Franz Kafka In der Strafkolonie

In der Strafkolonie

„Ich bin hier in der Strafkolonie zum Richter bestellt. Trotz meiner Jugend. Denn ich stand auch dem früheren Kommandanten in allen Strafsachen zur Seite und kenne auch den Apparat am besten. Der Grundsatz, nach dem ich entscheide, ist: Die Schuld ist immer zweifellos.“

Kafkas berühmte Erzählung „In der Strafkolonie“ entstand 1914 und erschien erstmals 1919 im Kurt Wolff Verlag.

Sie zählt bis heute zu den meistgelesenen Texten des Autors.

Fragen und Antworten

Wer ist der Autor von „In der Strafkolonie“?

Franz Kafka (1883–1924) ist der Autor von „In der Strafkolonie“. Kafka war ein deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag, dessen Werke für ihre komplexe Erzählweise, die Erforschung von Angst, Schuld und Isolation sowie ihre oft kafkaeske Darstellung der Bürokratie bekannt sind.

Wann wurde „In der Strafkolonie“ veröffentlicht?

„In der Strafkolonie“ wurde erstmals 1919 veröffentlicht. Das Werk gehört zu Kafkas mittlerer Schaffensperiode und gilt als eines seiner bedeutendsten kurzen Erzählwerke.

Was ist das Hauptthema von „In der Strafkolonie“?

Das Hauptthema der Erzählung ist das System der Gerechtigkeit und Strafe innerhalb einer isolierten Militärkolonie. Kafka erforscht die Mechanismen der Macht, Autorität und des Gesetzes, insbesondere die Brutalität und die Entmenschlichung, die durch ein unerbittliches und intransparentes Strafsystem entstehen können.

Wie ist „In der Strafkolonie“ strukturiert?

„In der Strafkolonie“ ist eine kurze Erzählung, die sich auf die Darstellung und Analyse einer Exekutionsmaschine konzentriert, durch die die Strafe in der Kolonie vollzogen wird. Die Erzählung folgt der Perspektive eines namenlosen Forschungsreisenden, der Zeuge der Vorbereitungen und der Durchführung einer Exekution wird.

Wer sind die Hauptfiguren in „In der Strafkolonie“?

Die Hauptfiguren der Erzählung sind der Offizier, der die Exekutionsmaschine bedient und ein enthusiastischer Befürworter des Strafsystems ist; der Verurteilte, ein Mann, der ohne Verhandlung zur Strafe verurteilt wurde; der Forschungsreisende, der als externer Beobachter in die Kolonie kommt; und der neue Kommandant, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger das Strafsystem kritisch sieht.

Welche Rolle spielt die Exekutionsmaschine in der Erzählung?

Die Exekutionsmaschine ist das zentrale Symbol in „In der Strafkolonie“ und steht für das grausame und unmenschliche Strafsystem der Kolonie. Sie ist nicht nur ein Instrument der Folter und Hinrichtung, sondern auch ein Ausdruck der philosophischen und moralischen Prinzipien, die das Leben in der Kolonie bestimmen.

Wie wird das Thema der Gerechtigkeit in „In der Strafkolonie“ behandelt?

„In der Strafkolonie“ behandelt das Thema der Gerechtigkeit kritisch und hinterfragt die Legitimität und Moralität eines Strafsystems, das auf Schmerz, Leid und unumstößlicher Autorität basiert. Kafka stellt die Blindheit und die mögliche Willkür der Justiz dar, indem er zeigt, wie das Rechtssystem der Kolonie ohne klare Beweise oder faire Verfahren operiert.

Wie wurde „In der Strafkolonie“ von der Öffentlichkeit und Kritik aufgenommen?

„In der Strafkolonie“ wurde sowohl von der zeitgenössischen Kritik als auch von späteren Generationen als Meisterwerk angesehen. Die Erzählung wird für ihre tiefgründige Auseinandersetzung mit Macht, Autorität und Moral gelobt, ebenso wie für ihre eindringliche und bildhafte Sprache. Sie gilt als exemplarisch für Kafkas Fähigkeit, die dunklen Aspekte der menschlichen Existenz und der sozialen Ordnung zu erforschen.

Welchen Einfluss hatte „In der Strafkolonie“ auf die Literatur und Kultur?

„In der Strafkolonie“ hat die Literatur und Kultur weit über ihre unmittelbare Veröffentlichung hinaus beeinflusst. Die Erzählung hat nicht nur zu Diskussionen über Recht und Gerechtigkeit, Macht und Autorität beigetragen, sondern auch den Begriff des „Kafkaesken“ geprägt, der oft verwendet wird, um Situationen oder Systeme zu beschreiben, die absurd, bedrückend und labyrinthartig sind.

»Es ist ein eigentümlicher Apparat«, sagte der Offizier zu dem Forschungsreisenden und überblickte mit einem gewissermaßen bewundernden Blick den ihm doch wohlbekannten Apparat. Der Reisende schien nur aus Höflichkeit der Einladung des Kommandanten gefolgt zu sein, der ihn aufgefordert hatte, der Exekution eines Soldaten beizuwohnen, der wegen Ungehorsam und Beleidigung des Vorgesetzten verurteilt worden war. Das Interesse für diese Exekution war wohl auch in der Strafkolonie nicht sehr groß. Wenigstens war hier in dem tiefen, sandigen, von kahlen Abhängen ringsum abgeschlossenen kleinen Tal außer dem Offizier und dem Reisenden nur der Verurteilte, ein stumpfsinniger breitmäuliger Mensch mit verwahrlostem Haar und Gesicht, und ein Soldat zugegen, der die schwere Kette hielt, in welche die kleinen Ketten ausliefen, mit denen der Verurteilte an den Fuß- und Handknöcheln sowie am Hals gefesselt war und die auch untereinander durch Verbindungsketten zusammenhingen. Übrigens sah der Verurteilte so hündisch ergeben aus, daß es den Anschein hatte, als könnte man ihn frei auf den Abhängen herumlaufen lassen und müsse bei Beginn der Exekution nur pfeifen, damit er käme.

Der Reisende hatte wenig Sinn für den Apparat und ging hinter dem Verurteilten fast sichtbar unbeteiligt auf und ab, während der Offizier die letzten Vorbereitungen besorgte, bald unter den tief in die Erde eingebauten Apparat kroch, bald auf eine Leiter stieg, um die oberen Teile zu untersuchen. Das waren Arbeiten, die man eigentlich einem Maschinisten hätte überlassen können, aber der Offizier führte sie mit einem großen Eifer aus, sei es, daß er ein besonderer Anhänger dieses Apparates war, sei es, daß man aus anderen Gründen die Arbeit sonst niemandem anvertrauen konnte. »Jetzt ist alles fertig!« rief er endlich und stieg von der Leiter hinunter. Er war ungemein ermattet, atmete mit weit offenem Mund und hatte zwei zarte Damentaschentücher hinter den Uniformkragen gezwängt. »Diese Uniformen sind doch für die Tropen zu schwer«, sagte der Reisende, statt sich, wie es der Offizier erwartet hatte, nach dem Apparat zu erkundigen. »Gewiß«, sagte der Offizier und wusch sich die von Öl und Fett beschmutzten Hände in einem bereitstehenden Wasserkübel, »aber sie bedeuten die Heimat; wir wollen nicht die Heimat verlieren. – Nun sehen Sie aber diesen Apparat«, fügte er gleich hinzu, trocknete die Hände mit einem Tuch und zeigte gleichzeitig auf den Apparat. »Bis jetzt war noch Händearbeit nötig, von jetzt aber arbeitet der Apparat ganz allein.« Der Reisende nickte und folgte dem Offizier. Dieser suchte sich für alle Zwischenfälle zu sichern und sagte dann: »Es kommen natürlich Störungen vor; ich hoffe zwar, es wird heute keine eintreten, immerhin muß man mit ihnen rechnen. Der Apparat soll ja zwölf Stunden ununterbrochen im Gang sein. Wenn aber auch Störungen vorkommen, so sind sie doch nur ganz kleine, und sie werden sofort behoben sein.«

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Buchausgabe

Franz Kafka.
In der Strafkolonie.
Durchgesehener Neusatz, diese Ausgabe folgt dem Erstdruck:
Kurt Wolff Verlag, Leipzig 1919.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2020.

EAN: 9783965423107
ISBN: 396542310X
Paperback.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag
Mai 2020 – 24 Seiten

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