Heinrich Heine - Deutschland. Ein Wintermärchen

Deutschland. Ein Wintermärchen

„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.“

Deutschland. Ein Wintermärchen“ zählt zu den berühmtesten Versepen in deutscher Sprache. Erstmals veröffentlicht 1844 wurde es im selben Jahr bereits verboten. Heute gilt es als Höhepunkt der politischen Dichtung des Vormärz und wird hier in einer ungekürzten Neuausgabe frisch aufgelegt.

Heinrich Heine.
Deutschland. Ein Wintermärchen.
Erstdruck: Hoffmann und Campe, Hamburg 1844.
Durchgesehener Neusatz, diese Ausgabe folgt: Reclam Verlag, Leipzig 1974.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2020.

LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

Leseprobe:

Im traurigen Monat November war’s,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew’gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

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