung durch Värmland streift und zahlreiche Abenteuer erlebt.

Der Roman ist eine Mischung aus Romantik und Realismus und wurde später mehrfach verfilmt.

Gösta Berling etablierte Lagerlöf als herausragende Erzählerin und bleibt ein bedeutendes Werk der schwedischen Literatur.

Das Mädchen vom Moorhof (1908)

Das Mädchen vom Moorhof ist eine bewegende Erzählung über eine junge Frau, die aufgrund ihrer unehelichen Schwangerschaft stigmatisiert wird und sich in der Gesellschaft behaupten muss.

Lagerlöf setzt sich in diesem Werk mit Themen wie Ehre, Schande und sozialer Gerechtigkeit auseinander und zeigt ihre Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Probleme sensibel zu behandeln.

Der Fuhrmann des Todes (1912)

In Der Fuhrmann des Todes (auch bekannt als Der Todeswagen) wird die Geschichte eines alkoholkranken Mannes erzählt, der in der Silvesternacht dem Fuhrmann des Todes begegnet.

Der Roman verbindet Elemente des Übernatürlichen mit moralischen und spirituellen Fragen und wurde später von Victor Sjöström erfolgreich verfilmt.

Der Fuhrmann des Todes ist ein eindrucksvolles Beispiel für Lagerlöfs Fähigkeit, Spannung und tiefgründige Themen zu verknüpfen.

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 18. Mai 2024