Charles Dickens - Charles Dickens Weihnachtsgeschichte

Charles Dickens Weihnachtsgeschichte

„Einmal, es war von allen guten Tagen im Jahr der beste, der Christabend, saß der alte Scrooge in seinem Kontor. Draußen war es schneidend kalt und neblig (…). Es hatte eben erst drei Uhr geschlagen, doch war es schon stockfinster. Den ganzen Tag über war es nicht hell geworden, und die Kerzen in den Fenstern der benachbarten Kontore flackerten wie rote Flecken auf der dicken braunen Luft. Der Nebel drang durch jede Spalte und durch jedes Schlüsselloch und war draußen so dick, daß die gegenüberliegenden Häuser des sehr kleinen Hofes wie ihre eigenen Geister aussahen.“

Die berühmte Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, hier in der vielgelesenen Übersetzung von Richard Zoozmann.

Ein zeitloser Klassiker

Die Erzählung „Eine Weihnachtsgeschichte“, auch bekannt als „Der Weihnachtsabend“, ist eines der berühmtesten Werke von Charles Dickens. Erstmals veröffentlicht wurde sie am 19. Dezember 1843, begleitet von Illustrationen des Künstlers John Leech.

Die Handlung im Überblick

Im Zentrum der Geschichte steht Ebenezer Scrooge, ein mürrischer und geiziger Geldverleiher. Scrooge erlebt in einer einzigen Nacht den Besuch mehrerer Geister, beginnend mit dem seines verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley. Anschließend erscheinen drei weitere Geister, die ihm schließlich helfen, sein Leben grundlegend zu verändern. Dickens nutzt die Erzählung, um soziale Missstände im 19. Jahrhundert im Vereinigten Königreich anzuprangern.

Die fünf Strophen der Erzählung

Die Geschichte ist in fünf Abschnitte, sogenannte Strophen, unterteilt:

  1. Strophe I: Marleys Geist
    Hier wird die Figur Jacob Marley eingeführt, der ehemalige Geschäftspartner und einzige Freund von Ebenezer Scrooge. Dickens beschreibt Scrooge als kalten und geizigen Menschen. Nach Marleys Tod wird Scrooge von dessen Geist heimgesucht, der ihm die Ankunft dreier weiterer Geister ankündigt.
  2. Strophe II: Der erste Geist
    Der erste Geist, der „Geist der vergangenen Weihnacht“, führt Scrooge durch seine eigene Vergangenheit und zeigt ihm wichtige Momente, die ihn tief berühren und ihm seine Fehler vor Augen führen.
  3. Strophe III: Der zweite Geist
    Der „Geist der diesjährigen Weihnachtsnacht“ offenbart Scrooge gegenwärtige Szenen, darunter das bescheidene, aber herzliche Weihnachtsfest der Familie seines Angestellten Bob Cratchit.
  4. Strophe IV: Der letzte Geist
    Der stumme „Geist der zukünftigen Weihnacht“ führt Scrooge durch eine Reihe düsterer Visionen, die seinen Tod und dessen Folgen zeigen.
  5. Strophe V: Das Ende
    Scrooge erwacht verwandelt und voll guter Vorsätze. Er beginnt, sich in der Gemeinschaft zu engagieren und ändert seine Einstellung zu Weihnachten und seinen Mitmenschen grundlegend.

Verfilmungen und Adaptionen

Diese zeitlose Geschichte wurde mehrfach verfilmt und adaptiert, darunter in Kinofilmen, Fernsehproduktionen, parodistischen Verfilmungen, sowie in Hörspiel- und Bühnenfassungen.

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Kinoadaptionen von „Eine Weihnachtsgeschichte“

Die Erzählung „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens hat im Laufe der Jahre zahlreiche Umsetzungen auf der großen Leinwand erlebt. Hier sind einige der bemerkenswertesten Verfilmungen:

  • 1901: Der britische Kurzfilm „Scrooge, or Marley’s Ghost“ gilt als eine der ersten filmischen Umsetzungen der Geschichte.
  • 1908: In den USA entstand der Kurzfilm „A Christmas Carol“ mit Tom Ricketts in der Hauptrolle.
  • 1935: Die britische Produktion „Scrooge“ mit Seymour Hicks in der Titelrolle markierte den ersten Tonfilm dieser Geschichte.
  • 1938: MGM produzierte die erste amerikanische Verfilmung „A Christmas Carol“ mit Reginald Owen als Scrooge.
  • 1951: In der britischen Verfilmung „Eine Weihnachtsgeschichte“ (Originaltitel „Scrooge“) spielte Alastair Sim die Hauptfigur Ebenezer Scrooge.
  • 1954: Fredric March übernahm die Rolle des Ebenezer Scrooge in einer Verfilmung unter der Regie von Ralph Levy.
  • 1970: Das Musical „Scrooge“ mit Albert Finney in der Hauptrolle, für die er den Golden Globe Award erhielt.
  • 1988: „Die Geister, die ich rief …“ (Originaltitel „Scrooged“) ist eine moderne Interpretation mit Bill Murray in der Hauptrolle.
  • 1999: Patrick Stewart spielte Ebenezer Scrooge in „A Christmas Carol – Die Nacht vor Weihnachten“, auch bekannt als „A Christmas Carol – Die drei Weihnachtsgeister“.
  • 2000: „A Diva’s Christmas Carol – Ein ganz besonderes Weihnachten“ präsentiert Vanessa Lynn Williams in der Rolle der Ebony Scrooge.
  • 2001: „Ein Weihnachtsmärchen“ (Originaltitel „Christmas Carol: The Movie“) ist eine weitere filmische Umsetzung der Geschichte.
  • 2003: „Carol und die Weihnachtsgeister“ (Originaltitel „A Carol Christmas“) mit Tori Spelling, Gary Coleman und William Shatner.
  • 2004: „Eine Weihnachtsgeschichte nach Charles Dickens – Musical“ (Originaltitel „A Christmas Carol“), eine Musical-Version mit Kelsey Grammer.
  • 2009: „Disneys Eine Weihnachtsgeschichte“ (Originaltitel „Disney’s A Christmas Carol“) unter der Regie von Robert Zemeckis mit Jim Carrey als Ebenezer Scrooge sowie Gary Oldman in den Rollen von Bob Cratchit und Jacob Marley.

Fernsehadaptionen von „Eine Weihnachtsgeschichte“

Auch im Fernsehformat wurde Charles Dickens‘ „Eine Weihnachtsgeschichte“ vielfach adaptiert, wobei jede Produktion ihren eigenen Charme in die Darstellung einbrachte.

  • 1949: „The Christmas Carol“, ein US-amerikanisches Fernsehfilm-Special in schwarz-weiß, inszeniert von William Keighley.
  • 1955: In Deutschland entstand das Fernsehspiel „Ein Weihnachtslied in Prosa“ mit Harald Mannl in der Rolle des Ebenezer, unter der Regie von Wilm ten Haaf.
  • 1960: Eine weitere deutsche Adaption mit dem Titel „Ein Weihnachtslied in Prosa oder Eine Geistergeschichte zum Christfest“ wurde ausgestrahlt, diesmal mit Carl Wery als Ebenezer Scrooge, inszeniert von Franz Josef Wild.
  • 1982: Der australische Zeichentrickfilm „Ein Weihnachtsmärchen“, geschrieben von Alex Buzo, präsentierte eine animierte Version der Geschichte.
  • 1984: Der US-amerikanisch-britische Fernsehfilm „Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte“ mit George C. Scott als Ebenezer Scrooge, Drehbuch von Roger O. Hirson und Regie von Clive Donner.
  • 1997: „Ms. Scrooge – Ein wundervoller Engel“, ein US-amerikanisch-kanadischer Fernsehfilm, stellte Cicely Tyson in der Hauptrolle der Ebenita Scrooge vor, unter der Regie von John Korty.
  • 2019: Die BBC produzierte die Miniserie „A Christmas Carol“, eine neuere Interpretation der klassischen Geschichte.
  • 2022: „Scrooge: Ein Weihnachtsmusical“, ein US-amerikanischer musikalischer Animationsfilm von Netflix, inszeniert von Stephen Donnelly.
  • 2022: „Spirited“, ein Musikfilm von Sean Anders mit Will Ferrell und Ryan Reynolds in den Hauptrollen, bietet eine moderne musikalische Interpretation.

Diese vielfältigen Fernsehproduktionen spiegeln die anhaltende Faszination und Vielseitigkeit von Dickens‘ Weihnachtserzählung wider und zeigen, wie sie Generationen von Zuschauern auf der ganzen Welt inspiriert hat.

Weitere kreative Adaptionen von „Eine Weihnachtsgeschichte“

Im Laufe der Jahre hat „Eine Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens viele kreative und einzigartige Adaptionen erfahren, die von animierten Filmen bis hin zu Puppenspielen reichen.

  • 1971: Der Trickfilm „A Christmas Carol“ wurde 1973 mit einem Oscar in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm ausgezeichnet, unter der Regie von Richard Williams.
  • 1983: „Mickys Weihnachtserzählung“ (Originaltitel „Mickey’s Christmas Carol“) ist ein Zeichentrick-Kurzfilm, der die Geschichte mit Disney-Figuren darstellt. So wird Scrooge von Dagobert Duck und Bob Cratchit von Micky Maus gespielt, während die Geister von Goofy, Jiminy Cricket und anderen Disney-Figuren verkörpert werden.
  • 1992: „Die Muppets-Weihnachtsgeschichte“ (Originaltitel „The Muppet Christmas Carol“) präsentiert Michael Caine als Ebenezer Scrooge, umgeben von den beliebten Muppets, die andere Schlüsselrollen übernehmen.
  • 1994: „Freds Weihnachtsshow“ (Originaltitel „A Flintstones Christmas Carol“) ist eine Adaption mit den bekannten Figuren der Flintstones.
  • 1997: Eine weitere Zeichentrickversion wurde als „Die Weihnachtsgeschichte“ veröffentlicht, unter der Regie von Stan Phillips.
  • 2001: Am Broadway wurde „A Christmas Carol“ als Musical inszeniert, in dem unter anderem Nick Jonas in der Rolle des jungen Scrooge auftrat.
  • 2006: „A Sesame Street Christmas Carol“ ist eine Direct-to-Video-Produktion der Sesamstraße.
  • 2008: „Barbie in: Eine Weihnachtsgeschichte“, ein computeranimierter Film von Rainmaker Entertainment.
  • 2016: „My Little Pony – Ein Freundschaftsfeuerfest für Starlight“ ist eine Musicalepisode, die lose auf Dickens‘ Weihnachtsgeschichte basiert.
  • 2017: „Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand“ (Originaltitel „The Man who invented Christmas“) erzählt die Geschichte hinter der Entstehung des Buches.
  • 2018: „Geister der Weihnacht“ ist ein Kinofilm der Augsburger Puppenkiste, der die Geschichte in der Welt des Puppentheaters neu interpretiert.

Diese Variationen zeigen, wie universell und anpassungsfähig die Botschaft von Dickens‘ Werk ist und wie sie in verschiedenen künstlerischen Formen zum Ausdruck gebracht werden kann.

Über den Autor Charles Dickens

Biografie:

Charles Dickens wurde am 7. Februar 1812 in Landport, Portsmouth, England, als zweitältestes von acht Kindern geboren. Sein Vater, John Dickens, war Angestellter in der Marine-Pay-Office und seine Mutter, Elizabeth Dickens, war Hausfrau. Die finanzielle Lage der Familie war instabil, und als Charles zwölf Jahre alt war, wurde sein Vater wegen Schulden in das Schuldgefängnis Marshalsea eingesperrt. Diese Erfahrung prägte Dickens tief und beeinflusste viele seiner späteren Werke, in denen Armut und soziale Ungerechtigkeit zentrale Themen sind.

Aufgrund der finanziellen Not der Familie musste Charles seine Schulbildung unterbrechen und in einer Schuhwichsfabrik arbeiten, um zum Familienunterhalt beizutragen. Diese Zeit hinterließ bei ihm bleibende Spuren und schuf ein tiefes Bewusstsein für die Härten des Lebens der Armen und Arbeiterklasse.

Karrierebeginn:

Dickens‘ literarische Karriere begann als Journalist. Er schrieb für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften und veröffentlichte 1836 seine erste Sammlung von Kurzgeschichten, „Sketches by Boz“. Im selben Jahr heiratete er Catherine Hogarth, mit der er zehn Kinder hatte.

Sein Durchbruch kam 1836-1837 mit der Veröffentlichung von „Die Pickwickier“ (The Pickwick Papers), einem humorvollen Roman, der ihn über Nacht berühmt machte. Dieser Erfolg ermöglichte es ihm, sich vollständig auf das Schreiben zu konzentrieren.

Literarisches Werk:

Dickens schrieb zahlreiche Romane, die heute als Klassiker der englischen Literatur gelten. Seine Werke zeichnen sich durch ihre komplexen Charaktere, sozialen Kommentar und lebendige Beschreibungen des viktorianischen Englands aus. Zu seinen bekanntesten Romanen gehören:

  1. Oliver Twist (1837-1839): Die Geschichte eines Waisenjungen, der in die kriminelle Unterwelt Londons gerät. Der Roman kritisiert scharf die Armut und das schlechte Behandlungssystem von Waisenhäusern und Armenhäusern.
  2. David Copperfield (1849-1850): Ein weitgehend autobiografischer Roman, der die Lebensgeschichte eines Jungen erzählt, der sich trotz zahlreicher Widrigkeiten seinen Weg in die Welt bahnt.
  3. A Tale of Two Cities (1859): Ein historischer Roman, der die Geschichte zweier Städte, London und Paris, während der Französischen Revolution erzählt. Der Roman ist bekannt für seine Eröffnungslinie „Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit…“ und seine packende Darstellung von Opfern und Erlösung.
  4. Great Expectations (1860-1861): Die Geschichte des Waisenjungen Pip, der durch eine unerwartete Erbschaft aus der Unterschicht in die Gesellschaft aufsteigt, nur um zu erkennen, dass wahres Glück und menschliche Werte nicht durch Reichtum bestimmt werden.
  5. Bleak House (1852-1853): Ein komplexer Roman, der die langsamen und oft korrupten Abläufe des englischen Rechtssystems kritisiert und eine Vielzahl von Charakteren und Handlungssträngen miteinander verwebt.

Soziale Kommentare und Philanthropie:

Dickens war nicht nur ein Schriftsteller, sondern auch ein engagierter Sozialreformer. Viele seiner Werke thematisieren die sozialen Missstände seiner Zeit, darunter Kinderarbeit, Armut, Bildung und das Justizsystem. Er nutzte seine Popularität, um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und setzte sich aktiv für Reformen ein.

Er war auch an philanthropischen Aktivitäten beteiligt und half, Einrichtungen zu gründen, die obdachlosen und bedürftigen Menschen halfen. Dickens‘ eigene Erfahrungen in der Fabrik und mit der Armut seiner Familie verliehen seinen Schriften Authentizität und eine tiefe Empathie für die benachteiligten Schichten der Gesellschaft.

Späteres Leben und Tod:

In den letzten Jahren seines Lebens litt Dickens unter gesundheitlichen Problemen, die durch seine intensive Arbeit und ausgedehnten Lesereisen verschärft wurden. Er erlitt 1865 einen schweren Eisenbahnunfall, bei dem er zwar körperlich relativ unversehrt blieb, aber psychisch stark litt.

Charles Dickens starb am 9. Juni 1870 in seinem Haus in Gad’s Hill Place, Kent. Er hinterließ ein unvollendetes Werk, „Das Geheimnis des Edwin Drood“ (The Mystery of Edwin Drood). Dickens wurde in der Poets’ Corner der Westminster Abbey in London beigesetzt, ein Zeichen seiner herausragenden Stellung in der englischen Literatur.

Eine Weihnachtsgeschichte – Buch

Charles Dickens - Charles Dickens WeihnachtsgeschichteCharles Dickens.
Eine Weihnachtsgeschichte.
Erstdruck des englischsprachigen Orginals: A Christmas Carol in Prose, Being a Ghost-Story of Christmas.
Chapman and Hall, London 1843.

Übersetzt von Richard Zoozmann (1863-1934).
Die hier vorliegende Übersetzung erschien erstmals unter dem Titel „Weihnachtslied“.

Neuausgabe, LIWI Verlag, Göttingen 2019.
LIWI Literatur- und Wissenschaftsverlag

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