Die Welt von Gestern - Stefan Zweig

Die Marquise von O….

In M…, einer bedeutenden Stadt im oberen Italien, ließ die verwitwete Marquise von O…, eine Dame von vortrefflichem Ruf, und Mutter von mehreren wohlerzogenen Kindern, durch die Zeitungen bekanntmachen: daß sie, ohne ihr Wissen, in andre Umstände gekommen sei, daß der Vater zu dem Kinde, das sie gebären würde, sich melden solle; und daß sie, aus Familienrücksichten, entschlossen wäre, ihn zu heiraten.

Zitat aus dem Anfang der Novelle

Die Marquise von O…. – Zusammenfassung

Die unerwartete Nachricht

Die Geschichte beginnt mit einer Zeitungsanzeige, in der die Marquise von O…. bekannt gibt, dass sie schwanger ist, obwohl sie beteuert, keine Ahnung zu haben, wie es dazu kam. Diese ungewöhnliche Anzeige sorgt für Aufsehen und bildet den Ausgangspunkt der Handlung.

Die Belagerung der Festung

Die Handlung springt zurück zu einem früheren Zeitpunkt, als die Festung, in der die Marquise lebt, von russischen Truppen angegriffen wird. Graf F…, ein russischer Offizier, rettet die Marquise und ihre Familie vor einer Vergewaltigung durch Soldaten. In der Folge zieht er das Vertrauen und die Sympathie der Familie auf sich.

Die mysteriöse Ohnmacht

Kurz nach diesen Ereignissen wird die Marquise während eines Spaziergangs ohnmächtig. Graf F… findet sie bewusstlos und bringt sie in Sicherheit. Nach ihrer Genesung bemerkt die Marquise einige Veränderungen an ihrem Körper, ist jedoch zunächst ahnungslos über deren Bedeutung.

Die ungeklärte Schwangerschaft

Monate später wird die Marquise von ihren Eltern konfrontiert, weil sie Anzeichen einer Schwangerschaft zeigt. Sie beteuert ihre Unschuld und hat keine Erklärung dafür. Die Familie ist schockiert und stellt ihre Tugendhaftigkeit in Frage. In einem verzweifelten Versuch, die Wahrheit herauszufinden, veröffentlicht die Marquise die erwähnte Zeitungsanzeige.

Die Suche nach dem Vater

Graf F…, der während dieser Zeit verschwunden war, kehrt zurück und macht der Marquise einen Heiratsantrag, den sie zunächst ablehnt. Es stellt sich heraus, dass er der Vater des ungeborenen Kindes ist. Er gesteht, dass er die Marquise in einem Moment der Schwäche während ihrer Ohnmacht missbraucht hat, obwohl er sie liebt und seine Tat zutiefst bereut.

Die Reaktion der Familie

Die Eltern der Marquise sind zunächst entsetzt über die Enthüllung. Nach intensiven Gesprächen und aus Rücksicht auf die Zukunft ihrer Tochter und des ungeborenen Kindes, stimmen sie einer Ehe mit Graf F… zu. Die Marquise ist hin- und hergerissen zwischen Wut, Enttäuschung und der Hoffnung auf eine neue Zukunft.

Die Versöhnung

Trotz der schwierigen Umstände entscheidet sich die Marquise letztlich, den Grafen zu heiraten. Der Graf gelobt, sich zu bessern und beweist seine aufrichtige Reue durch seine Handlungen. Die Geschichte endet mit der Hoffnung auf einen Neuanfang und die Möglichkeit, dass die Liebe die Hindernisse überwinden kann.

Die Marquise von O…. – Figuren

Die Marquise von O….

Beschreibung: Die Marquise von O… ist eine junge, tugendhafte Witwe und Mutter zweier Kinder. Sie lebt bei ihren Eltern und führt ein ruhiges, respektables Leben.

Charakterzüge: Sie ist stark, entschlossen und besitzt eine ausgeprägte moralische Integrität. Trotz der Schande, die ihre ungewollte Schwangerschaft mit sich bringt, kämpft sie für die Wahrheit und ihre Ehre.

Entwicklung: Im Laufe der Geschichte durchlebt sie eine Reihe emotionaler und psychologischer Herausforderungen, die sie letztlich stärker und selbstbewusster machen.

Graf F….

Beschreibung: Graf F… ist ein russischer Offizier, der während der Belagerung der Festung in das Leben der Marquise tritt.

Charakterzüge: Er erscheint zunächst als heldenhafter Retter, zeigt jedoch eine dunkle Seite, als er seine Tat gesteht. Trotz seines Fehlers versucht er, seine Schuld wiedergutzumachen und seine Liebe zur Marquise zu beweisen.

Entwicklung: Graf F… durchläuft eine Entwicklung von einem respektierten Offizier zu einem reumütigen Mann, der seine Fehler eingesteht und bereit ist, für seine Taten Verantwortung zu übernehmen.

Die Eltern der Marquise

Die Mutter der Marquise:

Beschreibung: Eine liebevolle und besorgte Mutter, die das Wohlergehen ihrer Tochter über alles stellt.

Charakterzüge: Sie ist verständnisvoll, aber auch schockiert und verletzt von den Ereignissen. Ihre Liebe zu ihrer Tochter hilft ihr jedoch, schließlich Vergebung zu finden.

Der Vater der Marquise:

Beschreibung: Ein angesehener Mann mit starkem Gerechtigkeitssinn.

Charakterzüge: Er ist streng und unnachgiebig, wenn es um moralische Fragen geht, zeigt jedoch auch eine tiefe Zuneigung zu seiner Tochter. Seine anfängliche Empörung weicht einer pragmatischen Akzeptanz der Situation.

Die Geschwister der Marquise

Beschreibung: Die Geschwister der Marquise spielen eine unterstützende Rolle und repräsentieren die familiäre Solidarität in schwierigen Zeiten.

Die Marquise von O…. – Aufbau

Exposition

Die Geschichte beginnt mit einer ungewöhnlichen Zeitungsanzeige, in der die Marquise von O…. ihre ungewollte Schwangerschaft bekannt gibt und nach dem Vater des Kindes sucht. Diese Eröffnung weckt sofort das Interesse und die Neugier der Leser.

Rückblende und Einführung der Hauptfiguren

Die Handlung springt zurück in die Vergangenheit, wo die Belagerung der Festung und die Rettung der Marquise durch Graf F…. beschrieben werden. Diese Rückblende dient dazu, die wichtigsten Figuren und ihre Beziehungen zueinander vorzustellen.

Steigende Handlung

Die Entdeckung der Schwangerschaft und die anschließende Konfrontation mit ihren Eltern stellen den Hauptkonflikt dar. Die Marquise wird vor eine schwere Prüfung gestellt, als sie ihre Unschuld beteuert, jedoch keine Erklärung für ihre Schwangerschaft liefern kann.

Höhepunkt

Der Höhepunkt der Geschichte ist die Rückkehr von Graf F…. und sein Geständnis, der Vater des ungeborenen Kindes zu sein. Diese Enthüllung bringt die Wahrheit ans Licht und stellt die moralischen und emotionalen Dilemmata der Figuren in den Vordergrund.

Fallende Handlung

Nach dem Geständnis von Graf F…. und den darauffolgenden Gesprächen innerhalb der Familie beginnt die fallende Handlung. Die Familie muss eine Entscheidung treffen, wie sie mit der Situation umgehen will.

Auflösung

Die Geschichte findet ihren Abschluss in der Heirat der Marquise und des Grafen. Trotz der schwierigen Umstände und der tiefen Verletzungen, die durch die Ereignisse entstanden sind, gibt es eine Perspektive auf Vergebung und Neuanfang.

Die Marquise von O…. – Sprache & Stil

Erzählperspektive

Die Novelle wird aus einer auktorialen Erzählperspektive erzählt. Der Erzähler hat eine allwissende Sicht auf die Ereignisse und die Gedanken der Figuren, was dem Leser einen umfassenden Einblick in die inneren Konflikte und Motivationen der Charaktere gibt.

Sprachliche Merkmale

  • Gehobene Sprache: Die Sprache in „Die Marquise von O….“ ist gehoben und formell, was der gesellschaftlichen Stellung der Hauptfiguren entspricht.
  • Komplexe Satzstrukturen: Heinrich von Kleist verwendet oft lange und verschachtelte Sätze, die die Komplexität der Gedanken und Gefühle der Figuren widerspiegeln.
  • Direkte Rede: Durch die Verwendung von direkter Rede wird die Dramatik der Dialoge verstärkt und die Charaktere werden lebendig und greifbar.

Stilmittel

  • Ironie: Kleist nutzt ironische Wendungen, um die gesellschaftlichen Normen und die Doppelmoral der Zeit zu kritisieren.
  • Symbolik: Bestimmte Elemente, wie die Zeitungsanzeige oder die Ohnmacht der Marquise, sind symbolisch für den Verlust der Kontrolle und die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit.
  • Kontraste: Die Geschichte ist reich an Kontrasten, insbesondere zwischen der äußeren Fassade der gesellschaftlichen Anständigkeit und den verborgenen moralischen Abgründen.

Ton und Atmosphäre

  • Ernst und Dramatik: Die Novelle ist durch einen ernsten und dramatischen Ton geprägt, der die tiefen moralischen und emotionalen Konflikte der Figuren unterstreicht.
  • Subtile Spannung: Die subtile Spannung wird durch die Ungewissheit und das Rätsel um die Schwangerschaft der Marquise aufrechterhalten, was den Leser in ständiger Erwartung hält.

Die Marquise von O…. – Interpretation

Themen und Motive

Ehre und Schande: Die zentrale Thematik der Novelle dreht sich um die Begriffe Ehre und Schande. Die Marquise von O…. sieht sich trotz ihrer Unschuld mit einer Schande konfrontiert, die ihre gesellschaftliche Stellung und ihren persönlichen Ruf gefährdet. Kleist untersucht, wie die Gesellschaft und die betroffenen Individuen auf den Verlust der Ehre reagieren und welche Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ehre ergriffen werden.

Ohnmacht und Kontrolle: Die Ohnmacht der Marquise symbolisiert den Verlust von Kontrolle und Autonomie über den eigenen Körper und das eigene Leben. Dieses Motiv zieht sich durch die gesamte Novelle und wird durch die Handlungen von Graf F…. und die Reaktionen der Familie verstärkt.

Wahrheit und Täuschung: Ein weiteres zentrales Motiv ist die Suche nach der Wahrheit. Die Marquise kämpft darum, die Wahrheit über ihre Schwangerschaft herauszufinden und sich von den falschen Anschuldigungen zu befreien. Gleichzeitig thematisiert die Novelle die Täuschungen und Verheimlichungen, die die Charaktere durchleben.

Vergebung und Versöhnung: Am Ende der Novelle steht die Möglichkeit der Vergebung und der Versöhnung im Raum. Trotz der schwerwiegenden Verfehlung von Graf F…. entscheidet sich die Marquise, ihm zu vergeben und ihm eine zweite Chance zu geben, was eine komplexe und menschliche Reaktion auf die schwierige Situation darstellt.

Gesellschaftskritik

Doppelmoral und Heuchelei: Heinrich von Kleist kritisiert in seiner Novelle die Doppelmoral und Heuchelei der damaligen Gesellschaft. Die strengen moralischen Normen und die Bedeutung der gesellschaftlichen Ehre stehen im Widerspruch zu den persönlichen und oft verborgenen Schwächen der Individuen. Die Tatsache, dass die Marquise trotz ihrer Unschuld verurteilt wird, zeigt die Ungerechtigkeit und die Starrheit dieser Normen.

Rolle der Frau: Die Novelle reflektiert auch über die Rolle der Frau in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Die Marquise, eine Frau von hohem moralischen Standard und sozialem Ansehen, wird in eine passive Rolle gedrängt, in der sie keine Kontrolle über ihr Schicksal hat. Erst durch ihren entschlossenen Kampf um die Wahrheit und ihre Ehre gewinnt sie einen Teil ihrer Autonomie zurück.

Psychologische Dimension

Innere Konflikte: Kleist zeichnet ein detailliertes Bild der inneren Konflikte der Figuren. Die Marquise durchlebt eine tiefe Identitätskrise, als sie mit der ungewollten Schwangerschaft konfrontiert wird. Ihr innerer Kampf zwischen Scham, Wut und dem Wunsch nach Klarheit und Gerechtigkeit wird eindrucksvoll dargestellt.

Reue und Sühne: Graf F…. durchlebt ebenfalls einen tiefen inneren Wandel. Seine Reue über seine Tat und der aufrichtige Wunsch nach Wiedergutmachung zeigen die Möglichkeit menschlicher Veränderung und das Potenzial zur Sühne.

Literarische Techniken

Ironie und Paradoxon: Kleist verwendet in der Novelle Ironie und paradoxe Situationen, um die Absurditäten und Widersprüche der gesellschaftlichen Normen aufzuzeigen. Die Tatsache, dass die Marquise trotz ihrer moralischen Integrität in eine solche Situation gerät, ist ein ironischer Kommentar auf die Willkürlichkeit und Härte gesellschaftlicher Urteile.

Symbolik: Verschiedene Elemente der Geschichte, wie die Zeitungsanzeige und die wiederholte Ohnmacht der Marquise, dienen als Symbole für größere Themen wie die Suche nach Wahrheit und die Machtlosigkeit gegenüber gesellschaftlichen Zwängen.

Die Marquise von O…. – Epoche und zeitgeschichtliche Einordnung

Epoche: Klassik und Romantik

„Die Marquise von O….“ wurde 1808 veröffentlicht und steht an der Schwelle zwischen zwei literarischen Epochen: der Klassik und der Romantik. Heinrich von Kleist ist schwer eindeutig einer Epoche zuzuordnen, da sein Werk Elemente beider Strömungen aufweist.

Merkmale der Klassik

Streben nach Harmonie und Ordnung: Die Klassik betont die harmonische Ordnung und den Ausgleich zwischen Vernunft und Emotion. In „Die Marquise von O….“ wird dieses Streben durch die Konfliktlösung am Ende der Novelle deutlich, als die Marquise und der Graf versuchen, trotz aller Widrigkeiten eine harmonische Zukunft zu gestalten.

Humanität und Moral: Ein zentraler Aspekt der Klassik ist das Ideal der Humanität und hohen moralischen Standards. Die Marquise verkörpert diese Ideale durch ihre Tugendhaftigkeit und ihren festen Glauben an das Gute und Gerechte, selbst in schwierigen Situationen.

Merkmale der Romantik

Subjektivität und Innerlichkeit: Die Romantik betont die subjektiven Erlebnisse und inneren Konflikte der Figuren. Kleist nutzt diese romantischen Elemente, um die psychologischen Tiefen der Marquise und des Grafen zu erkunden. Ihre inneren Kämpfe und emotionalen Entwicklungen stehen im Vordergrund der Erzählung.

Natur und das Übernatürliche: Während die Natur in „Die Marquise von O….“ keine dominierende Rolle spielt, spiegelt die mysteriöse Schwangerschaft ein Element des Übernatürlichen wider, das die Grenzen des Rationalen überschreitet und die romantische Faszination für das Unbekannte und Unerklärliche reflektiert.

Kritik an gesellschaftlichen Normen: Die Romantik hinterfragt oft die starren gesellschaftlichen Normen und Konventionen. Kleist kritisiert die moralische Starrheit und Heuchelei der Gesellschaft seiner Zeit, was ein stark romantisches Element darstellt.

Zeitgeschichtlicher Kontext

Politische Umbrüche: Die Novelle entstand in einer Zeit großer politischer Umwälzungen in Europa, insbesondere durch die Napoleonischen Kriege. Die Unsicherheiten und gesellschaftlichen Veränderungen dieser Epoche spiegeln sich in der instabilen Situation und den persönlichen Krisen der Figuren wider.

Gesellschaftliche Normen und Moral: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren gesellschaftliche Normen und moralische Werte sehr rigide. Die Bedeutung von Ehre, besonders für Frauen, war enorm, und die gesellschaftliche Verurteilung bei moralischen Verfehlungen war hart. Kleists Werk reflektiert diese strengen Normen und zeigt die persönlichen Tragödien, die aus ihrer Befolgung und Verletzung resultieren.

Rolle der Frau: In der Zeit, in der „Die Marquise von O….“ entstand, waren Frauen oft in eine passive Rolle gedrängt und hatten wenig Kontrolle über ihr eigenes Leben und ihren Körper. Die Marquise von O…. steht stellvertretend für diese Unterdrückung, kämpft jedoch gegen ihre Ohnmacht an und versucht, ihre eigene Identität und Autonomie wiederzuerlangen.

Die Marquise von O…. – Rezeptionsgeschichte

Zeitgenössische Rezeption

Erstausgabe und zeitgenössische Kritiken: „Die Marquise von O….“ wurde erstmals 1808 in der von Heinrich von Kleist und Adam Müller herausgegebenen Literaturzeitschrift „Phöbus“ veröffentlicht. Die zeitgenössische Rezeption war zurückhaltend. Viele Leser und Kritiker der damaligen Zeit fanden Kleists Schreibstil und die Themenwahl herausfordernd und ungewöhnlich. Die Novelle wurde nicht sofort als Meisterwerk anerkannt und blieb weitgehend unbeachtet.

19. Jahrhundert

Langsame Anerkennung: Im Verlauf des 19. Jahrhunderts begann sich die literarische Kritik allmählich mit Kleists Werk auseinanderzusetzen. Seine Novellen, darunter „Die Marquise von O….“, wurden zunehmend als bedeutende Beiträge zur deutschen Literatur anerkannt. Kritiker erkannten die psychologische Tiefe und die innovative Erzähltechnik von Kleist.

Einfluss auf andere Schriftsteller: Kleist beeinflusste spätere Schriftsteller, insbesondere solche, die sich mit den dunkleren und komplexeren Aspekten des menschlichen Daseins auseinandersetzten. Autoren wie Franz Kafka und Thomas Mann schätzten Kleists Fähigkeit, innere Konflikte und gesellschaftliche Kritik in seinen Werken darzustellen.

20. Jahrhundert

Wiederentdeckung und Wertschätzung: Im 20. Jahrhundert erfuhr Kleist eine umfassende Wiederentdeckung. „Die Marquise von O….“ wurde zunehmend in literarischen Kreisen diskutiert und analysiert. Der Fokus lag auf der psychologischen Komplexität der Figuren, der Erzählstruktur und der gesellschaftlichen Kritik.

Theater und Filmadaptionen: Die Novelle wurde mehrfach für das Theater adaptiert und 1976 von Éric Rohmer erfolgreich verfilmt.  Rohmers Film betonte die subtilen psychologischen Nuancen und die gesellschaftlichen Zwänge, die Kleist in seiner Novelle thematisierte.

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Die Marquise von O…. – Autor Heinrich von Kleist

Biografie

Geburt und Jugend: Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 in Frankfurt (Oder) geboren. Er entstammte einer preußischen Offiziersfamilie und verlor früh seine Eltern. Kleist wurde von seinem Vormund erzogen und trat 1792 in das Garderegiment zu Potsdam ein.

Studium und literarische Anfänge: Nach seinem Austritt aus dem Militär 1799 studierte Kleist in Frankfurt (Oder) und später in Berlin. Er begann, sich intensiv mit Literatur und Philosophie auseinanderzusetzen. Seine ersten literarischen Versuche entstanden in dieser Zeit.

Schaffenszeit: Kleist lebte und arbeitete in verschiedenen Städten, darunter Paris, Dresden und Berlin. Sein literarisches Werk umfasst Dramen, Erzählungen und Gedichte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen neben „Die Marquise von O….“ auch „Der zerbrochne Krug“, „Michael Kohlhaas“ und „Das Käthchen von Heilbronn“.

Späte Jahre und Tod: Kleist kämpfte zeitlebens mit finanziellen Schwierigkeiten und persönlichen Krisen. Am 21. November 1811 beging er zusammen mit Henriette Vogel am Wannsee in Berlin Suizid. Sein tragisches Leben und seine einzigartige literarische Stimme machten ihn zu einer der faszinierendsten Figuren der deutschen Literaturgeschichte.

Literarisches Schaffen

Stil und Themen: Kleist war ein Meister der Novelle und des Dramas. Sein Stil ist geprägt von komplexen Satzstrukturen, tiefgehenden psychologischen Einblicken und einer intensiven Auseinandersetzung mit moralischen und gesellschaftlichen Fragen. Häufige Themen in seinen Werken sind Ehre, Gerechtigkeit, die Abgründe menschlicher Natur und die Konflikte zwischen Individuum und Gesellschaft.

Einfluss und Vermächtnis: Kleists Werke haben einen nachhaltigen Einfluss auf die deutsche Literatur und wurden von späteren Autoren wie Franz Kafka und Thomas Mann hochgeschätzt. Seine Fähigkeit, tiefgreifende menschliche und gesellschaftliche Konflikte darzustellen, macht ihn zu einem zeitlosen Autor.

Die Marquise von O…. – Die häufigsten Fragen

Worum geht es in „Die Marquise von O….“?

Die Novelle handelt von der Marquise von O…, die ungewollt schwanger wird und versucht, den Vater ihres ungeborenen Kindes zu finden. Die Geschichte thematisiert Ehre, Schande und die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit.

Warum wird die Marquise von O…. schwanger, ohne es zu wissen?

Die Marquise wird während einer Ohnmacht von Graf F…. missbraucht, ohne dass sie davon weiß. Diese Tat und das Unwissen über die Schwangerschaft bilden den zentralen Konflikt der Novelle.

Was ist die Bedeutung der Zeitungsanzeige in der Novelle?

Die Zeitungsanzeige symbolisiert die Verzweiflung und den Mut der Marquise, die Wahrheit herauszufinden. Sie setzt damit ein starkes Zeichen gegen die gesellschaftlichen Normen ihrer Zeit und zeigt ihre Entschlossenheit, ihre Ehre zu retten.

Wie reagiert die Familie der Marquise auf die Enthüllung der Schwangerschaft?

Die Familie der Marquise ist zunächst schockiert und empört über die Schwangerschaft. Nachdem jedoch die Wahrheit über den Missbrauch durch Graf F…. ans Licht kommt, schwanken ihre Gefühle zwischen Empörung, Enttäuschung und dem Bedürfnis nach einer pragmatischen Lösung.

Warum entscheidet sich die Marquise, Graf F…. zu heiraten?

Trotz des Missbrauchs entscheidet sich die Marquise, Graf F…. zu heiraten, weil sie seine Reue und seinen Wunsch nach Wiedergutmachung erkennt. Diese Entscheidung spiegelt die Komplexität menschlicher Vergebung und die Suche nach einem Neuanfang wider.

Welche gesellschaftliche Kritik übt Heinrich von Kleist in der Novelle?

Kleist kritisiert die strengen und oft heuchlerischen moralischen Normen der damaligen Gesellschaft. Er zeigt auf, wie diese Normen die Individuen unter Druck setzen und zu persönlichen Tragödien führen können. Besonders die rigiden Geschlechterrollen und die Bedeutung von Ehre werden hinterfragt.

In welcher literarischen Epoche ist „Die Marquise von O….“ einzuordnen?

„Die Marquise von O….“ steht an der Schwelle zwischen Klassik und Romantik. Das Werk weist Elemente beider Epochen auf, darunter das Streben nach Harmonie und Ordnung der Klassik sowie die Betonung von Subjektivität und Innerlichkeit der Romantik.

Welche Rolle spielt die Psychologie in der Novelle?

Die Novelle bietet tiefgehende psychologische Einblicke in die inneren Konflikte der Figuren. Kleist untersucht die emotionalen und moralischen Dilemmata der Marquise und des Grafen, was der Geschichte eine große psychologische Tiefe verleiht.

Was macht die Erzählweise von Kleist in dieser Novelle einzigartig?

Kleist verwendet eine auktoriale Erzählperspektive, die es ihm ermöglicht, umfassende Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Charaktere zu geben. Seine komplexen Satzstrukturen und die Mischung aus direkter Rede und inneren Monologen schaffen eine dichte und eindringliche Erzählatmosphäre.

Die Marquise von O…. – Buch

Heinrich Von Kleist - Die Marquise von O....Erstdruck in: Phöbus (Dresden) 1. Jg., 1808.
Entstanden um 1807.

ISBN: 3965420593
EAN: 9783965420595
Paperback. 36 Seiten

Neuausgabe, 1. Auflage, Göttingen 2018.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 18. Mai 2024