Franz Kafka Der Bau Buch

Der Bau

„Ich muß die sofortige Auslaufmöglichkeit haben, kann ich denn trotz aller Wachsamkeit nicht von ganz unerwarteter Seite angegriffen werden? Ich lebe im Innersten meines Hauses in Frieden und inzwischen bohrt sich langsam und still der Gegner von irgendwoher an mich heran.“

Kafkas berühmte Erzählung „Der Bau“ entstand 1923-24 und erschien erstmals postum in der Zeitschrift Witkio 1928, der Erstdruck als Buch erfolgte 1931. Die Geschichte zählt bis heute zu den meistgelesenen Texten des Autors und wird hier nach dem Erstdruck von 1931 wiedergegeben.

„Der Bau“ – Inhaltsangabe / Zusammenfassung

Der Bau“ ist eine der letzten Erzählungen von Franz Kafka, die posthum veröffentlicht wurde. In dieser Geschichte erzählt ein nicht näher bestimmtes Tier, vermutlich ein Maulwurf oder ähnliches Wesen, von seinem Leben unter der Erde. Der Protagonist hat über Jahre hinweg einen komplexen und sorgfältig konstruierten Bau erschaffen, der sowohl als Zufluchtsort als auch als Falle für potenzielle Eindringlinge dient.

Während der Erzählung reflektiert das Tier über die Paranoia und Angst, die mit dem Schutz seines Heims verbunden sind, insbesondere über das ständige Lauschen auf ein unbekanntes Geräusch, das seine Ruhe stört und sein Gefühl von Sicherheit bedroht.

„Der Bau“ – Analyse / Interpretation / Bedeutung

Der Bau“ wird oft als Allegorie auf die menschliche Existenz und die Isolation interpretiert. Das unermüdliche Streben des Tieres, seinen Bau zu perfektionieren, spiegelt den menschlichen Drang wider, Sicherheit und Kontrolle in einer unsicheren Welt zu suchen.

Die Paranoia des Tieres und seine Besessenheit, jede mögliche Bedrohung zu eliminieren, veranschaulichen die existenzielle Angst und die Grenzen der menschlichen Vernunft. Kafkas Erzählung thematisiert tiefgreifende Fragen nach dem Sinn des Lebens, der Einsamkeit und dem Verlangen nach Sicherheit, während sie gleichzeitig die Vergeblichkeit solcher Bestrebungen in einer letztlich unkontrollierbaren und rätselhaften Welt aufzeigt.

Sprache und Stil

Kafkas Sprache in „Der Bau“ ist präzise und nüchtern, was die klaustrophobische und beklemmende Atmosphäre der Erzählung verstärkt. Sein Stil ist charakteristisch für seine späten Werke, mit langen, verschachtelten Sätzen, die die obsessiven Gedankengänge des Protagonisten und die Komplexität des Baus widerspiegeln.

Die detaillierte Beschreibung des Baus und seiner zahlreichen Kammern und Gänge dient nicht nur der räumlichen Orientierung, sondern unterstreicht auch die psychologische Dimension der Erzählung. Kafkas Fähigkeit, die Innenwelt seiner Figuren mit einer intensiven psychologischen Tiefe zu erforschen, ist auch in „Der Bau“ deutlich erkennbar.

Rezeption und Nachwirkung

Der Bau“ gehört zu den weniger bekannten Werken Kafkas, hat aber im Laufe der Zeit eine wachsende Anerkennung erfahren und wird heute als Meisterwerk der modernen Literatur betrachtet.

Die Erzählung hat zahlreiche Interpretationen und kritische Analysen angeregt, die sich mit ihrer vielschichtigen Symbolik und den zugrundeliegenden philosophischen Themen beschäftigen. Die Nachwirkung von „Der Bau“ zeigt sich in der anhaltenden Faszination für Kafkas einzigartigen literarischen Ausdruck und seine Fähigkeit, die tiefsten Ängste und Sehnsüchte des Menschen aufzugreifen.

Die Erzählung hat auch andere Künstler und Schriftsteller inspiriert und trägt weiterhin dazu bei, Kafkas Ruf als einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts zu festigen.

Text Leseprobe

„Das schönste an meinem Bau ist aber seine Stille. Freilich, sie ist trügerisch. Plötzlich einmal kann sie unterbrochen werden und alles ist zu Ende. Vorläufig aber ist sie noch da. Stundenlang kann ich durch meine Gänge schleichen und höre nichts als manchmal das Rascheln irgendeines Kleintieres, das ich dann gleich auch zwischen meinen Zähnen zur Ruhe bringe, oder das Rieseln der Erde, das mir die Notwendigkeit irgendeiner Ausbesserung anzeigt; sonst ist es still.“

Hier ist der Text auch kostenlos als PDF.

Häufige Fragen zu „Der Bau“ von Franz Kafka

Wer ist der Autor von „Der Bau“?

Franz Kafka ist der Autor von „Der Bau“. Kafka ist ein bedeutender Schriftsteller der modernen Literatur, bekannt für seine einzigartigen Darstellungen der Absurdität und Entfremdung.

Wann wurde „Der Bau“ veröffentlicht?

„Der Bau“ wurde posthum veröffentlicht. Die Erzählung wurde vermutlich kurz vor Kafkas Tod im Jahr 1924 geschrieben, aber erst nach seinem Tod im Jahr 1931 veröffentlicht.

Was ist das Hauptthema von „Der Bau“?

Das Hauptthema von „Der Bau“ ist die Paranoia und Isolation eines nicht näher bestimmten Tieres (vermutlich eines Maulwurfs), das einen komplexen unterirdischen Bau erschaffen hat. Die Erzählung behandelt tiefe menschliche Ängste und die Suche nach Sicherheit in einer unsicheren Welt.

Aus wessen Perspektive wird „Der Bau“ erzählt?

„Der Bau“ wird aus der Ersten-Person-Perspektive des Tieres erzählt, das den Bau erschaffen hat und in ihm lebt. Diese Perspektive ermöglicht einen tiefen Einblick in die psychologische Verfassung des Protagonisten.

Welche literarischen Techniken verwendet Kafka in „Der Bau“?

Kafka verwendet in „Der Bau“ Techniken wie Anthropomorphisierung, indem er dem Tier menschliche Eigenschaften und Gedanken zuschreibt. Darüber hinaus nutzt er eine detaillierte und nüchterne Sprache, um die klaustrophobische Atmosphäre und die psychologische Tiefe der Erzählung zu verstärken.

Was symbolisiert der Bau in der Erzählung?

Der Bau symbolisiert das Verlangen nach Sicherheit und Kontrolle sowie die Vergeblichkeit dieser Bemühungen angesichts der unkontrollierbaren Kräfte der Welt. Er steht auch für die menschliche Tendenz, sich in selbstgeschaffenen Welten zu isolieren.

Wie endet „Der Bau“?

„Der Bau“ bleibt ohne eine klare Auflösung oder ein abschließendes Ereignis. Die Erzählung endet offen, was die anhaltende Unsicherheit und Angst des Protagonisten unterstreicht.

Welche Bedeutung hat „Der Bau“ in Kafkas Gesamtwerk?

„Der Bau“ gilt als eines von Kafkas späten Meisterwerken und reflektiert viele der Kernthemen seines Gesamtwerks, wie Isolation, Angst und die Suche nach Sinn. Die Erzählung ist ein bedeutendes Beispiel für Kafkas Fähigkeit, komplexe psychologische und existenzielle Fragen literarisch zu erforschen.

Wie wurde „Der Bau“ von Kritikern und Lesern aufgenommen?

„Der Bau“ hat im Laufe der Zeit eine wachsende Anerkennung erfahren und wird heute als ein tiefgründiges Werk moderner Literatur angesehen. Kritiker loben die Erzählung für ihre psychologische Tiefe und ihre dichte Symbolik, während Leser von der intensiven Atmosphäre und den universellen Themen fasziniert sind.

Was kann man aus „Der Bau“ lernen?

Aus „Der Bau“ kann man über die menschliche Natur und die universellen Ängste lernen, die uns alle antreiben. Die Erzählung fordert dazu auf, über die Bedeutung von Sicherheit, die Grenzen unserer Kontrolle und die Möglichkeit der Selbstisolierung nachzudenken.

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Buchausgabe

Franz Kafka.
Der Bau.
Erstmals veröffentlicht in: Witiko. Zeitschrift für Kunst und Dichtung der literarischen Adalbert-Stifter-Gesellschaft. 1. Jahr, 2. Stück, S. 89-104, Eger 1928.

Durchgesehener Neusatz, diese Ausgabe folgt dem Erstdruck als Buch in:

Kafka, Franz: Beim Bau der Chinesischen Mauer. Ungedruckte Erzählungen und Prosa aus dem Nachlaß. Herausgegeben von Max Brod und Joachim Schoeps, Gustav Kiepenheuer Verlag, Berlin 1931.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2020.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

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