Else Lasker Schüler - Das Hebräerland

Das Hebräerland

„In Tel-Aviv sind alle Menschen Juden, alte und neue, vergilbte und blühende. Der Richter ist Jude, der Polizist, der liebenswürdige Bürgermeister, der uns eben so väterlich zunickte, aber auch der Soldat. Eine Stadt, von Hebräern gebaut, gefüllt mit Hebräern. Doch gastlich empfängt ein jeder von ihnen den Andersgläubigen.“

„Das Hebräerland“ ist ein Reisebild in lyrischer Prosa, in dem Else-Lasker Schüler einen idealtypischen jüdischen Staat beschreibt.

Das Hebräerland – Zusammenfassung

Das Hebräerland ist ein erzählerisches Hauptwerk von Else Lasker-Schüler, das die tiefen emotionalen und spirituellen Erfahrungen der Autorin während ihrer Zeit im Exil reflektiert. Das Werk entstand nach ihrer ersten Reise nach Palästina im Jahr 1934 und wurde 1937 veröffentlicht, während Lasker-Schüler in der Schweiz lebte, wohin sie 1933 vor den Nationalsozialisten geflohen war.

Hintergrund und Kontext

Nachdem Else Lasker-Schüler Deutschland verlassen hatte, fand sie sich in einer schwierigen und oft feindseligen Umgebung in Zürich wieder. Trotz bürokratischer Hindernisse und persönlicher Einsamkeit behielt sie die Hoffnung auf eine Rückkehr in das Land ihrer Vorfahren, Israel. Diese Hoffnung und die Spannungen ihres Exillebens prägen die Erzählungen in Das Hebräerland.

Inhaltliche Aspekte

Das Buch ist eine Mischung aus Reisebericht, Autobiografie und poetischer Reflexion. Lasker-Schüler beschreibt ihre Reise von Zürich über Genua und Alexandria nach Palästina, wo sie die Städte, die Landschaften und das kulturelle Leben intensiv wahrnimmt. Die Autorin verbindet ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse mit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Geschichte und den religiösen Traditionen des Landes.

Themen und Motive

Das Hebräerland behandelt Themen wie Heimat, Exil, Identität und Sehnsucht. Lasker-Schüler nutzt ihre persönlichen Erfahrungen, um ein komplexes Bild von Israel zu zeichnen, das sowohl die historische als auch die zeitgenössische Realität umfasst. Ihre Darstellungen schwanken zwischen Verklärung und realistischer Schilderung, was dem Buch eine lyrische Tiefe verleiht.

Stil und Erzählweise

Else Lasker-Schüler ist bekannt für ihren expressiven und bildhaften Stil, und in Das Hebräerland nutzt sie diese Fähigkeiten, um eine atmosphärische und emotional geladene Erzählung zu schaffen. Sie verwebt poetische Beschreibungen mit philosophischen Überlegungen und persönlichen Anekdoten, was ihr Werk sowohl zu einem intellektuellen als auch zu einem emotionalen Erlebnis macht.

Else Lasker-Schüler – Dichterin im Exil

Else Lasker-Schüler, eine der bedeutendsten deutschen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts, fand sich durch die politischen Umwälzungen ihrer Zeit gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen und im Exil zu leben. Ihre Erfahrungen im Exil prägten viele ihrer späteren Werke und verstärkten die tiefen emotionalen und thematischen Strömungen, die ihr Schreiben durchzogen.

Frühe Jahre und Aufstieg

Geboren 1869 in Elberfeld, einem Stadtteil von Wuppertal, erlebte Else Lasker-Schüler eine behütete Kindheit in einer wohlhabenden jüdischen Familie. Ihre frühen literarischen Erfolge in Deutschland, wo sie eine zentrale Figur der expressionistischen Bewegung wurde, waren geprägt durch ihre einzigartige poetische Stimme. Werke wie Styx und Der siebente Tag brachten ihr Anerkennung und Respekt in der literarischen Gemeinschaft.

Exil in Zürich

1933, als die Nationalsozialisten in Deutschland an die Macht kamen, wurde Lasker-Schülers Leben und das ihrer jüdischen Zeitgenossen zunehmend gefährdet. Der Tod ihres Sohnes Paul 1927 hatte sie bereits tief getroffen, und die steigende Feindseligkeit in ihrer Heimat führte schließlich zu ihrer Emigration in die Schweiz. In Zürich fand sie jedoch keine Ruhe. Ihre Aufenthaltsgenehmigungen waren stets befristet, und sie erlebte eine ständige Unsicherheit, die ihre Schreibarbeit und ihr persönliches Wohlbefinden beeinträchtigte.

Kreatives Schaffen im Exil

Trotz der Schwierigkeiten, denen sie im Exil begegnete, blieb Lasker-Schüler eine produktive Schriftstellerin. 1937 veröffentlichte sie Das Hebräerland, ein Werk, das aus ihren Reisen nach Palästina inspiriert wurde und ihre tiefe Verbindung zum jüdischen Erbe und ihre ambivalenten Gefühle gegenüber dem Land ihrer Vorfahren reflektiert. Das Buch ist ein berührendes Zeugnis ihrer Suche nach einer spirituellen und kulturellen Heimat in einer Zeit der Verwurzelung und des persönlichen Verlusts.

Leben in Jerusalem

1939 reiste Lasker-Schüler zum dritten Mal nach Palästina und entschied sich, aufgrund der Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs und der verweigerten Rückreiseerlaubnis durch die schweizerischen Behörden, dort zu bleiben. In Jerusalem lebte sie unter schwierigen Bedingungen, war aber umgeben von einem Kreis von Freunden und Bewunderern, zu denen bekannte Persönlichkeiten wie Martin Buber und Samuel Hugo Bergman zählten. Ihr letzter Gedichtband, Mein blaues Klavier, der 1943 erschien, spiegelt ihre anhaltende kreative Vitalität und ihren unerschütterlichen Geist wider.

Else Lasker-Schüler starb 1945 in Jerusalem und hinterließ ein beeindruckendes literarisches Erbe, das durch ihre Erfahrungen im Exil sowohl bereichert als auch überschattet wurde.

Das Hebräerland – Buch

Else Lasker-Schüler.
Das Hebräerland.
Erstdruck: Oprecht Verlag, Zürich 1937.
Durchgesehener Neusatz, der Text dieser Ausgabe folgt:
Deutscher Taschenbuch Verlag, Ungekürzte Ausgabe, München 1981.

Else Lasker Schüler - Das HebräerlandNeuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2020.

EAN: 9783965423930
ISBN: 3965423932
Paperback.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag
Oktober 2020 – 136 Seiten

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Verfasst von Thomas Löding, LIWI Blog, zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2024