Fjodor Dostojewski - Der Jüngling. Vollständige Neuausgabe

Der Jüngling. Vollständige Neuausgabe.

„Ich brauche das Geld nicht, oder, richtiger gesagt, ich brauche nicht das Geld und nicht einmal die Macht, sondern nur das, was man durch die Macht erlangt und was man ohne Macht auf keine Weise erlangen kann: das ist ein einsames, ruhiges Kraftbewußtsein! Das ist die erschöpfendste Definition der Freiheit, diese Definition, mit der sich die Welt so herumschlägt! Freiheit! Endlich habe ich dieses große Wort hingeschrieben …“.

Dostojewskis bedeutender Roman „Der Jüngling“ erschien erstmals 1875 und wird heute zu seinen „fünf großen Romanen“ gezählt. Das Buch erschien auch unter den Titeln „Ein grüner Junge“, „Junger Nachwuchs“, „Werdejahre“ oder „Ein Werdender“.

Hier wird der zeitlose Klassiker ungekürzt in der vielgelesenen Übersetzung von Hermann Röhl frisch aufgelegt.

Zusammenfassung / Inhaltsangabe

„Der Jüngling“, auch bekannt unter dem Titel „Der Knabe“ oder „Ein grüner Junge“, ist ein weniger bekanntes, aber dennoch bedeutendes Werk von Fjodor Michailowitsch Dostojewski.

Der Roman erzählt die Geschichte von Arkadij Makarowitsch Dolgorukij, einem jungen Mann, der aus der Provinz nach Sankt Petersburg kommt, um seinen leiblichen Vater, den reichen Aristokraten Andrei Petrowitsch Wersilow, zu suchen und seinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Arkadij, der aus der Liaison Wersilows mit einer einfachen Frau geboren wurde, ringt mit seiner Identität, seinen Gefühlen und dem Wunsch nach Anerkennung und Liebe von seinem Vater.

Die Handlung entwickelt sich vor dem Hintergrund von Arkadijs Begegnungen mit verschiedenen Figuren der Petersburger Gesellschaft, die alle ihre eigenen Ideale, Leidenschaften und Geheimnisse haben.

Zentral für den Roman sind die Themen der Vaterschaft, des Erwachsenwerdens und der moralischen und ideologischen Konflikte, die Arkadij auf seinem Weg zur Selbstfindung durchlebt.

Analyse und Interpretation

„Der Jüngling“ bietet eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Themen Identität, soziale Zugehörigkeit und die Suche nach einem eigenen Lebensweg.

Dostojewski untersucht die psychologische Entwicklung Arkadijs vor dem Hintergrund der komplexen sozialen Dynamiken des 19. Jahrhunderts in Russland.

Der Konflikt zwischen den Generationen und die Frage nach der Möglichkeit echter moralischer und geistiger Erneuerung spielen eine zentrale Rolle im Roman.

Arkadijs Ringen um Anerkennung und Liebe von seinem Vater symbolisiert die Suche nach einer verlorenen moralischen Autorität in einer zunehmend materialistischen und entfremdeten Gesellschaft.

Durch Arkadijs Geschichte beleuchtet Dostojewski die Bedeutung von persönlicher Integrität und die Schwierigkeit, authentische menschliche Beziehungen in einer von Egoismus und Oberflächlichkeit geprägten Welt zu pflegen.

Sprache und Stil

Dostojewskis Sprache in „Der Jüngling“ zeichnet sich durch ihre emotionale Intensität und psychologische Tiefe aus.

Der Roman ist reich an inneren Monologen und reflexiven Passagen, die Einblick in Arkadijs Gedankenwelt und seine innere Zerrissenheit geben.

Die Übersetzung von Hermann Röhl wird für ihre Fähigkeit gelobt, die subtilen Nuancen und die Komplexität von Dostojewskis Prosa ins Deutsche zu übertragen.

Dostojewski verwendet einen vielschichtigen Erzählstil, der es ihm ermöglicht, die sozialen und psychologischen Dimensionen seiner Charaktere und der sie umgebenden Gesellschaft zu erforschen.

Die Dialoge im Roman sind lebhaft und enthüllen oft die tieferen Motivationen und Konflikte der Figuren, was „Der Jüngling“ zu einem eindrucksvollen Studium menschlicher Beziehungen und moralischer Dilemmata macht.

In „Der Jüngling“ zeigt sich Dostojewskis meisterhafte Fähigkeit, komplexe ethische Fragen und menschliche Emotionen in einer tiefgründigen literarischen Form zu verweben, was den Roman zu einem wichtigen Beitrag des literarischen Kanons macht.

Wichtige Figuren

Arkadij Makarowitsch Dolgorukij, der Protagonist, ist ein junger Mann, der nach Identität und Zugehörigkeit sucht und dabei mit den moralischen und sozialen Herausforderungen seiner Zeit ringt.

Andrei Petrowitsch Wersilow, Arkadijs Vater, ist eine komplexe Figur, die sowohl Bewunderung als auch Ablehnung hervorruft; seine Beziehung zu Arkadij steht im Zentrum des Romans.

Katerina Nikolajewna Achmakowa, eine junge Witwe, wird zur zentralen weiblichen Figur im Leben von Arkadij und Wersilow und spielt eine entscheidende Rolle in Arkadijs emotionalem und moralischem Wachstum.

Lambros Wassin, ein Freund der Familie und intellektueller Mentor für Arkadij, repräsentiert die idealistischen und philosophischen Strömungen der Zeit.

Lisaweta Makarowna, Arkadijs Halbschwester, symbolisiert Unschuld und Reinheit, steht aber gleichzeitig für die Herausforderungen und Beschränkungen, die Frauen in der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts gegenüberstanden.

Diese Figuren und ihre Beziehungen zueinander bilden das Gerüst für Dostojewskis Erkundungen von Themen wie Identität, Moral und die Suche nach einem authentischen Leben.

Epoche und historischer Hintergrund

„Der Jüngling“ wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verfasst, einer Zeit großer sozialer und politischer Veränderungen in Russland.

Diese Periode war geprägt von einer wachsenden Unzufriedenheit mit der autokratischen Regierung, einer Zunahme revolutionärer Aktivitäten und tiefgreifenden sozialen Umwälzungen.

Dostojewski selbst war tief verwurzelt in den intellektuellen und kulturellen Debatten seiner Zeit und nutzte seine Werke, um die Spannungen zwischen traditionellen Werten und den aufkommenden radikalen Ideologien zu erforschen.

Der Roman spiegelt die Suche nach moralischer und sozialer Orientierung in einer Zeit wider, in der alte Strukturen in Frage gestellt wurden und neue Ideen um die Vorherrschaft kämpften.

Die Charaktere in „Der Jüngling“ verkörpern verschiedene Antworten auf die Herausforderungen dieser Umbruchszeit, wodurch der Roman zu einem lebendigen Zeugnis der geistigen Landschaft des späten 19. Jahrhunderts wird.

Häufige Fragen und Antworten

Was ist die Hauptbotschaft von „Der Jüngling“?

Die Hauptbotschaft des Romans ist die Bedeutung der persönlichen Integrität und der moralischen Verantwortung in einer Zeit des sozialen und ideologischen Wandels.

Wie wurde „Der Jüngling“ kritisch aufgenommen?

Die kritische Aufnahme von „Der Jüngling“ war gemischt. Einige Kritiker lobten Dostojewskis tiefgründige Charakterstudien und seine Auseinandersetzung mit komplexen moralischen Fragen, während andere den Roman für seine vermeintliche Strukturlosigkeit und übermäßige Psychologisierung kritisierten.

Warum ist „Der Jüngling“ weniger bekannt als andere Werke Dostojewskis?

Obwohl „Der Jüngling“ viele der charakteristischen Themen und den psychologischen Tiefgang von Dostojewskis bekannteren Werken aufweist, wird es oft als weniger zugänglich angesehen, möglicherweise wegen seiner dichten Erzählstruktur und der subtilen Entwicklung seiner Hauptthemen.

Hat „Der Jüngling“ heute noch Relevanz?

Ja, „Der Jüngling“ bleibt relevant, da seine Erkundungen der menschlichen Natur, der moralischen Entscheidungsfindung und der Suche nach Authentizität Fragen ansprechen, die auch in der modernen Welt von Bedeutung sind.

Buchausgabe

Fjodor Michailowitsch Dostojewski.
Der Jüngling.
Übersetzt von Hermann Röhl.
Erstdruck des Originals: „Podrostok“ in Fortsetzungen in der Zeitschrift Otetschestwennyje Sapiski, St. Petersburg, 1875.
Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt: Aufbau Verlag, Leipzig 1971.

Vollständige Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2021.

EAN: 9783965424135
ISBN: 3965424130
Paperback.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag
Januar 2021 – 560 Seiten

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 25. März 2024