Die Welt von Gestern - Stefan Zweig

Sterben

Mit der Todesnachricht für den jungen Protagonisten Felix „stirbt“ auch die Liebe zwischen ihm und Marie, seiner Geliebten.

Wie durch ein Brennglas betrachtet führt Schnitzler den Leser meisterlich an die Beziehung der beiden in dieser Extremsituation heran und begründete mit dieser Novelle seinen Ruhm als Erzähler.

Erstmals veröffentlicht in: Neue Deutsche Rundschau, V. Jahrgang, 10. Bis. 12. Heft, Oktober-Dezember 1894.

Arthur Schnitzler.
Sterben.
Neuausgabe, 1. Auflage, Göttingen 2018.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

ISBN: 3965420836
EAN: 9783965420830
Paperback.  68 Seiten

Zusammenfassung / Inhaltsangabe

Arthur Schnitzler Buch ZusammenfassungArthur Schnitzlers Novelle „Sterben“ aus dem Jahr 1895 ist eine ergreifende Erzählung über die Konfrontation mit dem Tod und die psychologischen Auswirkungen, die diese Erfahrung auf die Beziehungen der Betroffenen hat.

Die Geschichte folgt Felix, einem jungen Mann, der mit der niederschmetternden Diagnose konfrontiert wird, dass er an einer unheilbaren Krankheit leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Diese Diagnose stürzt Felix in eine tiefe existentielle Krise, in der er mit Todesangst, Verzweiflung und dem Bedürfnis nach emotionaler Nähe ringt.

An seiner Seite ist Marie, seine Geliebte, die sich bemüht, ihm in dieser schwierigen Zeit Beistand und Trost zu bieten. Maries Liebe und Hingabe werden jedoch auf eine harte Probe gestellt, da Felix‘ Angst vor dem Alleinsein und seinem eigenen Sterbeprozess zunehmend Besitz von ihm ergreift.

Im Laufe der Erzählung offenbaren sich die tiefen Risse in ihrer Beziehung, die durch die Last der Krankheit und die unterschiedlichen Weisen, wie jeder von ihnen mit der Realität des Sterbens umgeht, verursacht werden. Felix wird zunehmend verbittert und egozentrisch, während Marie, obwohl sie unter der emotionalen Belastung leidet, versucht, eine Stütze für beide zu sein.

Der zentrale Konflikt der Novelle erreicht seinen Höhepunkt, als Felix von Marie verlangt, dass sie ihm ein Versprechen gibt: mit ihm zusammen zu sterben, wenn seine Zeit gekommen ist. Dieser verzweifelte Wunsch stellt nicht nur ihre Liebe, sondern auch Maries moralische Überzeugungen und ihren Lebenswillen auf die Probe.

Die tragische Entscheidung, vor die sich Marie gestellt sieht, und die unlösbare Zerrissenheit zwischen der Loyalität zu Felix und ihrem eigenen Instinkt zum Überleben, bilden das emotionale Herzstück der Novelle.

„Sterben“ ist eine tiefgründige Untersuchung der dunklen Schatten, die der Tod auf das Leben der Lebenden wirft, und der zerstörerischen Kraft, die eine solche Krise auf zwischenmenschliche Beziehungen haben kann. Schnitzler gelingt es meisterhaft, die Komplexität und Ambivalenz menschlicher Emotionen in Extremsituationen darzustellen, und hinterlässt beim Leser nachhaltige Fragen nach dem Wert des Lebens und der Bedeutung der Liebe im Angesicht des unausweichlichen Todes.

Analyse von Aufbau, Sprache und Stil

Der Aufbau von „Sterben“ ist linear und konzentriert sich auf die psychologische Entwicklung der Charaktere im Angesicht des Todes.

Die Sprache Schnitzlers ist präzise und einfühlsam, fähig, die subtilen emotionalen Nuancen und inneren Konflikte der Charaktere einzufangen. Sein Stil reflektiert die Komplexität der menschlichen Psyche und die Tiefe der menschlichen Gefühle.

Dialoge zwischen Felix und Marie sind von entscheidender Bedeutung und offenbaren die dynamische und oft gespannte Natur ihrer Beziehung, während sie sich mit dem Konzept des Sterbens auseinandersetzen.

Interpretation

„Sterben“ ist eine tiefgründige Reflexion über Liebe, Tod und die Einsamkeit, die mit dem Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit einhergeht.

Die Novelle thematisiert die Isolation, die durch die Unausweichlichkeit des Todes entsteht, und stellt Fragen nach der Möglichkeit von Mitgefühl und gemeinsamer menschlicher Erfahrung in den extremsten Momenten des Lebens.

Felix‘ Wunsch, dass Marie mit ihm stirbt, wirft komplexe ethische und emotionale Fragen auf über die Grenzen der Liebe und die Verantwortung gegenüber dem Leben.

Schnitzlers Werk ist somit nicht nur eine Erkundung des Sterbens als physisches Ende, sondern auch als metaphysische und existenzielle Herausforderung, die tiefe Spuren im menschlichen Bewusstsein und in zwischenmenschlichen Beziehungen hinterlässt.

Wichtige Figuren

Felix

Felix ist der zentrale Charakter der Novelle, ein junger Mann, der mit der unheilbaren Krankheit konfrontiert wird. Seine Reaktion auf die Krankheit – Verzweiflung, Angst vor dem Tod und die Besessenheit von der Idee, dass Marie mit ihm sterben soll – macht ihn zu einer komplexen Figur, die sowohl Mitleid als auch Frustration beim Leser auslöst.

Marie

Marie ist Felix‘ Geliebte, die durch ihre Hingabe und Versuche, Felix in seinen letzten Monaten zu unterstützen, gekennzeichnet ist. Ihre innere Stärke und moralische Zerrissenheit im Angesicht von Felix‘ Forderung stellen sie als eine tief empathische und zugleich gequälte Seele dar.

Literarische Epoche und historischer Hintergrund

„Sterben“ wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert veröffentlicht, eine Zeit, die geprägt war von tiefgreifenden sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Veränderungen.

Diese Periode ist Teil der Wiener Moderne, einer literarischen Bewegung, die sich durch eine intensive Auseinandersetzung mit inneren Konflikten, psychologischen Zuständen und gesellschaftlichen Tabus auszeichnet.

Die Novelle reflektiert die existenziellen Fragen und die Ambivalenz gegenüber dem Tod, die in dieser Epoche verstärkt in den Fokus der literarischen Welt rückten, und spiegelt die Komplexität des menschlichen Bewusstseins und der menschlichen Beziehungen wider.

Häufige Fragen und Antworten

Was ist das zentrale Thema in „Sterben“?

Das zentrale Thema in „Sterben“ ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit und wie diese das menschliche Verhalten und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflusst. Schnitzler erforscht die psychologischen und emotionalen Auswirkungen, die die Konfrontation mit dem Tod auf Individuen und ihre Beziehungen hat.

Warum war „Sterben“ umstritten?

Bei seiner Veröffentlichung war „Sterben“ umstritten, weil es offen sexuelle Beziehungen und tiefgehende psychologische Themen behandelte, die zu jener Zeit als gesellschaftliche Tabus galten. Die direkte Konfrontation mit dem Tod und die düsteren menschlichen Reaktionen darauf wurden von Teilen der Gesellschaft als provokativ und unangemessen empfunden.

Wie wurde „Sterben“ von der Kritik aufgenommen?

Die Kritik an „Sterben“ war gemischt. Während einige Schnitzlers Fähigkeit lobten, psychologische Tiefe und nuancierte Charakterstudien zu präsentieren, kritisierten andere den als pessimistisch empfundenen Blick auf das Leben und die Liebe. Über die Jahre hat sich „Sterben“ jedoch als ein literarisches Meisterwerk etabliert, das für seine tiefgründige Erkundung menschlicher Emotionen und Zustände anerkannt wird.

Warum ist „Sterben“ auch heute noch relevant?

„Sterben“ bleibt relevant, da es universelle Fragen über die Natur des Lebens und des Todes stellt, die über zeitliche und kulturelle Grenzen hinweg Resonanz finden. Die Novelle fordert Leserinnen und Leser dazu auf, über die Bedeutung von Liebe und Hingabe im Angesicht der ultimativen Trennung nachzudenken und regt zu einer Reflexion über eigene Lebenswerte und den Umgang mit Sterblichkeit an.

Literatur und Links

  • Arthur Schnitzler. Hg. v. Heinz Ludwig Arnold. text + kritik. Heft 138/139, April 1998, 174 Seiten
  • Andreas Blödorn: Arthur Schnitzler: „Sterben“ (1894). In: Christoph Jürgensen/Wolfgang Lukas/Michael Scheffel (Hrsg.): Schnitzler-Handbuch: Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart/Weimar: Metzler 2014
  • Seite „Sterben (Novelle)“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 14. März 2024, 10:21 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Sterben_(Novelle)&oldid=243099637 (Abgerufen: 26. März 2024)

Buchausgabe

Erstmals veröffentlicht in: Neue Deutsche Rundschau, V. Jahrgang, 10. Bis. 12. Heft, Oktober-Dezember 1894.

Arthur Schnitzler.
Sterben.
Neuausgabe, 1. Auflage, Göttingen 2018.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

ISBN: 3965420836
EAN: 9783965420830
Paperback.  68 Seiten

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 26. März 2024