Fjodor Dostojewski - Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett

Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett

Fjodor Dostojewskis „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“ ist eine komische Erzählung über Eifersucht, Misstrauen und Selbsttäuschung.

Im Mittelpunkt steht Iwan Andrejewitsch, ein gesellschaftlich angesehener Mann, der seine Frau Glafira Petrowna der Untreue verdächtigt.

Statt sie offen zur Rede zu stellen, verfolgt er ihre Wege durch Petersburg und verwickelt sich dabei immer tiefer in Ausflüchte, Missverständnisse und peinliche Situationen.

Im ersten Kapitel trifft er auf den jungen Tworogow, der ebenfalls einer Frau nachspioniert. Bald zeigt sich, dass beide Männer auf Glafira warten. Doch sie versteht es geschickt, ihre Begegnungen mit Tworogow und Bobynizyn als harmlose Zufälle erscheinen zu lassen.

Am folgenden Abend steigert sich Iwans Eifersucht weiter. Ein zufällig in der Oper gefundenes Liebesbriefchen führt ihn zu einem vermeintlichen Rendezvous. Dabei gerät er in die falsche Wohnung und versteckt sich unter einem Bett – wo bereits ein anderer Mann liegt. Aus der Suche nach einem Beweis für die Untreue seiner Frau wird eine immer groteskere Folge von Verwechslungen, Demütigungen und Missgeschicken. Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis, wie sehr blinde Eifersucht den Blick auf die Wirklichkeit verzerren kann.

Bild: Edvard Munch „Eifersucht“, 1895

Zusammenfassung von „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“

Kapitel I

An einem Abend in Petersburg begegnet der junge Tworogow einem sichtbar aufgeregten älteren Herrn, der vor einem Haus auf und ab geht und nach einer Frau sucht. Nach mehreren ausweichenden Erklärungen behauptet der Fremde zunächst, lediglich im Auftrag eines betrogenen Ehemanns zu handeln:

„Ich tue das gar nicht für mich; glauben Sie das ja nicht … es handelt sich um eine mir fremde Frau!“

Kapitel I, S. 7 der LIWI-Ausgabe.

Bald zeigt sich jedoch, dass der Mann selbst der eifersüchtige Ehemann ist. Auch Tworogow wartet auf eine Frau. Als beide feststellen, dass ihre Verdächtigungen auf dieselbe Person zulaufen, betreten sie gemeinsam das Haus und suchen die Wohnung des jungen Bobynizyn auf.

Schließlich erscheint Glafira Petrowna. Tworogow erkennt sie als die Frau, auf die er gewartet hat, während der ältere Herr sich als ihr Ehemann Iwan Andrejewitsch erweist. Glafira behält die Kontrolle über die Situation: Sie erklärt Tworogow kurzerhand zu einem Bekannten, präsentiert Bobynizyn als zufällige Begegnung und liefert ihrem Mann eine scheinbar plausible Erklärung für ihren Aufenthalt vor dem Haus.

„Herr Tworogow, ein Bekannter von mir; wir haben auf dem Balle bei Skorlupows das Vergnügen gehabt, uns kennen zu lernen; ich habe dir, glaube ich, davon gesagt.“

Kapitel I, S. 18 der LIWI-Ausgabe.

Iwan Andrejewitsch bleibt verwirrt zurück, ohne einen eindeutigen Beweis für die vermutete Untreue seiner Frau gefunden zu haben.

Kapitel II

Am folgenden Abend sucht Iwan Andrejewitsch seine Frau in der Italienischen Oper. Dort entdeckt er Glafira in einer Loge und beobachtet misstrauisch die Männer in ihrer Umgebung. Von der Aufführung bekommt er kaum etwas mit:

„Der Grund war sehr einfach: Eifersucht.“

Kapitel II, S. 22 der LIWI-Ausgabe.

Als ihm zufällig ein parfümiertes Liebesbriefchen auf den Kopf fällt, hält er es sofort für einen Beweis. Der Brief nennt Zeit und Ort eines Rendezvous. Iwan eilt zu der angegebenen Adresse, gerät jedoch in die falsche Wohnung und versteckt sich vor dem heimkehrenden Ehemann unter einem Bett. Dort liegt bereits ein anderer junger Mann. Die beiden müssen auf engstem Raum ausharren, während über ihnen das Ehepaar spricht.

Die Situation wird immer grotesker. Der junge Mann wirft Iwan vor, seine eigene Eifersucht habe ihn überhaupt erst in diese Lage gebracht. Als schließlich das Schoßhündchen Ami die beiden Männer entdeckt, erwürgt Iwan das Tier in Panik. Der andere Mann kann fliehen, Iwan wird dagegen unter dem Bett hervorgezogen und versucht verzweifelt, seine Anwesenheit zu erklären.

Zu Hause wartet Glafira bereits auf ihn. Als Iwan nach seinem Taschentuch greift, fällt der tote Hund aus seiner Tasche. In seiner Aufregung hatte er Ami unbemerkt eingesteckt. Die Erzählung endet mit einem ausdrücklichen Kommentar über die zerstörerische Wirkung der Eifersucht:

„Aber Sie müssen selbst zugeben, daß die Eifersucht eine unverzeihliche Leidenschaft, ja mehr als das: daß sie geradezu ein Unglück ist! …“

Kapitel II, S. 47 der LIWI-Ausgabe.

Zitate aus „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“

„Aber die Leidenschaft ist exklusiv, und die Eifersucht ist die exklusivste Leidenschaft auf der Welt.“

Kapitel II, S. 24 der LIWI-Ausgabe.

„Na, da hat er nun sein glückliches Familienleben! Früher hat er selbst Ehemänner betrogen; aber jetzt ist es an ihm, den Kelch zu trinken …“

Kapitel I, S. 16 der LIWI-Ausgabe.

„Ja, niedriger kann man nicht liegen.“

Kapitel II, S. 28 der LIWI-Ausgabe.

„Sie sind eifersüchtig. Auf Grund Gott weiß welcher Unterlagen für Ihren Verdacht rennen Sie wie ein Verrückter umher, dringen in eine fremde Wohnung ein, rufen eine Skandalszene hervor …“

Kapitel II, S. 37–38 der LIWI-Ausgabe.

„Sie sehen hier auf der Bühne einen eifersüchtigen Ehemann. Sie sehen, ich erniedrige mich, ich erniedrige mich selbst freiwillig.“

Kapitel II, S. 42 der LIWI-Ausgabe.

„Aber Sie müssen selbst zugeben, daß die Eifersucht eine unverzeihliche Leidenschaft, ja mehr als das: daß sie geradezu ein Unglück ist! …“

Kapitel II, S. 47 der LIWI-Ausgabe.

Textgrundlage: Fjodor Dostojewski: Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett. Ein ungewöhnliches Begebnis. Übersetzt von Hermann Röhl. Durchgesehener Neusatz nach Sämtliche Romane und Novellen, Insel-Verlag, Leipzig 1921/23. LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag, Göttingen 2024, ISBN 978-3-96542-843-0.

Figurenkonstellation

Entstehung und Veröffentlichung

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Die Erzählung „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“ entstand nicht in einem Zug, sondern geht auf zwei ursprünglich selbständige Texte Dostojewskis zurück. Im Januar 1848 erschien zunächst „Die fremde Frau. Eine Straßenszene“. Im November desselben Jahres folgte „Der eifersüchtige Ehemann. Ein ungewöhnliches Begebnis“. Beide Texte bildeten später die Grundlage der heute bekannten Erzählung.

Als Dostojewski 1859 eine neue Ausgabe seiner Werke vorbereitete, verband und überarbeitete er die beiden Texte. Dabei wurde der erste Teil weitgehend übernommen, während der zweite stärker gekürzt und umgearbeitet wurde. Die zusammengeführte Fassung erschien 1860 unter dem Titel „Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett“.

Die Entstehungsgeschichte erklärt zugleich den deutlich zweiteiligen Aufbau der Erzählung: Kapitel I entwickelt sich vor allem als Straßenszene um die vermeintlich „fremde Frau“, während Kapitel II die Geschichte des eifersüchtigen Ehemanns und die berühmte Szene unter dem Bett entfaltet.

Quellen

Ausgabe

Fjodor Dostojewski: Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett. Ein ungewöhnliches Begebnis.
Übersetzt von Hermann Röhl.
Der Text dieser Ausgabe folgt Sämtliche Romane und Novellen, Insel-Verlag, Leipzig 1921/23.
Durchgesehener Neusatz. Vollständige Neuausgabe, Göttingen 2024.

ISBN: 978-3-96542-843-0
Erschienen: Oktober 2024
Umfang: 48 Seiten

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Verlag. Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.

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