Die Welt von Gestern - Stefan Zweig

Die Fahrt zum Leuchtturm

„Gab es keine Sicherheit? Lernte man es nie, sich in der Welt blindlings zurechtzufinden? Gab es nichts, was einen leitete, nichts, was Zuflucht gewährte, war alles nur Wunder und so, als würde man von der Zinne eines Turmes in die Luft springen? War es möglich, daß selbst für ältere Menschen das Leben so war – überraschend, unerwartet, unbekannt? Einen Herzschlag lang glaubte sie, wenn wir beide jetzt aufbegehren, hier, auf dem Rasen, und eine Erklärung verlangen, weshalb es so kurz, weshalb es so unausdeutbar wäre, wenn wir sie mit Nachdruck fordern, in der Sprache, wie zwei reife und fertige menschliche Wesen, vor denen nichts verborgen gehalten werden sollte, sie führen dürfen, so würde die Schönheit sich entfalten, der Raum sich füllen, das nichtige Schnörkelwerk Gestalt annehmen (…)“.

„Die Fahrt zum Leuchtturm“ ist Virginia Woolfs meistverkaufter Roman und zählt zu den „100 bedeutendsten britischen Romanen“ (BBC-Umfrage von 2015) sowie zu den „besten 100 englischsprachigen Romanen“ (Time Magazine 2005).

Zusammenfassung / Inhaltsangabe

Der Beginn: Das Fenster

Der Roman „Die Fahrt zum Leuchtturm“ beginnt mit dem Abschnitt „Das Fenster“, der die Familie Ramsay während ihres Urlaubs auf der Isle of Skye vorstellt.

Im Mittelpunkt steht Mrs. Ramsay, die matriarchalische Figur, die sich um das Wohl ihrer Familie und Gäste sorgt.

Die Veränderung: Zeit vergeht

Der zweite Teil, „Zeit vergeht“, markiert einen dramatischen Zeitraffer, in dem der Erste Weltkrieg stattfindet und wichtige Figuren sterben, darunter Mrs. Ramsay und zwei ihrer Kinder.

Dieser Abschnitt beleuchtet den Verfall des Ferienhauses und symbolisiert die tiefgreifenden Veränderungen, die die Zeit mit sich bringt.

Die Erfüllung: Zum Leuchtturm

Im letzten Teil, „Zum Leuchtturm“, wird die lange aufgeschobene Fahrt zum Leuchtturm endlich unternommen.

Die Reise wird von Mr. Ramsay, seinen verbliebenen Kindern und einigen Gästen angetreten und symbolisiert die Überwindung persönlicher und familiärer Konflikte.

Charaktere und Beziehungen

Die dynamischen und oft komplexen Beziehungen zwischen den Charakteren bilden das Herzstück des Romans.

Virginia Woolf nutzt die inneren Monologe, um die Gedanken und Gefühle der Figuren zu erforschen, was eine tiefgreifende Einsicht in ihre inneren Welten ermöglicht.

Themen und Motive

Zeit und Erinnerung spielen eine zentrale Rolle in „Die Fahrt zum Leuchtturm“, wobei Woolf die Vergänglichkeit des Lebens und die Unbeständigkeit menschlicher Beziehungen herausarbeitet.

Der Leuchtturm selbst wird zu einem mächtigen Symbol für Sehnsucht, Erreichung und die Suche nach Sinn.

Über die Autorin: Virginia Woolf

Virginia Woolf: Ein Porträt

virginia-woolf-orlandoVirginia Woolf, geboren im Jahr 1882, war eine britische Schriftstellerin und eine der führenden Persönlichkeiten der literarischen Moderne des 20. Jahrhunderts.

Ihre Werke sind berühmt für die Anwendung des Bewusstseinsstroms als Erzähltechnik, eine Innovation, die die literarische Darstellung der menschlichen Psyche revolutionierte.

Woolfs Beitrag zur Literatur

Woolf war nicht nur eine herausragende Romanautorin, sondern auch eine scharfsinnige Kritikerin und Essayistin, deren Arbeiten zu Feminismus, Literaturkritik und gesellschaftlichen Fragen bis heute nachhallen.

Ihr Einfluss erstreckt sich weit über die Grenzen der Literatur hinaus und macht sie zu einer Schlüsselfigur in den Diskursen über Geschlechterrollen, Kunst und Kultur.

Häufige Fragen

Warum ist „Die Fahrt zum Leuchtturm“ so bedeutend?

„Die Fahrt zum Leuchtturm“ gilt als eines von Virginia Woolfs Meisterwerken, das wegen seiner tiefen psychologischen Einsichten und seiner innovativen narrative Technik geschätzt wird.

Das Werk ist ein Schlüsseltext des Modernismus, der die Grenzen dessen erweitert, wie Geschichten erzählt und wie Charaktere porträtiert werden können.

Was symbolisiert der Leuchtturm?

Der Leuchtturm im Roman symbolisiert mehrere Themen, darunter Sehnsucht, Unveränderlichkeit und die Suche nach Bedeutung in einem sich verändernden Universum.

Er steht für ein unerreichbares Ideal oder Ziel, das trotz seiner Unveränderlichkeit eine tiefgreifende Wirkung auf die Charaktere und ihre Beziehungen hat.

Wie spiegelt der Roman Woolfs eigene Erfahrungen wider?

Viele Aspekte des Romans spiegeln Virginia Woolfs persönliche Erfahrungen und Ansichten wider, einschließlich ihrer Gedanken über Familie, Verlust und die Natur der Kunst.

Die Figur von Mrs. Ramsay basiert teilweise auf Woolfs eigener Mutter, und der Roman erkundet Themen der Vergänglichkeit und des persönlichen Wachstums, die in Woolfs Leben zentral waren.

Links und Literatur

Seite „Die Fahrt zum Leuchtturm“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Januar 2024, 06:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Fahrt_zum_Leuchtturm&oldid=241223630 (Abgerufen: 27. März 2024)

Jane Ciabattari: The 100 greatest British novels, 7 December 2015, bbc.com (Abgerufen: 27. März 2024)

Liste „The top 50 books from BBC Culture’s top 100 countdown“

The top 50 books from BBC Culture’s top 100 countdown
50. A Passage to India (EM Forster, 1924)
49. Possession (AS Byatt, 1990)
48. Lucky Jim (Kingsley Amis, 1954)
47. The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman (Laurence Sterne, 1759)
46. Midnight’s Children (Salman Rushdie, 1981)
45. The Little Stranger (Sarah Waters, 2009)
44. Wolf Hall (Hilary Mantel, 2009)
43. The Swimming Pool Library (Alan Hollinghurst, 1988)
42. Brighton Rock (Graham Greene, 1938)
41. Dombey and Son (Charles Dickens, 1848)
40. Alice’s Adventures in Wonderland (Lewis Carroll, 1865)
39. The Sense of an Ending (Julian Barnes, 2011)
38. The Passion (Jeanette Winterson, 1987)
37. Decline and Fall (Evelyn Waugh, 1928)
36. A Dance to the Music of Time (Anthony Powell, 1951-1975)
35. Remainder (Tom McCarthy, 2005)
34. Never Let Me Go (Kazuo Ishiguro, 2005)
33. The Wind in the Willows (Kenneth Grahame, 1908)
32. A Room with a View (EM Forster, 1908)
31. The End of the Affair (Graham Greene, 1951)
30. Moll Flanders (Daniel Defoe, 1722)
29. Brick Lane (Monica Ali, 2003)
28. Villette (Charlotte Brontë, 1853)
27. Robinson Crusoe (Daniel Defoe, 1719)
26. The Lord of the Rings (JRR Tolkien, 1954)
25. White Teeth (Zadie Smith, 2000)
24. The Golden Notebook (Doris Lessing, 1962)
23. Jude the Obscure (Thomas Hardy, 1895)
22. The History of Tom Jones, a Foundling (Henry Fielding, 1749)
21. Heart of Darkness (Joseph Conrad, 1899)
20. Persuasion (Jane Austen, 1817)
19. Emma (Jane Austen, 1815)
18. Remains of the Day (Kazuo Ishiguro, 1989)
17. Howards End (EM Forster, 1910)
16. The Waves (Virginia Woolf, 1931)
15. Atonement (Ian McEwan, 2001)
14. Clarissa (Samuel Richardson,1748)
13. The Good Soldier (Ford Madox Ford, 1915)
12. Nineteen Eighty-Four (George Orwell, 1949)
11. Pride and Prejudice (Jane Austen, 1813)
10. Vanity Fair (William Makepeace Thackeray, 1848)
9. Frankenstein (Mary Shelley, 1818)
8. David Copperfield (Charles Dickens, 1850)
7. Wuthering Heights (Emily Brontë, 1847)
6. Bleak House (Charles Dickens, 1853)
5. Jane Eyre (Charlotte Brontë, 1847)
4. Great Expectations (Charles Dickens, 1861)
3. Mrs Dalloway (Virginia Woolf, 1925)
2. To the Lighthouse (Virginia Woolf, 1927)
1. Middlemarch (George Eliot, 1874)

Buchausgabe

Virginia Woolf.
Die Fahrt zum Leuchtturm.
Übersetzt von Karl Lerbs.
Erstdruck dieser Übersetzung: Insel-Verlag, Leipzig 1931.
Erstdruck des englischsprachigen Originals: To the Lighthouse. Hogarth Press, London 1927.

Vollständige Neuausgabe, Göttingen 2019.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

ISBN: 3965421387
Paperback.  152 Seiten

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 27. März 2024